Kestenholz

Mit Pauken, Rätschen und viel Krach: Fasnächtler läuten fünfte Jahreszeit ein

Eine beachtliche Anzahl Chesslerinnen und Chessler läutete am frühen Morgen an der Monster-Chesslete in Kestenholz mit viel Lärm und Radau den Beginn der fünften Jahreszeit ein.

Es ist kurz vor vier Uhr in der Früh. Vereinzelt rieseln Schneeflocken vom Himmel. Noch schläft das Dörfchen Kestenholz selig. Nur einzelne Gestalten huschen leise durch die Nacht, eingehüllt in weisse Gewänder, Zipfelmützen und rote Halstücher.

Am Anfang sind es nur ein paar Wenige, die am Rainbrunnen eintreffen, doch je näher der Uhrzeiger an die Vier rückt, desto grösser wird die Meute. «Gar nicht so kalt heute», sagt eine der Anwesenden, reibt sich aber trotzdem wärmesuchend die Hände aneinander. Dann schlägt die Uhr Vier Mal.

«Was meint ihr? Wollen wir das Dorf aufwecken?», fragt Oberchesslerin Regi die Anwesenden laut. Als Antwort schwillt auf einmal der Lärm an. Beinahe wirkt es wie ein absurdes Orchester, die Oberchesslerin wie eine Dirigentin. Und so verwandeln sich die einzelnen Gespräche in gemeinsames Getöse. Es ist Monster-Chesslete und damit der Beginn der Fasnacht.

Alljährlich treffen sich die Fasnächtler am schmutzigen Donnerstag zum Vertreiben des Winters. Sei es mit Pauken, Rätschen, Tröten oder gar Pfannendeckeln. Denn Hauptsache, es wird laut und macht viel Krach. So zieht denn auch die Schar in Kestenholz durch die Strassen und bewahrt die Tradition.

In der Gemeinde bleibt kein Auge zu

Rund 120 Chessler und Chesslerinnen fanden am frühen Morgen den Weg aus ihren warmen Betten, um gemeinsam nicht nur den Winter zu vertreiben, sondern vor allem auch, um die fünfte Jahreszeit einzuläuten. Und so wird es definitiv laut, als die Geisterschar durch die Kestenholzer Strassen zieht. Die grossen Pauken geben einen hypnotisierenden Rhythmus vor, immer wieder erklingt ein Tröten, dann schlägt wieder jemand zwei Schellen aufeinander.

Und wenn der Lärm nach einigen hundert Metern etwas abnehmen und den Unterhaltungen untereinander weichen sollte, gibt es da immer noch Oberchesslerin Regi, welche die Meute wieder anstachelt. Bald schon scheint es, als würde in der Gemeinde kein Auge mehr zugetan. Vereinzelt stehen Anwohner an den Fenstern und winken verschlafen zu der munteren Schar hinunter. Diese winkt fröhlich zurück und dreht den Lärmpegel erneut einige Stufen höher.

Chesslete 2018 Kestenholz

Chesslete 2018 Kestenholz

Am Anfang des langen Zugs marschieren einige Kinder. Doch es sind nur wenige, man kann sie an zwei Händen abzählen. «Momentan sind halt auch Schulferien», bemerkt eine Chesslerin des Fasnacht-Komitees. «Es ist aber wirklich ein Phänomen, dass stattdessen heuer so viele Erwachsene hier mitmachen.»

Und diese eingefleischten Fasnächtler lärmen, was das Zeug hält. Der eine oder andere hält ein Bier in der Hand, zwei Frauen teilen sich eine Flasche Wein. Es ist entweder das erste Bier der Fasnacht oder aber auch das Letzte einer bereits durchzechten Nacht.

Vorsätze für nächstes Jahr

Nach gut eineinhalb Stunden hat der Lärm ein Ende, wer immer auch aufgewacht ist und der seltsamen Kakofonie gelauscht hat, darf sich wieder schlafen legen. Denn dann trifft die Menge in der Turnhalle ein, wo traditionell Mehlsuppe und Brot warten.

So lärmig es während dem Marsch durch die Gemeinde war, so still ist es sofort, als die versammelten Chessler einen Teller Suppe vor sich haben. Erst, als alle wieder einigermassen gestärkt sind, schwellen die Gespräche wieder an. Die Chesslerinnen und Chessler tauschen sich über den Morgen aus und schmieden gemeinsam Pläne für die noch folgenden Veranstaltungen unter dem Motto «Zoo? logisch».

Bald schon fangen die ersten Kinder an, sich die Augen zu reiben. Auch einige der Erwachsenen stützen sich müde auf den Tisch. «Wieso mache ich diesen Seich nur jedes Jahr wieder mit?», sagt einer der Chessler lachend und gähnt herzhaft. «Vielleicht bleibe ich nächstes Jahr wirklich einfach mal zu Hause.»

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