In zwei Konzerten in der Kirche in Neuendorf zeigte der Kammerchor Buchsgau unter der Leitung von Tobias von Arb eine beeindruckende Leitung. Unter dem Titel «Früh & reif»gelangten Mendelssohns «Magnificat» und Schuberts letzte Messe zur Aufführung. Bei Mendelssohns «Magnificat» handelt es sich und das geglückte Werk eines Teenagers: Mit 13 Jahren schrieb Felix Mendelssohn Bartholdy im Frühling 1822 das «Magnificat in D», eine bereits meisterliche Fingerübung im barocken Stile Bachs.

Doch in vielen Teilen verweist das zu seinen Lebzeiten nie aufgeführte Frühwerk des blutjungen Komponisten bereits auf sein geniales Können, das ihn zu einem der grossen Komponisten der Romantik machte: Beispielsweise am Ende des «Magnificats», wo er vorab dem Chor recht anspruchsvolle Aufgaben stellte. Der frühreife Musiker begnügte sich nämlich nicht damit, eine schlichte Fuge mit Thema und Gegenthema zu komponieren – Mendelssohn fügte kurzerhand ein drittes Thema hinzu und kunstvollerweise in der Mitte des Schlusssatzes noch ein viertes! Der Kammerchor Buchsgau war den hohen Ansprüchen durchaus gewachsen.

Musikalische Perlen

«Früh & reif» hiess denn auch sinnigerweise das doppeldeutige Motto der beiden Konzerte, die der Dirigent Tobias von Arb zusammengestellt hat. Als zweites Stück wählte der Chorleiter ein Stück aus, das eher dem zweiten Teil des Konzertmottos gerecht wurde. Die «Messe Nr. 6 in Es-Dur» ist Franz Schuberts einziges Auftragswerk, das er in seinem Todesjahr 1828 komponierte.

Seine Lobpreisung des dreifaltigen Gottes war durchaus als liturgisches Werk gedacht, brachte aber musikalische Neuerungen und Einfälle, die seinen Zeitgenossen den Zugang trotz vieler geradezu lieblicher Melodien erschwerten. Nach Schuberts allzu frühem Ableben wurden sogar Todesahnungen in diese grosse Messe hineingefühlt.

In der Interpretation des Kammerchors Buchsgau war davon wenig zu spüren. Vielmehr berührte einen die getragene Ernsthaftigkeit, die der sonst oft als «Bruder Lustig» verunglimpfte Komponist bei einem geistlichen Werk wohl für angemessen hielt.

Schuberts grösste Messe

Das romantische Spätwerk ist Schuberts längste Messe und verlangt ein grösseres Kammerorchester als üblich. Über 30 Musiker der Berner «Freitagsakademie» spielten denn auch virtuos auf historischen Instrumenten und unterstützten den Chor und die fünf jungen Solisten hervorragend. Zu einem Höhepunkt wurde das «Confiteor», mit dem der zweite Teil der Messe schliesst – zu Ulla Westvik (Sopran), Marian Dijkhuizen (Alt), Nino Aurelio Gmünder (Tenor) und Stefan Vock (Bass) stiess als zweiter Tenor noch Lasse Siefert.

Dem guten Solistenensemble zum Trotz: Im Mittelpunkt des Konzertes stand der Chor, der sich in einigen Partien souverän gegen das von Schubert dominierend eingesetzte Orchester durchzusetzen vermochte, aber auch in den leisen Passagen mit wenig oder sogar ohne Orchesterunterstützung brillierte.

In der am Samstag leider nicht voll besetzten Pfarrkirche Neuendorf bedankte sich das Publikum mit einer Standing Ovation für den gehaltvollen Konzertabend mit geistlichen Werken.