16,93 Prozent. So hoch war die Übertretungsquote bei Geschwindigkeitskontrollen der Kantonspolizei Solothurn in Holderbank im Jahr 2016. Von 707 kontrollierten Fahrzeugen waren 116 zu schnell, 111 davon erhielten eine Ordnungsbusse, 5 sogar eine Anzeige. Das ist eine hohe Ziffer für einen Innerortsbereich. Zum Vergleich, im ganzen Kanton Solothurn wurden laut Kapo im vergangenen Jahr mit mobilen Anlagen innerorts 8,97 Prozent Geschwindigkeitsüberschreitungen gemessen. Also beinahe halb so viel wie auf der Hauptstrasse in Holderbank.

Aus diesem Grund wünschte sich die Gemeinde schon lange, dass Massnahmen ergriffen werden. Von diesen hatten jedoch die Kantonspolizei und die Gemeinde Holderbank andere Vorstellungen. «Mehr Kontrollen» dachte die Kantonspolizei an, «bauliche Massnahmen» forderte die Gemeinde. Jahrelang ging ausser diversen Polizeikontrollen nichts. Dann reichte das Bau- und Justizdepartement eine Verfügung ein in der Hoffnung, die Geschwindigkeitsüberschreitungen endlich in den Griff zu bekommen.

Neue Signalisation auf Strasse

Diese beschäftigt sich mit der Signalisation in der Gemeinde. Die beiden Schilder «Höchstgeschwindigkeit 50 generell» beziehungsweise «Ende der Höchstgeschwindigkeit generell» seien nämlich bis anhin zu weit ausserorts angebracht gewesen. Laut Rolf Ziegler, Leiter für Verkehrsmassnahmen, führe das jeweils dazu, dass Fahrzeuglenker die Geschwindigkeit nicht schnell genug anpassen und diese ins Dorf hineintragen. Aus diesem Grund sei es auch immer wieder zu den hohen Geschwindigkeitsübertretungen gekommen. Ende September wurden die Schilder deshalb etwa 70 Meter ins Dorfinnere versetzt. Neu stehen die 50km/h-Tafeln dort, wo die einseitige Bebauung beginnt, was gleichzeitig als «innerorts» gilt. Zudem wurde ausserhalb dieser Signale eine Einlaufstrecke mit Höchstgeschwindigkeit 60km/h eingeführt. Auf den positiven Effekt dieser baulichen Massnahmen, hofft auch Gemeindepräsident Urs Hubler.

Zwar ist er nicht ganz von der neuen Signalisation überzeugt: «Die beiden Schilder stehen zu nahe beieinander. Wenn ich die 60-er Tafel sehe, sehe ich auch schon die 50-er», sagt er. «Das bringt doch nichts.» Er hätte sich gewünscht, dass die Tafeln weiter voneinander entfernt wären und somit die Einlaufstrecke eine längere Distanz vorweise. Dieselbe Kritik hätte Hubler auch schon von anderen Bewohnern des Dorfes gehört. Trotz der Skepsis hofft der Gemeindepräsident, dass die Geschwindigkeitsüberschreitungen so kontrolliert werden können und nicht mehr so häufig vorkommen. «Wir wissen nicht, was wir sonst noch tun könnten.»
Ob und inwiefern diese neue Signalisation das Geschwindigkeitsverhalten der Fahrzeuglenker beeinflusst, wird sich zeigen. Rolf Ziegler ist sich sicher, dass die Strassensituation jetzt besser den verkehrstechnischen Vorgaben entspricht. «Aber wir müssen die Erfolgskontrolle im Frühling abwarten. Das jetzt im Winter auszuwerten macht keinen Sinn.»

Positive Entwicklung seit Vorjahr

Fest steht, dass die Übertretungsquote im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr bereits gesunken ist. Die Kantonspolizei Solothurn mass letztjährig mit insgesamt elf Geschwindigkeitskontrollen einen Prozentsatz von 12.74 Prozent. «Das ist eine positive Entwicklung, aber da geht noch mehr», meint auch Bruno Gribi, Mediensprecher der Kantonspolizei Solothurn. Trotz der Verringerung ist auch diese Quote noch zu hoch. «Einen realistischen Prozentsatz kann ich zwar nicht nennen», meint Gribi. «Aber erstrebenswert wäre natürlich, wenn sich diese Quote noch weiter nach unten entwickeln würde.» Wenigstens unter dem Schnitt des Kantons solle im Bereich des möglichen liegen.