Neuendorf
Migros Verteilbetriebe bauen die grösste Solaranlage der Schweiz

Auf den Dächern der Migros Verteilbetriebe in Neuendorf entsteht auf einer Fläche von rund 32000 Quadratmetern die grösste Solaranlage der Schweiz. Diese soll dereinst für etwa 1300 Haushaltungen Strom liefern.

Erwin von Arb
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Benedikt Schmid, Leiter Bereich Service und Infrastruktur in der Migros-Verteilbetrieb Neuendorf AG, auf dem Dach des Tiefkühllagers.Fotos: Aeschbacher

Benedikt Schmid, Leiter Bereich Service und Infrastruktur in der Migros-Verteilbetrieb Neuendorf AG, auf dem Dach des Tiefkühllagers.Fotos: Aeschbacher

HR.Aeschbacher

«Wir sind exakt im Zeitplan», sagt Benedikt Schmid, Leiter Bereich Service und Infrastruktur, während er seinen Blick über das 12 000 Quadratmeter grosse Flachdach des Hauptgebäudes der Migros-Verteilbetrieb Neuendorf AG (MVN) schweifen lässt. Seit Freitag letzter Woche sind drei von insgesamt vier Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1,6 Megawatt am Netz.

Das ist rund ein Drittel...

...der Leistung, welchen die grösste Solaranlage der Schweiz nach ihrer Fertigstellung im August produzieren soll. Mit den auf 32 000 Quadratmetern oder einer Fläche von beinahe sieben Fussballfeldern installierten 20 000 Fotovoltaikmodulen soll eine Nennleistung von 5,2 Megawatt erreicht werden. Damit könnten rund 1300 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Schmid ist seit Beginn der Montagearbeiten regelmässig auf den Dächern, um den Fortgang des Projekts zu überwachen. «Eine Arbeit von vielen, für welche der bald 60-Jährige seit über fünf Jahren im Migros-Verteilbetrieb in Neuendorf zuständig ist. Bei ihm laufen seit der Lancierung des Projekts im Jahr 2008 die Fäden zusammen. Auch der Leiter Gebäudeservice Heinz Bäni ist regelmässig auf der Baustelle. «Damit wir die wichtigsten Bereiche der Anlage kennen, um in einer späteren Phase allfällige Störungen rasch erkennen und beheben zu können», meint Schmid dazu.

Noch ist es allerdings nicht so weit. Im Fokus steht derzeit ganz klar die Fertigstellung der Anlage, für welche die Firma Tritec AG aus Aarberg verantwortlich zeichnet. Die Vorarbeiten für die Montage der Hochleistungsmodule auf dem Dach des Hauptgebäudes sind bereits weit vorangeschritten. Das nasskalte Wetter der letzten Wochen habe sich nicht negativ auf die Arbeiten ausgewirkt, berichtet Tritec-Teamleiter Marcel Pinyana. Ungünstig sei hingegen jeweils, wenn der Wind zu stark wehe. Dann könnten die Panels nicht mit dem Pneukran aufs Dach gehievt werden. «Für Materialtransporte an unzugänglichen Stellen wurde übrigens auch schon ein Heli eingesetzt», wie Schmid erwähnt.

Beim Begehen...

...des Flachdachs fällt auf, dass sich dieses gut spürbar auf und ab bewegt. Eine Gefahr geht davon indes nicht aus, wie Schmid beruhigend meint. Diese Schwingungen seien völlig normal und konstruktiv bedingt. Der Infrastrukturchef weiss auch warum: «Wir mussten bei der Planung der Anlage darauf achten, dass das vorher begrünte Dach durch die Installation der Photovoltaikanlage nicht mit zu viel Gewicht belastet wird.» Dazu sei die Vorgabe gekommen, eine Sicherheitsreserve für eine Schneelast von 80 Kilogramm pro Quadratmeter zu schaffen.

Gelöst wurde diese statische Herausforderung mit der Entfernung des als Nährboden für die Grünpflanzen dienenden Granulates, welches durch eine dünne Schicht Kies ersetzt wurde. Beim «Tiefkühllager 1» konnte diese Methode aus statischen Gründen übrigens nicht angewandt werden. «Wir hatten bis vor einigen Jahren die Idee, dieses Gebäude mit einer solarstromproduzieren Folie zu belegen. Inzwischen sind aber alle Firmen mit solchen Angeboten auf dem Markt verschwunden», führt Schmid dazu aus.

Bei der Realisierung...

...des insgesamt 13,5 Mio. Franken teuren Projekts werden neben der erwähnten Tritec AG auch viele regionale Unternehmen berücksichtigt, wie MVN-Unternehmensleiter Hans Kuhn betont: «Darauf haben wir Wert gelegt.» Das Projekt selbst sei die Einlösung des Versprechens der Migros, sich aktiv für den Klimaschutz einzusetzen. «Wir wollen in Bezug auf erneuerbare Energien ein Zeichen setzen und mit gutem Beispiel vorangehen.» Deshalb habe der betriebswirtschaftliche Gedanke bei diesem Grossprojekt für einmal nicht erste Priorität gehabt. «Bis wir diese Investition amortisiert haben, dauert es rund 25 Jahre», so Kuhn.