Wolfwil
Mit den «Krause Glucken» quer durch den musikalischen Mischwald

Am Kulturapéro in Wolfwil spielte das komödiantische Gesangsquartett Krause Glucken auf. Die vier Frauen überzeugten unter anderem mit ihrer Wandlungsfähigkeit.

Urs Amacher
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Urs Amacher

Die vier Damen der Krausen Glucken spielten auf der ganzen Klaviatur. Mit den Cowboys, Frauen mit Problemzonen, Matrosen oder Wetterhexen brachten sie eine bunte Mischung von charakteristischen Menschengruppen auf die Bühne der Wolfwiler Pfarrschüür.

Und ebenso vielseitig wie ihre Stücke war ihr gesanglicher und musikalischer Auftritt. Cordula Caminada, als singende (Nerven-)Säge angekündigt, übernahm den Part des Leadgesangs und der Moderation, während die anderen drei Viertel der Krausen Glucken als Backgroundsängerinnen wirkten. Aber nicht nur das.

Susanne Müller begleitete die Songs quer durch den Mischwald auf dem E-Piano oder unplugged auf dem Akkordeon, Silvia Müller unterstützte sie auf der Gitarre oder Banjo und Karin Limacher auf der Violine. Silvia Müller spielte auch als Solistin auf dem Saxofon und Karin Limacher auf der Posaune. Schon diese Vorstellung der Musikerinnen zeigt: Beste Unterhaltung war an diesem Sonntagmorgen garantiert.

Wandlungsfähigkeit bewiesen

Die Krausen Glucken eröffneten das Morgenprogramm mit einem Western-Medley. Sie reihten einst weltbekannte Hits wie «Bonanza», Peter Hinnens «7000 Rinder» oder Gittes «Ich will nen Cowboy als Mann» aneinander.

Violinistin Karin Limacher untermalte dabei die Hillbilly-Songs mit ihrer Fiedel. Mit dem Schifferklavier wiederum begleitete Akkordeonistin Susanne Müller das ruhigere Chanson «Dans le port d’Amsterdam» von Jacques Brel. Die vier komödiantischen Musikerinnen aus Rickenbach im Kanton Luzern verbanden die Lieder jeweils mit den passenden Accessoires.

Das Western-Medley spielten sie mit Cowboyhüten und Brels Hafenchanson im Matrosenanzug. Für «Ich wollt’ ich wär ein Huhn» von den Comedian Harmonists verwandelten sich die vergnügten Frauen mit minimalsten Requisiten gar in Hennen.

Sie spielten hier natürlich auf ihren doppeldeutigen Bandnamen an. Nur Pilzliebhaber kennen die Krause Glucke (Sparassis crispa) als einen wohlschmeckenden Speisepilz. Gewöhnlich denkt man jedoch eher an ein brütendes oder die Küken ängstlich hütendes Huhn. So gehörte es denn auch zur Show, dass die gackernde Leadsängerin beim Lied der Comedian Harmonists ein Ei legte.

Alle Stilrichtungen ausprobiert

Sonnenschein, Sturm, Regen, Schnee, das Wetter ist Inspirationsquelle für unendlich viele Musikstücke. Die Bekanntesten in einem Liederstrauss zu interpretieren, gab den vier Wetterhexen aus dem Luzernischen die Gelegenheit, alle Stilrichtungen auszuprobieren und alle gesanglichen und instrumentalen Möglichkeiten auszuschöpfen. Das Lied «In jeder Frau steckt ein Stück Hefe» (und lässt sie mit der Zeit «aufgehen») von Thea Eichholz sangen die Krausen Glucken erstmals vor Publikum.

Das selbe Thema betreffend und Höhepunkt in ihrem Programm war der «Schönheitswahn-Tango». Zur Melodie des wohl berühmtesten Tangos «La Cumparsita» hatte Karin Limacher den Text geschrieben. Mittelchen und Salben versprechen straffe Haut, doch ist es wissenschaftlich erwiesen und auch das Fazit des Lieds: «s nütz alles nüt».

Das Publikum erhielt die verlangte Zugabe mit dem Swing-Evergreen «Bei mir bist du schen», bevor Kulturkommissionspräsident Bruno A. Wirt den zufällig anwesenden Weinexperten René Gabriel engagierte, den vier fröhlich-chaotischen Musikerinnen die obligaten Blumen zu überreichen.