Gretzenbach

Mit stählernen Rössern aus dem Niederamt nach Neuseeland

Ziel erreicht: Klemens Huber und Brigitte Batt bei ihrer Ankunft im neuseeländischen Eureka.

Ziel erreicht: Klemens Huber und Brigitte Batt bei ihrer Ankunft im neuseeländischen Eureka.

Das Freiburger Ehepaar war zwei Jahre lang unterwegs und reiste von der Schweiz bis nach Neuseeland – von 3284 Fräschels bis 3284 Eureka. Möglich gemacht hatten es Spezialfahrräder der Firma Aarios AG in Gretzenbach.

Seit 23 Jahren sind Brigitte Batt und Klemens Huber verheiratet, und fast genauso alt ist der Wunsch nach einer Weltreise mit dem Fahrrad mit Ziel Neuseeland. «Aber wie es so ist: Manchmal fehlte das Geld, manchmal die Zeit», erzählen die beiden Freiburger, die als Gewerbefotografen arbeiteten. Doch dann, im November 2009 begannen sich die Pläne zu konkretisieren. Im Internet machten sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Velo-Anbieter und wurden bald bei der Firma Aarios AG in Gretzenbach fündig. Sie schauten vorbei, «und wir wurden so sensationell umfassend beraten, dass wir keinen anderen Anbieter mehr prüfen mussten. Wir wussten: Arnold Ramel ist unser Mann», erklären sie.

Firmeninhaber Arnold Ramel bemerkt: «Bevor ich ihnen ein Angebot machen konnte, musste ich viel von ihnen erfahren: Wohin sie reisen wollen und wann, beispielsweise. Und ich musste auch wissen, wie viel sie ausgeben wollten». Denn: Velos aus dem Hause Aarios sind Einzelanfertigungen, Unikate und darum nicht ganz billig. Wieviel Batt und Huber berappt haben, war nicht zu erfahren. Ramel meint nur: «Wir produzieren auch für ein kleineres Budget».

Im Falle der beiden Weltenbummler war klar: Ein einfacher Alurahmen taugt nicht; «Aluminium ist spröde und neigt leicht zu Brüchen», so Ramel. Und Huber ergänzt: «Leute, die Stahlrahmen schweissen und löten können, findet man überall, aber nicht solche, die dies auch bei Alurahmen vollziehen können». Entsprechend musste also ein Stahlrahmen her, abgestimmt auf die Körpergrösse und die Proportionierung der Kunden. «Das ist wichtig, denn im Notfall muss man unter Umständen sofort abspringen können, etwa in einer heiklen Verkehrssituation», so Huber.

Im Mai 2010...

...erhielten die beiden ihre Fahrräder, welche zudem mit einer sogenannten Rohloff-Nabenschaltung (14 Gänge), speziellen Gepäckträgern sowie Taschenhaltern ausgerüstet waren, und sie probierten sie zunächst in der Schweiz aus. Es sollte nochmals zehn Monate dauern, bis sie dann ihre Reise antreten konnten: Im März 2011 fuhren sie via Balkan nach Istanbul. Von dort ging es durch die ganze Türkei hindurch in den Iran, durch etliche zentralasiatische Staaten nach China und dann via Vietnam, Kambodscha, Thailand und Malaysia weiter nach Singapur. Auch einige indonesische Inseln bis nach Bali standen auf dem Programm, bevor sie den australischen Kontinent von Westen nach Osten durchquerten und dann von Brisbane nach Neuseeland flogen.

Von dort durchquerten sie zunächst die Südinsel, um dann das eigentliche Ziel auf der Nordinsel, das Städtchen Eureka, zu erreichen. Weshalb gerade Eureka? «Der Ort hat die gleiche Postleitzahl wie Fräschels, wo wir herkommen – 3284», erklärt das Paar. Dieses Ziel haben sie am 10. März, nach zwei Jahren, erreicht und sind, nach ein paar Wochen «Ferien von den Ferien» in Thailand, nach Frankfurt am Main geflogen, wo sie kürzlich eintrafen. Zu den 43 993 Kilometern bis Eureka kamen noch einige hinzu, bevor sie am Donnerstagmorgen ihren Reverenzbesuch bei der Firma Aarios antraten und Arnold Ramel einen Granitstein mit der Aufschrift «44 944 Kilometer» übergeben konnten. So viele Kilometer hatten sie nämlich bis nach Gretzenbach gebraucht. Rechnet man die rund 90 Kilometer bis Fräschels hinzu, wo sie gestern eintrafen, so wurde die 45 000-Kilometer-Marke locker geknackt.

Am nachhaltigsten...

...in Erinnerung bleibt den beiden die Gastfreundschaft, die ihnen ausnahmslos überall entgegengebracht wurde. «Wir erweckten überall die Neugier der Leute, und viele teilten mit uns das oft Wenige, das sie hatten», berichten sie. Von Problemen blieben sie verschont: Weder korrupte Beamte noch Unfälle, Krankheiten oder Bisse und Stiche von Gifttieren hätten sie belästigt oder seien zu verzeichnen gewesen. Und die Bilanz lässt sich sehen: Täglich legten sie im Schnitt 109 Kilometer zurück. Die Stahlrahmen haben gehalten, und auf den gut 45 000 Kilometern verbrauchten sie gerade mal zwei Reifensätze; dies dank der speziellen Keflar-Innenbeschichtung, «die fast allem standhielt – ausser den sehr feinen Metalldrähtchen zerfetzter Lastwagenreifen, die überall anzutreffen waren», wie sie erwähnen. Und die Strassen seien ausser im Pamir-Gebirge und auf Java «in einem überraschend guten Zustand» gewesen.

Und was nehmen sie mit nach Hause? «Wir leben hier in einer tollen Gegend mit einem ausgezeichneten Klima. Das weiss man erst zu schätzen, wenn man Hunderte von Kilometern durch die Wüste gefahren ist», so Klemens Huber. Das Schwierigste am Ganzen sei zudem gewesen, sich zum Moment des Aufbruchs durchzuringen. Und Brigitte Batt meint: «Ich will keine schlechte Laune mehr haben und mehr lachen. Alle Leute, die wir angetroffen haben, waren stets gut gelaunt und lachten, obschon es ihnen nach unseren Massstäben nicht gut ging. Das war beeindruckend.» Und Sorgen um ihre Zukunft machen sie sich nicht. «Es gibt Kunden, die warten sehnsüchtig darauf, dass wir wieder zurückkommen», grinsen die beiden Weltenbummler.

Übrigens: Brigitte Batt und Klemens Huber haben eine eigene Website eingerichtet (www.by-the-way.ch), auf der ihre Reise in aller Ausführlichkeit nachgelesen werden kann, bestückt mit vielen Fotos.

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