Das Hobby zum Beruf machen. Darauf hatte Peter Bader schon lange Lust. Und jetzt kommt er seinem Traum einen kleinen Schritt näher: In diesem Mai ist der erste Teil seiner Metzgerei für Wildspezialitäten in Mümliswil fertig geworden. Ende Monat nimmt sie offiziell den Betrieb auf.

Regionalität ist ihm wichtig

Peter Bader sitzt am Holztisch in seinem Garten. Hinter ihm steht ein kleines Häuschen. Es ist im Moment Baders ganzer Stolz, denn in dem Häuschen ist der neue Produktionsraum für seine Wildmetzgerei untergebracht. Eben erst wurden die letzten Kacheln verlegt, bald wird noch der Wasseranschluss installiert.

In der Wildmetzgerei will Peter Bader Wildfleisch verarbeiten. Er erhält es von Jägern aus der Region. Regionalität sei ihm grundsätzlich wichtig, sagt er. «Dann weiss ich, woher mein Fleisch kommt.» Mit seiner Wildmetzgerei springt er in eine Lücke, die mit einem neuen Lebensmittelgesetz entstanden ist. Nach diesem dürfen Wildtiere nicht mehr im selben Raum wie andere Tiere abgehangen werden. Für viele Metzger ist das ein Problem: Ihnen stehen nicht zwei verschiedene Räume zur Verfügung, wo sie die Tiere aufhängen können.

Peter Bader sah darin eine Chance: Der gelernte Metzger hilft schon seit langem befreundeten Jägern dabei, ihre Jagdbeute zu zerlegen und daraus Würste oder Trockenfleisch herzustellen. Seine Produkte seien immer gut angekommen, und die Nachfrage sei stetig gewachsen. Also gründete er zusammen mit seinem Bruder Thomas die «Pidu Wildspezialitäten GmbH», um den fehlenden Raum für das Abhängen von Wild zur Verfügung zu stellen.

Die Familie hilft mit

Die «Pidu Wildspezialitäten GmbH» ist ein Familienbetrieb. Neben seinem Bruder hilft auch Peter Baders Frau Paula mit. Sie ist momentan vor allem für die Administration zuständig. Baders können von ihrer Metzgerei aber nicht leben. «Es ist momentan wirklich noch ein Hobby», so Peter Bader. «Wir wollen lieber etwas klein anfangen», sagt auch seine Frau Paula. «Wenn wir plötzlich von 300 Kunden überrannt werden, dann hätten wir ein Problem», sind sich die beiden einig.

Baders stellen sich das Geschäft so vor, dass Jäger ihnen Bescheid geben, sobald sie ein Tier geschossen haben. Dann bringen sie es bei Peter Bader vorbei, und dieser verarbeitet es dann nach Wunsch bis zu einem vereinbarten Termin. Was er nicht sofort verkaufen kann, friert er ein. Auf Wunsch verarbeitet er auch anderes Fleisch, der Schwerpunkt soll aber auf Wild liegen.

Langsam Kundenstamm aufbauen

Lieber langsam, dafür qualitativ hochwertig wachsen und arbeiten. Das ist das Motto von Peter Bader. Ein Blick in seinen Produktionsraum zeigt: Besonders gross ist er nicht. «Das täuscht ein bisschen», so Peter Bader. Er öffnet den Kühlschrank. «Darin haben vier Rehe oder zwei Wildschweine Platz.»

Verschiedene Absatzmärkte

Für seine Waren hat er verschiedene Absatzmärkte vorgesehen: Zum einen die Kunden, die mit dem erlegten Tier bei ihm vorbeikommen und dann die entstandenen Produkte kaufen. Aber er kann sich auch vorstellen, Restaurants oder Dorfläden zu beliefern. Im zürcherischen Hinwil gebe es etwa einen Dorfladen, der bereits Interesse an seinen Produkten bekundet habe.

Der Vorteil seiner Produkte sei, dass er den Kunden ja nach Saison immer wieder Neues bieten könne, so Bader. Kann er sich denn vorstellen, auch selber Wild für die eigenen Produkte zu schiessen? Peter Bader schüttelt den Kopf. Eine Jagdlizenz hat er nicht. «Und für die Jagdprüfung habe ich momentan wirklich keine Zeit.» Die Zeit steckt er lieber in seine neue Metzgerei.