Saranda Maliqi
Miss-Schweiz-Kandidatin aus Schönenwerd will Amt für soziale Zwecke nutzen

Die Schönenwerderin Saranda Maliqi träumt vom Schönheitskrönchen und einer beruflichen Zukunft im Bereich der Sozialarbeit. «Das soziale Engagement soll im Vordergrund meiner Zeit als Miss Schweiz stehen», so die 23-Jährige.

Anja Lanter
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Saranda Maliqi gibt sich trotz der kommenden Wahl im Herbst (noch) entspannt. Kraft tankt sie etwa im Bally-Park in Schönenwerd.

Saranda Maliqi gibt sich trotz der kommenden Wahl im Herbst (noch) entspannt. Kraft tankt sie etwa im Bally-Park in Schönenwerd.

Bruno Kissling

Nach den gängigen Vorstellungen muss eine Miss Schweiz vor allem schön sein. So erstaunt es umso mehr, wenn eine bildhübsche Miss-Schweiz-Kandidatin wie Saranda Maliqi aus Schönenwerd ganz andere Eigenschaften ins Zentrum rückt: «Sie soll Humor sein, der Fröhlichkeit und Lachen verursacht. Sie soll Stift sein, der viele weisse Blätter mit Wissen füllt», schreibt sie in einem Gedicht.

Das Schreiben tiefgründiger und philosophischer Texte bereite ihr grossen Spass, wobei sie gerne eine ältere Sprache verwende, meint Saranda, die in Rothrist als Gemeindeschreiber-Assistentin und Lehrlingsverantwortliche tätig ist, zu ihrer grossen Leidenschaft. Nicht nur auf Papier, sondern auch mündlich drückt sich die 23-Jährige gerne und gekonnt aus, weshalb sie seit einiger Zeit als Moderatorin beim Arolfinger Lokalfernsehen (ALF-TV) vor der Kamera steht.

Daneben hat die Zweitälteste unter den 18 Miss-Schweiz-Kandidatinnen dieses Jahr die Berufsmatura in Angriff genommen und möchte in naher Zukunft an der Fachhochschule Soziale Arbeit studieren. Dies ganz nach dem Vorbild ihrer Mutter, die nach Studien im Kosovo ebenfalls Studentin dieses Faches an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW in Olten gewesen und «voll engagiert» sei, so die gebürtige Kosovarin mit Schweizer Pass.

Ist die Kandidatur denn nicht eine zusätzliche Bürde für die viel beschäftigte Schönenwerderin? «Mir ist durchaus bewusst, was mich mit einem eventuellen Sieg erwarten würde.» Da sie ein Organisationstalent sei, werde sie schon alles unter einen Hut bringen können, räumt sie diese Bedenken aus dem Weg. Ausserdem fusst der Entscheid zu einer Teilnahme nicht auf einer Kurzschlussreaktion: «Bereits während meiner Lehre auf der Gemeinde in Schönenwerd animierten mich Familie, Mitarbeiter sowie Kunden zu einer Kandidatur.»

An ihrem heutigen Arbeitsort Rothrist hat sich das ganze Szenario wiederholt. Ende 2013 füllte Saranda dann tatsächlich das Anmeldeformular aus und schaffte es letztlich unter die 18 Kandidatinnen, von denen die Schönste im kommenden Herbst das Krönchen aufgesetzt bekommt. Dabei könne sie voll und ganz auf die Unterstützung ihrer Eltern, der Schwester (20) und des Bruders (25) zählen, schwärmt die junge Frau.

Saranda sieht vor allem in ihrer Ausstrahlung, der offenen, einfühlsamen und umgänglichen Art, ihrer sozialen Ader sowie dem Pflegen eines speziellen Hobbys (Poesie) ihre Vorzüge. Ihr mit 23 Jahren im Vergleich zu den anderen Kandidatinnen «fortgeschrittenes» Alter betrachtet sie dabei eher als Pluspunkt. «Es steht für eine gewisse Reife und Lebenserfahrung.»

Von Reife zeugt jedenfalls die Antwort, welche sie auf die Frage nach den Vorteilen des Miss-Schweiz-Titels gibt: «Das Amt würde mir die Chance bieten, meine Pläne in Bezug auf wohltätige Projekte umzusetzen.» Als Miss Schweiz, aber auch in der Zeit danach möchte Saranda nämlich am liebsten Projekte mit Kindern und sozial benachteiligten Menschen unterstützen und sich gegen Gewalt starkmachen, denn: «Solche Schicksale berühren mich und finden auch Niederschlag in meinen Gedichten.»

Beschäftigen tut sie verständlicherweise auch die bevorstehende Wahl, weshalb der entsprechende Text über die Miss Schweiz entstanden sei. «Sie sollte neben Schönheit vor allem Charakter besitzen», begründet sie den Inhalt. Die Passage mit der Miss Schweiz als Stift, die mit Wissen Blätter füllen solle, erklärt sie folgendermassen: «In diesem Amt hat man auch eine Vorbildfunktion, was eben diese bei mir vorhandene Reife, Allgemeinbildung und Wissen voraussetzt.»

Patentochter im Kosovo

Die Schönenwerderin verfügt ferner über andere Eigenschaften, die ihr als Miss Schweiz zugute kommen könnten: Durch ihre Tätigkeit beim ALF-TV sind für sie etwa die Medien kein unbekanntes Terrain. Und auch wohltätiges Engagement ist Saranda nicht fremd – definitiv eine gute Voraussetzung. Denn wie bereits die amtierende Schönheitskönigin Dominique Rinderknecht wird sich deren Nachfolgerin als Botschafterin für die Kinderherz-Stiftung Corelina einsetzen.

Was Saranda gleich doppelt freut: «Das soziale Engagement soll im Vordergrund meiner Zeit als Miss Schweiz stehen. Seit zirka eineinhalb Jahren habe ich auch eine Patentochter im Kosovo.» Daneben lockt das Amt aber noch mit anderen Zückerchen – sie interessiere sich natürlich auch für Mode und freue sich darauf, viele Leute kennenzulernen.

Angesprochen auf den Lohn von 120 000 Franken gibt sich die Schönenwerderin jedoch wortkarg: «Ich mache es nicht des Geldes wegen. Vielmehr freut es mich, dass auch Geld in soziale Projekte einfliesst. Ich nehme vor allem an den Wahlen teil, weil ich beweisen möchte, was ich drauf habe.» Und neben dem Aussehen kann sie eben mit ihrem Schreibtalent, der Empathie und ihrem Wissen punkten. Was Letzteres angeht, gibt es ferner eine gute Nachricht: Saranda kennt – im Gegensatz zu einstigen Kandidatinnen – das Matterhorn.