Wer in Oensingen aufgewachsen ist, hat es in Erinnerung: das Lagerhaus in Bellwald, das der Gemeinde gehört. Manch einer hat hier Sommer- und Winterwochen verbracht, zusammen mit den Klassenkameraden oder mit der Familie. Jedes Jahr, seit über 60 Jahren, werden in Bellwald Lager durchgeführt. Einer der Traditionsanlässe fiel im letzten Winter allerdings aus: Das Familienlager konnte nicht stattfinden, weil niemand die Organisation übernehmen wollte. In diesem Jahr soll das wieder anders werden. Die Oensingerin Sandra Miescher hat es geschafft, ein Leiterteam für das Lager zusammenzustellen. «Das Lager wird stattfinden», freut sie sich. «Selbst wenn wir nur zehn Teilnehmer finden».

Miescher verbrachte selber viele Wochen ihrer Kindheit und Jugend im Lagerhaus Bellwald. Unter anderem im Familienlager, dass jedes Jahr nach Weihnachten stattfand. 1980 lernte sie dort Skifahren. Da ihre Mutter in der Lagerküche mithalf, gehörte das Familienlager jeden Winter fix in den Terminkalender ihrer Familie. Später fuhr sie mit ihrem Sohn ebenfalls nach Bellwald.

Als das Lager im letzten Winter ausfiel, brach es ihr fast das Herz. «Ich habe mich sogar spontan noch als Organisatorin gemeldet», erzählt sie. «Aber leider war es da schon zu spät, das Lagerhaus war schon von einer anderen Gruppe gebucht». Dieses Jahr passierte ihr das nicht: Früh meldete sie sich bei der Gemeinde und der Kirchgemeinde in Oensingen und erklärte sich dazu bereit, das Familienlager zu organisieren. Dort freute man sich über ihr Angebot. Die Kirchgemeinde versprach ausserdem, ein allfälliges Defizit auszufinanzieren. Das tat sie auch schon in früheren Jahren.

Schnell fand Miescher Mitstreiter. Etwa Massimo Santucchi, der als ausgebildeter Koch dafür sorgen wird, dass die Lagerteilnehmer nach einem anstrengenden Tag auf den Ski ihren Hunger stillen können. Santucchi besuchte mit seinen Kindern ebenfalls gerne die Familienlager in Bellwald. Er und Miescher lernten sich vor fünf Jahren dort kennen. «Es wäre schade, wenn diese Tradition stirbt», findet er.

Neuerungen geplant

Miescher und Santucchi haben eine grosse Aufgabe vor sich: Neben dem ehemaligen Organisationsteam sind auch viele Familien, die jedes Jahr dabei waren, nun nicht mehr am Start. Beispielsweise, weil ihre Kinder nicht mehr im Lager-Alter sind. Sie müssen deshalb neue Teilnehmer für das Familienlager finden. Dafür will sie Anzeigen schalten und Flyer im Dorf verteilen. Das Lager soll offen sein für alle. «Wir wollen, dass sich Familien aus Oensingen kennenlernen.»

Die Kosten für die Teilnehmer wollen sie deshalb möglichst niedrig halten. Das gelingt ihnen zum einen Dank Unterstützung von Sponsoren, zum anderen aber auch Dank Santucchis Erfahrung als Koch: Er weiss, wie man günstig und gut für viele Personen kochen kann. Eine Familie mit zwei Kindern soll so für rund 800 Franken Skiferien machen können.

Mit dem neuen Leiterteam will Sandra Miescher auch einige Neuerungen einführen. Beispielsweise sollen neu Skilehrer mit nach Bellwald reisen. Früher konnten die Eltern die Kinder lediglich in die lokale Skischule in Bellwald schicken. «Wenn wir eigene Skilehrer dabei haben, werden die Eltern entlastet», ist Sandra Miescher überzeugt. Andere Sachen sollen aber gleich bleiben wie in den letzten Jahrzehnten. Zum Beispiel, dass die Lagerteilnehmer den «Haushalt» gemeinsam schmeissen. «Gemeinsam abwaschen gehört dazu – wie in jedem Lager», so Miescher.