Bronze, Silber, viele gar Gold. Im Wohnzimmer von Ramona Probst hängen diverse Medaillen von verschiedenen Wettkämpfen. Auch einige Pokale zeugen vom Erfolg der jungen Laupersdörferin in ihrer Sportart Aerobic. Rund um diese Auszeichnungen befinden sich aber auch Erinnerungsstücke, die für die 29-Jährige mindestens genauso wichtig sind wie das Edelmetall.

Es handelt sich um Fotos ihres Aerobic-Teams, Alben, Kärtchen, Briefe, eine Schatztruhe, in der sich Schoggi und Süsses befindet. «Die kommt an alle Wettkämpfe mit», erzählt Probst. «Damit wir immer mit viel Herz und Freude dabei sind.» Es sind diese Emotionen, der Zusammenhalt untereinander, die der Turnerin so sehr am Herzen liegen. «Es geht mir nicht darum, immer nur auf dem Podest zu stehen», sagt sie. «Meine grösste Freude ist es, die Liebe zum Sport weitergeben zu können.»

Michael Anken und Ramona Probst an der SM Aerobic 2017

Erfolgreich im Team und als Paar

Dies hat sie denn auch getan. Vor 16 Jahren ist Probst dem Teamaerobic des DTV Laupersdorf beigetreten, 2008 übernahm sie dessen Leitung und hat seither massgebend zur Nachwuchsförderung beigetragen. Mittlerweile gibt es mehrere Teams: Jugend, Youngsters und Oldies. Auch Mini- und Kids-Aerobic werden angeboten. Dank ihres Einsatzes konnten die Teams Jahr für Jahr höhere Noten und bessere Ränge erzielen. In der Zwischenzeit gelten die Teams aus Laupersdorf an den kantonalen und nationalen Wettkämpfen zu den Favoriten. Es sei zwar «vöu Büetz», die Musik und das Programm für so viele Teams auf die Beine zu stellen. «Aber wenn ich sehe, wie viel Spass wir alle zusammen haben, ist es das wert.»

Ebenfalls sehr erfolgreich ist Probst im Paaraerobic. Mit Michel Anken vom STV Niederbuchsiten wurde sie im letzten Jahr bereits zum vierten Mal Schweizer Meister. Und das, obwohl sich die beiden zuvor ein Jahr lang eine Auszeit nahmen. Mit Anken passe einfach alles, nicht nur sportlich, sondern auch menschlich. «Wenn Michel und ich uns zum Üben treffen, fügt sich alles zusammen», schwärmt die Turnerin.

Und diese Harmonie ist auch für den Zuschauer sichtbar: Anken wirbelt seine Turnpartnerin spielend durch die Lüfte, jeder Muskel ist gespannt. Und auch wenn die Kombinationen kompliziert sind und die Bewertung streng ist, tragen die beiden immer ein Lächeln auf den Lippen. Die Freude an dem, was sie tun, überträgt sich auf das Publikum: Es johlt, applaudiert, auf den Rängen gibt es kein Halten mehr.

Schweizer Meister SM Aerobic 2015 (Paar): Ramona Probst und Michel Anken  (DTV Laupersdorf/STV Niederbuchsiten

Schweizer Meister SM Aerobic 2015 (Paar): Ramona Probst und Michel Anken (DTV Laupersdorf/STV Niederbuchsiten

Disziplin: Paar 

Kanton würdigt ihre Leistungen

Für all diese sportlichen und vereinsinternen Leistungen wurde Probst von der Solothurner Regierung geehrt und konnte den Sportpreis sowie ein Preisgeld von 7000 Franken entgegennehmen. Zwar kam die Auszeichnung etwas überraschend: «Aerobic ist ein Team-Sport», so Probst. «Es wäre falsch, eine Einzelsportlerin für den Erfolg von Mehreren verantwortlich zu machen.» Doch der Preis sei nicht einfach eine Würdigung ihrer Erfolge auf dem Platz, sondern vielmehr auch eine Anerkennung ihrer gesamten Arbeit innerhalb des Vereins. «Ich bin schon ein wenig das ‹Zugpferdli›, das Schweiss und Blut in das Team steckt.» Was sie mit dem Preisgeld anfangen wird, weiss die Turnerin noch nicht. Eine Runde für ihr Team ausgeben? «Das mache ich doch auch, ohne vorher einen Preis zu gewinnen», antwortet sie und lacht.

Für Probst ist die Aerobic-Gruppe wie eine grosse Familie. Dazu gehört auch die treue Fangemeinschaft, die an die Wettkämpfe mitreist und die Turner lauthals anfeuert. «Bring the Action» lautet das Motto, das auf die orangefarbenen T-Shirts gedruckt ist. Auch deren Aufwand zahlt sich aus: Seit Neustem erhält der grösste Fan einen Pokal.

Kantonalturnfest steht an

Die Fangemeinschaft wird die Turner sicher auch am Wochenende tatkräftig unterstützen. Der Turnverein nimmt am dreiteiligen Vereinswettkampf am Kantonalturnfest in Obergösgen teil. «Wir wollen einfach Spass haben und jeder soll sein Bestes geben», sagt Probst. Und auch wenn der Spass im Vordergrund steht, in der Kategorie Aerobic möchte die Laupersdörferin den Titel des Kantonalmeisters verteidigen.

Aber auch nach dem Turnfest wird so schnell wohl keine Ruhe in ihr Leben treten. «Stillstand wäre für mich sowieso das Schlimmste», fügt Probst lachend an. Ob Gleitschirm fliegen oder mit Freunden «Apéröle», selbst wenn sie nicht in der Halle steht, sei bei ihr immer etwas los. Als Pflegerin der Abteilung für pädiatrische Intensivbehandlung der Universitäts-Kinderkliniken pendelt sie ständig zwischen Laupersdorf und Bern hin und her.

Bis im 2019 wird sich voraussichtlich nicht viel an ihrem Alltag ändern. Dann steht womöglich noch ein weiteres Highlight ihrer sportlichen Karriere an: Der DTV Laupersdorf hat sich um die Durchführung der Schweizermeisterschaften vom 26. und 27. Oktober 2019 beworben. Danach dürfe es aber getrost etwas ruhiger zu- und hergehen. «Heute richte ich mein Leben nach dem Sport», so Probst. «Und dann will ich den Sport endlich wieder einmal nach meinem Leben richten.»