Oensingen
Mit einem neuen Quartier soll das Dorf ein attraktives Eingangstor erhalten

Wie sich Architekten, Behörden, Grundeigentümer und Investoren die Gestaltung des Dreiecks im Unterdorf vorstellen. Das Projekt kann nicht sofort umgesetzt werden, denn Investor und Rahmenbedingungen fehlen noch. Was vorliegt ist ein Synthesebericht.

Alois Winiger
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Um das Bauen auf dem markierten Dreieck geht es, bei der Planung wird das Umfeld mitberücksichtigt. (Planungsperimeter)

Um das Bauen auf dem markierten Dreieck geht es, bei der Planung wird das Umfeld mitberücksichtigt. (Planungsperimeter)

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Weit zurück liegen die ersten Planungen, wie das Areal im Spickel der Verzweigung Haupt- und Kestenholzstrasse im Oensinger Unterdorf bebaut werden könnte. Im Jahr 2000 lag ein Projekt für ein Wohn- und Geschäftshaus vor, benannt nach dem ehemaligen Gallihof. Realisiert wurde aber nichts. Jetzt liegen wieder Pläne vor, die sich jedoch ganz grundsätzlich von den ersten unterscheiden. Ging es bei den ersten um einen einzelnen Gebäudekomplex, so hat man jetzt die Planung auch auf die angrenzenden Grundstücke ausgeweitet, die zwischen Hauptstrasse, Kestenholzstrasse und Kronengasse liegen.

Und ganz wichtig: Die jetzt vorliegenden Pläne werden nicht etwa demnächst realisiert, sondern es ist ein Synthesebericht, der die Erkenntnisse zusammenfasst, die in Workshops erarbeitet worden sind von Grundstückbesitzern, Experten, Investoren und Behörden (Kanton und Gemeinde) als Begleitgremium, sowie drei Architektenteams. Der Bericht kann via Gemeindehomepage heruntergeladen werden. Bevor gebaut wird, sind Rahmenbedingungen und ein Investor zu definieren sowie ein Gestaltungsplanverfahren durchzuführen.

Attraktiver Ortseingang

Das Grundstückdreieck im Osten von Oensingen spielt für die künftige Entwicklung des Ortes eine wichtige Rolle. So ist es festgehalten in der Entwicklungsstrategie. Das Dreieck soll ein identitätsstiftendes Quartierzentrum werden, deshalb sind auch die Liegenschaften, die das Areal umschliessen, in den Betrachtungsperimeter miteinbezogen worden. Und es soll als attraktiver Ortseingang für Oensingen und das Mitteldorf wahrgenommen werden. Wie das aussehen könnte, das war die Aufgabe von drei Architektenteams, die für den Workshop je ein Konzept mit Varianten vorlegten. Diese wurden bearbeitet und durch das Begleitteam kommentiert und dann noch einmal überarbeitet.

Bis zu acht Geschosse

«Aufgrund der exponierten Lage biete das Grundstück die Möglichkeit, einen mehrwertbringenden Beitrag in der Quartierentwicklung zu leisten», so wird im Synthesebericht festgehalten. Die Gebäudehöhen im nördlichen Bereich sollten sich an der bestehende Bebauung längs der Hauptstrasse orientieren. Nach Süden hin sei es dagegen ohne weiteres erlaubt, höher zu bauen, wenn genügend qualitative Ausgleichflächen vorgesehen würden. So wäre punktuell eine Höhe bis zu acht Geschossen möglich, dies als Antwort auf den südlich des Grundstücks bestehenden Hochbau.

Fünf Solitärbauten mit gleichmässigen Abständen

Fünf Solitärbauten mit gleichmässigen Abständen

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Fünf Solitärbauten mit gleichmässigen Abständen

Boegli Kramp Architekten sieht fünf Solitärbauten ähnlicher Grösse und Proportion vor, die sich um den Kindergarten herum gruppieren. Zur Hauptstrasse hin werden markante Vorplätze geschaffen. Die Gesamtgeschossfläche von 10 500 Quadratmetern liege eher unter der wirtschaftlichen Tragfähigkeit. Die Kestenholzstrasse verläuft hier noch wie bisher, könnte aber auch zwischen den Gebäuden eins und zwei (links) verlaufen. (mgt)

Und der Zibelimäret?

