Es sind einerseits Szenen, die der Tourist zwar täglich sehen kann, aber kaum wahrnimmt, für die Solothurnerin Annatina Graf waren es hingegen tagtägliche Begegnungen und Impressionen: Die Obdachlosen, die unter ihrem Künstleratelier in der «Cité Internationale des Arts» in Schlafsäcken auf Karton nächtigten, die vielen bewaffneten Polizisten in der Stadt und die allgegenwärtigen Tauben.

Menschen, soziale Aspekte und erlebte Grossstadt-Situationen, die Graf mit den Augen der Künstlerin betrachtet und als Künstlerin zu malerischen Erinnerungen ihrer «Mes voisins inconnus» umgesetzt hat. In Acryl auf Karton, in grauen Tonalitäten und vielen Lasuren nach projizierten fotografischen Vorlagen zeigt sie diese Menschen nahezu literarisch, wie Ausschnitte aus einer filmischen Sequenz, künstlerisch verfeinerte zwischenmenschliche Dokumentationen, die viel erzählen und doch eine gewisse – respektvolle – Distanz zu wahren wissen.

Der schutzlose Schlaf wirkt trotz allen Elends wie ein Hort, die Intimität scheint aufgehoben und doch sind die Menschen trotz aller plastisch-figurativen, fast skulpturalen Wirkung in stiller Poesie entrückt.

Wechselspiele in der Stadt

Doch ein Aufenthalt in Paris, das sind auch ganz normale städtische Porträts, kleine Szenen und Einblicke in dieser speziellen Stadt. Auch hier malt Annatina Graf in klassisch wirkender Manier die Bilder in jenen dezent sich modulierenden Grauweissnuancen vage verschwimmender Erinnerungen nach.

Das Geschehen dieser Momente löst sich im Wechselspiel von hell und dunkel, positiv und negativ, so weit von der erlebten Realität, dass das Erinnern dieser «Sensations» eine vertraute Nähe und Tiefe entwickeln, die sich vom Dokumentarischen löst und die Betrachtenden mit ihren persönlichen Erinnerungen miteinbezieht.

Während Annatina Graf in den kleinen Transferdrucken auf Holztafeln «Dans les rues de Paris» und in den kleinen schwarzgrauen Tuschezeichnungen «Passages» die Magie und den Reiz von Paris zu subtilen Zitaten verdichtet.

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 1. April, geöffnet: jeweils Do und Fr 18-21 Uhr, Sa 15-18 Uhr, So 11-14 Uhr.