Nur noch zweimal schlafen: Übermorgen beginnen in weiten Teilen Solothurns die Sportferien. Doch den guten Pistenverhältnissen zum Trotz: Die Schweizer Skiorte werden alles andere als überlaufen sein. Das Skifahren hat an Popularität eingebüsst, vor allem bei den Jungen.

Viele Kinder können mit dem Nationalsport wenig anfangen – auch dann nicht, wenn Lara Gut und Co. die olympischen Pisten runterbrettern. Alternativen gibt es reichlich: vom Fussballtraining bis zum Karatekurs. Nicht zu vergessen sind die Kosten des Skiplausches: Ausrüstung, Skipässe, Unterkunft und Verpflegung greifen tief ins Familien-Portemonnaie.

Angst und Sorge

Leidtragende sind auch die Skilager. Einst brachten sie jedes Schweizer Schulkind in die Berge, heute gibt es sie immer weniger, wie das Bundesamt für Sport weiss. Die Zeit der pädagogischen Unschuld ist vorbei: Lehrer umgibt im Skilager die Angst, eines Übergriffs auf ihre Schützlinge bezichtigt zu werden. Eltern sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder, befürchten Stürze und Unfälle.

Roger Strähl kennt diese Bedenken. Wir treffen ihn in einer Balsthaler Bar, er nippt entspannt an seinem Kaffee. «Wenn ich immer daran denken würde, was alles schiefgehen könnte», sagt er, «würde ich schon längst nicht mehr in ein Skilager fahren.»

Strähl muss es wissen: Seit 30 Jahren organisiert er in Balsthal ein Skilager für Schüler von der vierten bis zur sechsten Klasse. Am Samstag ist es wieder so weit: Dann wird der 47-Jährige samt Leiterteam und Küchencrew nach Sörenberg LU fahren und das Lagerhaus in Betrieb nehmen; am Sonntag werden 55 Schulkinder dazustossen – «voller Vorfreude», hofft Strähl.

Teilnahme freiwillig

Haben Balsthaler Kinder das Interesse am Skilager also noch nicht verloren? «Überhaupt nicht», sagt Strähl, und ein wenig Stolz klingt da schon mit. 50 bis 70 Kinder melden sich jeweils an, obwohl die Teilnahme am Skilager freiwillig ist. «Gerade darin liegt das Erfolgsrezept», erklärt Strähl. Alle seien aus freien Stücken dabei: die Kinder, die Leiter und auch die Küchencrew. Der ausserschulische Rahmen ist für Strähl entscheidend. «Wir arbeiten mit der Schule zusammen, organisieren das Lager aber unabhängig.» Dazu passt sein Leitsatz: Stelle das Kind stets in den Mittelpunkt.

Was hat sich in 30 Jahren Skilager verändert? Roger Strähl überlegt kurz, meint dann: «Gar nicht so viel, wie oft angenommen wird.» Die Probleme seien die Gleichen wie früher. Ab und zu entdeckt jemand den Reiz des Verbotenen, hie und da wird ein Kind von Heimweh geplagt. «Vertrauen schaffen ist das Wichtigste», sagt Strähl.

Gemeinde zahlt Beitrag

In den 80er-Jahren, erinnert er sich, habe ein richtiger Snowboard-Boom eingesetzt. «Dieser ist heute abgeflacht.» Das Gros der Lagerteilnehmer fährt wieder Ski – etwa die Hälfte davon steht zum ersten Mal auf den Brettern. Ist das für die Leiter nicht ein wenig zermürbend? Im Gegenteil, betont Strähl: «Für uns gibt es nichts Spannenderes, als jemandem das Skifahren beizubringen.»

Wenn ein Anfänger am letzten Lagertag alleine die Piste runterwedeln könne, sei das eine «Riesenbefriedigung für alle». Dass so viele Kinder – darunter Dutzende aus Migrantenfamilien – im Skilager zum ersten Mal mit Wintersport in Berührung kommen, ist gemäss Strähl auch der Gemeinde Balsthal zu verdanken. Diese übernimmt einen beträchtlichen Teil der Lagerkosten.

Leiter fehlen

Zeit für einen zweiten Kaffee. Die Kellnerin bringt Nachschub, Roger Strähl kommt mit ihr ins Gespräch. «Gell Marina, das waren schöne Zeiten im Skilager?» Man kennt Strähl in Balsthal, Hunderte Kinder waren in seinen Skilagern dabei. Etwa 50 Stunden Arbeit würden die Vorbereitungen eines Lagers in Anspruch nehmen, berichtet der Vater von drei Töchtern.

Die Organisation bewältigt Strähl in seiner Freizeit, hauptberuflich arbeitet er als Verkaufs- und Marketingleiter in einem Technologiebetrieb. Natürlich sei vieles Routine, sagt er. «Aber es wird immer schwieriger, genügend Leiter zu finden.» Oft seien junge Menschen nicht bereit, eine Ferienwoche zu opfern. Roger Strähl lässt sich davon nicht entmutigen. Wer im Skilager nicht dabei sei, verpasse eben etwas. Den ganzen Tag in den verschneiten Hängen herumkurven, feine Mahlzeiten geniessen und am Abend mit seinen Gspänli feiern: Ein Skilager verspricht Sport und Spass. «Für viele Kinder sind das die schönsten Ferien überhaupt», sagt Strähl.

Zwei Snowboardleiter sind kurzfristig ausgefallen. Wer einspringen kann, meldet sich unter roger.straehl@ggs.ch