Niederbuchsiten

Milchgenossenschaft hat ausgedient — Auflösung steht bevor

Adrian Kissling vor dem einstigen Chäserei-Gebäude der Milchgenossenschaft Niederbuchsiten, welches 2012 verkauft wurde.

Adrian Kissling vor dem einstigen Chäserei-Gebäude der Milchgenossenschaft Niederbuchsiten, welches 2012 verkauft wurde.

Nach der Schliessung und dem Verkauf der Chäsi wird nun auch die Milchgenossenschaft Niederbuchsiten aufgelöst.

«Ich muss noch eine Kuh melken, dann habe ich Zeit», sagt Adrian Kissling, der im Ziegelfeld 5 in Niederbuchsiten einen Landwirtschaftsbetrieb führt. Der 56-jährige Landwirt ist nach 20 Amtsjahren der letzte Präsident in der Geschichte der Milchgenossenschaft Niederbuchsiten.

Dafür verantwortlich zeichnet die Generalversammlung der Genossenschaft, welche am 12. Juni 2015 die Auflösung der 1856 als Käsereingenossenschaft gegründeten Körperschaft beschlossen hat. «Die Milchgenossenschaft braucht es einfach nicht mehr», sagt Kissling mit Verweis auf die noch fünf Milch produzierenden Bauernbetriebe im Dorf.

Mit eigener Käseproduktion

Gegenüber früher gibt es heute verschwindend wenig Landwirte, die Milchwirtschaft betreiben, wie Kissling bemerkt. In den 1930er- und 40er-Jahren gab es in Niederbuchsiten noch etwa 50 Bauern, die Milch ablieferten und der Käsereigenossenschaft angehörten. Ein solcher Höchststand sei aber nur möglich gewesen, weil damals auch Bauern mit lediglich zwei bis drei Kühen in die Genossenschaft aufgenommen worden seien.

Ihre Blüte erlebte die Käsereigenossenschaft zwischen 1970 und 1980. In dieser Zeit betrieb sie noch eine eigene Chäsi mit Käseproduktion. Als der im Obergeschoss wohnende Käser Anfang der 80er-Jahre in Pension ging, wurde die Käseproduktion eingestellt und stattdessen im Gebäude eine Milchsammelstelle und ein Laden eingebaut.

«Wir wollten sicherstellen, dass es im Dorf einen Laden gibt, damit die Leute nicht in die damals noch existierende Waro in Egerkingen abwanderten», meint Kissling zu den Beweggründen. Weil sich das von der Dorfstrasse her nicht einsehbare Käsereigebäude aber verborgen hinter zwei Liegenschaften befand, lief der Laden von Anfang schlecht, weshalb er nach rund 10 Jahren wieder geschlossen wurde.

Als die Milch noch etwas wert war

Mitte 1999 erlebte die Käsereigenossenschaft im Zuge der Einführung der neuen Milchmarktordnung, welche den Verkauf von Milchkontingenten ermöglichte, einen kurzzeitigen Höhenflug. Im Vorfeld hatten die Landwirte im Gäu festgestellt, dass die damalige Miba ungleich hohe Preise für die Milch zahlte, worauf sie mit der Gründung des Gäuer Milchrings reagierten.

Ausgeschrieben wurde auch die 900 000 Kilogramm umfassende Jahresproduktion der Niederbuchsiter Milchbauern. Darauf gemeldet hatten sich Emmi, Miba und der Aargauer Milchverband. «Die Aargauer luden uns zu einer Betriebsbesichtigung und danach zum Mittagessen ein», erinnert sich Kissling. Den Zuschlag bekam denn auch der Aargauer Milchverband.

Wegen der Erhöhung der Milchproduktion war der Tank der Milchsammelstelle für die alle zwei Tage stattfindende Abholung der Milch aber bald zu klein, weshalb Einzelne der damals noch etwa zwölf Milchbauern auf die Hofabfuhr umstellten. Als sich dieser Trend in den Folgejahren fortsetzte, wurde die Milchsammelstelle am 1. Mai 2010 geschlossen.

Damit verbunden stellte sich für die inzwischen in Milchgenossenschaft Niederbuchsiten umbenannte Genossenschaft die Frage, wie es mit dem Chäsi-Gebäude weiter gehen soll. Wegen hohen Investitionen, welche eine Sanierung mit Umbau ausgelöst hätte, wurde der Verkauf der Liebschaft beschlossen.

Heute dient das Gebäude einem jungen Geschäftsmann, welcher dort nebenberuflich einen Garagenbetrieb führt. Den ehemaligen Laden nutzt er als Pneu- und Materiallager.

Auflösung steht bevor

Die Arbeiten für die Auflösung der Milchgenossenschaft Niederbuchsiten sind schon fast abgeschlossen, wie Kissling erwähnt. Offen sei noch die Verteilung des Vermögens der Genossenschaft an die noch neun verbliebenen Mitglieder. Um eine grosse Summe gehe es dabei nicht. Vor der Auszahlung müsse aber noch geklärt werden, ob an den Bund eine Verrechnungssteuer zu entrichten sei.

Auf Kisslings Alltag hat die Auflösung der Milchgenossenschaft keine Auswirkungen. Er wird weiterhin von Ackerbau und Milchwirtschaft leben, auch wenn er mit rund 20 Kühen dafür eigentlich zu klein sei. Um über die Runden zu kommen, hilft der Landwirt bei der Produktion von Silo- und Heuballen mit.

Auch viele der noch etwa 20 Bauern im Dorf gingen neben der Landwirtschaft einer anderen Beschäftigung nach. Etwas Neues anzufangen lohne sich für ihn nicht, weil er als Junggeselle keinen Nachfolger habe, der seinen Hof nach seiner Pension übernehme, so der 56-jährige Bauer.

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Autor

Erwin von Arb

Erwin von Arb

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