Qualität wird verlangt bezüglich Freiflächen. Sie sind so zu gestalten, dass sie von den Bewohnern des neuen Quartiers sowie der Umgebung und den Kindergärtnern genutzt werden können. Die Gebäudekörper sollten in ihren Proportionen angemessen sein, und das Ensemble eine Durchlässigkeit ins Innere des Grundstücks bzw. für die Verbindung per Langsamverkehr nach Süden anbieten. Dachformen müssten nicht definiert werden. Vielmehr sollte der Gestaltungsplan eine flexible Grundlage für verschiedene Konzepte sein.

Öffentliche Nutzungen und Veranstaltungen müssen möglich sein. Hier wird ausdrücklich der traditionelle Zibelimäret erwähnt, der dort jeweils entlang der Hauptstrasse stattfindet. Diese Strasse bildet eine historische Achse durch das Dorf. Deshalb sei bei der Art der Bebauung jene auf der gegenüberliegenden Strassenseite mit einzubeziehen. Direkt an der Hauptstrasse sind im Erdgeschoss Gewerbe oder öffentliche bzw. quartierbezogene Nutzungen denkbar.

Mit Reihenhäusern gemischt

Mit Reihenhäusern gemischt

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Mit Reihenhäusern gemischt

Die Arbeitsgemeinschaft Brühlmann Loetscher / Mirlo Urbano fügt den nördlichen Teil des Projekts in die bestehende Strassenstruktur ein. Hier ist die geänderte Führung der Kestenholzstrasse deutlich zu sehen. Gegen Süden wird das Areal mit einem Gebäuderiegel mit Reihenhaustypologie und privaten Aussenflächen begrenzt. Experten glauben, dass dieses Konzept hier schwierig zu vermarkten sei. Als Ganzes versteht sich das Projekt als Impulsgeber für eine Entwicklung, die die Zukunft des Zeughausareals im Westen mit einbezieht. (mgt)

Kestenholzstrasse umlegen

Von besonderem Interesse ist der Vorschlag im Synthesebericht, die Kestenholzstrasse umzulegen. Derzeit verläuft sie zwischen Café Knaus (Parzelle 639) und dessen östlich gelegenem Parkplatz (Parzelle 705). Aus städtebaulicher Sicht ist es laut Experten sinnvoll, diese beiden Parzellen zusammenzufügen. Die Strasse würde dann rund 100 Meter weiter östlich in die Hauptstrasse einmünden).

Ebenfalls in die Betrachtung miteinbezogen wird die Entlastungsstrasse ab Autobahn Richtung Oberbuchsiten. Eine Variante würde via Kronengasse und Rössliplatz in die Oltenstrasse führen. Gemeinde Oensingen und Kanton wollen dazu noch dieses Jahr einen Grundsatzentscheid fällen.

Erinnert an einen Reisverschluss

Erinnert an einen Reisverschluss

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Erinnert an einen Reisverschluss

Dreier Frenzel Architecture bezieht sich auf die versetzte Typologie eines Reissverschlusses. Das Ensemble zeigt sich in seinem kubischen Charakter eigenständig und schafft trotzdem eine Verzahnung mit den angrenzenden Strassen- und Aussenräumen sowie dem ganzen Quartier. Im Vergleich zu den beiden anderen städtebaulichen Konzepten stehen die Volumen relativ eng beieinander. Die Freiflächen im Inneren bzw. an den nördlichen Rändern der Bebauung scheinen gut nutzbar für öffentliche Veranstaltungen. (mgt)

Chancen auf dem Markt

Selbstverständlich hat man sich auch Gedanken gemacht, welche Chancen das Projekt auf dem Markt hat; das eingangs erwähnte ist nicht grundlos fallen gelassen worden. Eine Immobilie soll meist eine nachhaltige Rendite generieren, heisst es im Synthesebericht. Oensingen weise national gemäss Standort- und Marktrating eine überdurchschnittliche Standortqualität auf. Die Marktpreise für Wohnen, Büro und Gewerbe dagegen lägen unter dem Durchschnitt.

Das Grundstückdreieck Unterdorf habe nicht die Aufgabe, neben Roggenpark, Mühlefeld und Leuenfeld zu einem weiteren kommerziellen Zentrum zu werden, sondern als Identifikationspunkt dem Unterdorf ein eigenes Gewicht verleihen. Die Möglichkeiten bei den erzielbaren Miet- und Verkaufspreisen seien also beschränkt. Und das müsse berücksichtigt werden, wenn es um das Festlegen der Rahmenbedingungen für potenzielle Investoren geht.

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