«The same procedure as last year, James?» Wer kennt sie nicht, die kultige Frage, die Miss Sophie ihrem Butler Jahr für Jahr am Silvesterabend stellt. Um sich dann in aller Ruhe von ihm bedienen zu lassen, während der arme Kerl vier verschiedene Geburtstagsgäste mimen muss, um Miss Sophie bei Laune zu halten. Haben Sie sich schon jemals gefragt, was aus den beiden Protagonisten aus «Dinner for one» geworden ist? Der Deutsche Autor Andreas Wening hat sich dieser Frage gewidmet und eine Fortsetzung geschrieben.

Etwas an den Zeitgeist angepasst heisst das Stück «Miss Sophies Erbe» und handelt eben davon: Miss Sophie, die ältere Englische Dame, feiert ihren Geburtstag mittlerweile im Himmel. Auch auf der Erde wird es nicht langweilig: Testamentarisch hat sie diverse Personen festgehalten, die Anspruch auf ihr Erbe haben.

Darunter die mittlerweile ziemlich erfolglose, jedoch immer noch vor Selbstvertrauen strotzende Operetten-Darstellerin Ludmilla Stroganoff, gespielt von Mägi Niederöst. Elegant gekleidet, wie ein Star eben, schwebt sie über die Bühne und macht alles und jeden zur Schnecke, allen voran ihre Assistentin Gundula von Knorpsheim (Sabine Bobst). Doch auch sie ist nicht auf den Mund gefallen und so kommt es nicht nur einmal vor, dass sich die beiden gehörig in die Haare kriegen.

Messerscharfe Dialoge

Ludmilla Stroganoff ist nicht die Einzige, obwohl sie selbstverständlich dieser Meinung ist, die im Testament von Miss Sophie erwähnt ist. Nach und nach tauchen weitere Figuren auf: Darunter zum Beispiel der schrille, pink-gekleidete, und nicht weniger selbstverliebte Modemacher Siegfried Roy Toby, der vom 17-jährigen Jungschauspieler Tristan Grütter sehr überzeugend verkörpert wird.

Oder der etwas griesgrämige Sohn von Mister Pommeroy (Pius Hügli). Oder aber auch der sich im Rollstuhl befindende Sohn von Mister Winterbottom. Durch verschiedenste Umstände tritt er selbst allerdings nie im Stück auf, sondern wird stets durch seine um ein Vielfaches jüngere Pflegerin und Ehefrau Gilla Winterbottom (Rebekka Gabi) vertreten, die ihn, wie sie mehr als nur einmal zum Ausdruck bringen wird, über alles liebt und ihn «nicht wegen seines Geldes geheiratet hat».

Um den Überblick über die Erben zu behalten, wurde ein von Miss Sophie ein Notar angeheuert, der von Marcel Borner gespielt wird. Traditionsgemäss wird das Testament während eines Abendessens verlesen. Für das leibliche Wohl ist Köchin Marlies alias Anita Kunz zuständig. Selbstverständlich darf auch in der Fortsetzung von «Dinner for one» einer nicht fehlen: der Butler, gespielt von Alexander Senn.

Er stolpert in «Miss Sophies Erbe» zwar nicht über einen Tigerkopf und muss auch nicht für vier Gäste trinken. Aber auch er hat nicht immer gut lachen, wird er doch nicht nur zum Ziel der Begierde gewisser anderer Figuren. Mit gekonnt in Szene gesetzten Kostümen und teilweise messerscharfen Dialogen nimmt das Stück seinen Lauf.

«Freude auf Publikum übertragen»

Regie führt Nieves Gámes aus Balsthal. «Die Komödie beinhaltet viele Überraschungen», erzählt die Spanierin, die sonst bei der Theatergruppe Hägendorf-Rickenbach für die Regie zuständig ist. «Die Oensinger haben mich im Dezember angefragt und ich habe die Herausforderung gerne angenommen», blickt sie zurück. «Das Ziel ist es, dass die Gruppe Spass am Spielen hat, damit diese Freude auf das Publikum übertragen werden kann», erklärt sie in einer Mischung aus Deutsch und Englisch mit spanischem Akzent. «Wir wollen das Publikum unterhalten», pflichtet ihr Marcel Borner, der den Notar mimt, bei und ergänzt lachend: «Das schaffen wir».

Aufführungen: Freitag und Samstag 21. und 22. April 2017, jeweils um 20 Uhr, Türöffnung um 18.30, Bienkensaal, Oensingen. Barbetrieb und Tombola.