Thal/Gäu
Mietzinsvergleich zeigt: Im regionalen Vergleich gibts bloss einen Ausreisser

Wie der Mietzinsvergleich zeigt, ähneln sich die Wohnungspreise in der Region Gäu. Obenaus sticht die steuergünstigste Gemeinde.

Yann Schlegel
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Mittlere Mietpreise im Vergleich: Siedlungen wie das Leuenfeld sind in Oensingen gut ausgelastet.

Mittlere Mietpreise im Vergleich: Siedlungen wie das Leuenfeld sind in Oensingen gut ausgelastet.

Bruno Kissling

Die Frage, wo es sich am günstigsten wohnen lässt, ist nicht mit einer simplen Aussage zu beantworten. Beliebt ist die Region als Wohnort alleweil. Im Gäu wuchs die Bevölkerung in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark an. Per Ende 2019 lebten gemäss neusten Zahlen 21 724 Menschen im Bezirk Gäu, was gegenüber dem Vorjahr einem Wachstum von rund einem Prozent entsprach. Auch die grösste Thaler Gemeinde Balsthal, die im Mietzinsenvergleich berücksichtigt ist, wuchs im letzten Jahr leicht.
Der Vergleichsdienst Comparis untersuchte zu Beginn des Jahres 230'000 Wohnungsinserate, die zwischen Anfang 2018 und Ende 2019 publiziert wurden.

Comparis hat dieser Zeitung die Daten auf Anfrage zur Verfügung gestellt. Die Analyse der Mietzinse zeigt: Es gibt im regionalen Vergleich bloss einen Ausreisser. In Härkingen sind die Wohnungsmieten augenfällig am teuersten. Dies überrascht wenig, denn gleichzeitig weist die Gäuer Gemeinde den mit Abstand tiefsten Steuerfuss von 89 Prozent aus. Trotz höheren Wohnungsmieten dürfte der Lebensunterhalt in Härkingen daher gar günstiger sein als in anderen Gemeinden. In Härkingen waren im letzten Jahr (stand September 2019) 37 Wohnungen nicht belegt, was einem Leerwohnungsbestand von 4,7 Prozent entspricht. Im kantonalen Durchschnitt liegt die Quote bei 3,4 Prozent.

Besonders viele 4-Zimmer-Wohnungen finden gemäss kantonaler Statistik keine Abnehmer. Und für eine 4,5-Zimmer-Wohnung ist der Preisunterschied im regionalen Vergleich eklatant: Diese kostet in Härkingen gemäss Medianwert monatlich 2165 Franken und somit gut 500 Franken mehr als in Balsthal oder in den Gäuer Dörfern Neuendorf und Oberbuchsiten. Selbst eine 5,5-Zimmer-Wohnung kostet in Balsthal nach dem Medianwert noch deutlich weniger (1980 Franken), wobei die grösste Thaler Gemeinde mit 125 Prozent den höchsten Steuerfuss der Vergleichsgemeinden hat.

Im Fall von Härkingen gilt es ausserdem zu beachten, dass die Wohnungen mit 4,5 Zimmern überdurchschnittlich geräumig sind und im Mittel über 123 Quadratmeter Wohnfläche bieten. Und dennoch: Selbst in Aarau – was die Mietzinse betrifft die teuerste Stadt der Region – kostet eine 4,5-Zimmer-Wohnung weniger. Das ist bloss ein Faktor von vielen.

Egerkingen: Bauboom bringt Wachstum

Hinter Härkingen folgt, was Wohnungen dieser Grösse betrifft, Egerkingen. Knapp 2000 Franken kostet hier eine Bleibe mit 4,5 Zimmern. Auch bei den mittleren und kleineren Wohnungen bewegen sich die Preise in Egerkingen hinter Härkingen im regionalen Vergleich eher im oberen Spektrum. Dem Wachstum der Gemeinde tat dies keinen Abbruch. Der Bauboom hat in Egerkingen auch im letzten Jahr zu einem deutlichen Wachstum geführt. Was den Leerwohnungsbestand betrifft, bewegt sich die Gemeinde im kantonalen Mittel von 3,4 Prozent.

Noch stärker legte die Einwohnerzahl im letzten Jahr prozentual in Niederbuchsiten zu. Das 1200-Seelen-Dorf erfuhr 2019 ein Wachstum von 5,7 Prozent. Was die Mietpreise betrifft, gehört Niederbuchsiten zum regionalen Durchschnitt, wobei grössere Wohnungen tendenziell teurer sind.
Besonders homogen sind die Mietpreise für 3,5-Zimmer-Wohnungen. Härkingen und Egerkingen ausgeschlossen, bewegen sich die Mietzinspreise in den anderen Gemeinden um die 1500 Franken-Grenze. Oberbuchsiten und Balsthal weisen unter dem Strich die günstigsten Mieten auf. Besonders günstig gibt es in Balsthal die 3,5-Zimmer zu haben (1440 Franken), während Oberbuchsiten bei den 2,5-Zimmer-Wohnungen die besten Preise (1150 Franken) bietet.

Im Durchschnitt liegen über alle Wohnungsgrössen betrachtet die beiden Gemeinden Kestenholz und Oensingen. In der grössten Gäuer Gemeinde ging die Einwohnerzahl mit 6310 Personen nach Wachstumsjahren erstmals leicht zurück. Dies ist aber nicht auf die Mietpreise zurückzuführen. Oensingen hatte in der letzten Statistik den tiefsten Wohnungsleerstand im gesamten Bezirk Gäu.