Neuendorf
Meinung des Neuendorfer Gemeinderats über Einheitsfriedhof ist geteilt

Eine Familie wünscht sich einen konfessionsneutralen Grabstein für die Tocher und hat beim Gemeinderat Neuendorf ein Gesuch eingereicht. Der Rat konnte sich aber noch zu keiner Entscheidung durchringen.

Erwin von Arb
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Vorerst bleibts dabei: Grundsätzlich Kreuze sind nur gestattet.

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Erwin von Arb

Erstmals, seit die Gemeindeversammlung am 6. November 2012 das neue Friedhofreglement mittels Nichteintreten bachab geschickt hatte, musste sich der Gemeinderat wieder mit diesem Thema befassen. Auslöser war das vorliegende Gesuch einer Familie mit muslimischen Wurzeln, deren Tochter vor rund zwei Jahren auf dem Friedhof in Neuendorf beigesetzt worden ist. Weil im neuen Friedhofreglement die vom Souverän in einer Konsultativabstimmung geforderten Anpassungen, die Beibehaltung des Einheitsfriedhofs sowie die Schaffung eines separaten Grabfeldes für Andersgläubige, noch nicht umgesetzt werden konnten, orientiert sich das Gesuch der Familie am alten Reglement. Dieses schreibt auch vor, dass das Grabkreuz aus Holz (im aktuellen Fall eine Holztafel), nach zwei Jahren durch einen Grabstein zu ersetzen ist.

Während einige der sechs anwesenden Ratsmitglieder die Auffassung vertraten, dass im alten Reglement aus dem Jahr 1999 lediglich ein einheitliches Bild vorgeschrieben sei und dass deshalb ein konfessionsneutraler Grabstein durchaus im Einklang mit dem Reglement stehen würde, sprachen sich andere vehement gegen diese Darstellung aus.

Mit der Bewilligung eines solchen Grabsteins in den Reihen der bestehenden Gräber werde das klare Votum der Gemeindeversammlung missachtet, wurde argumentiert. Auch die Ablehnung eines solchen Gesuches vor über 15 Jahren wurde ins Feld geführt. Diese Person sei damals in Hägendorf beerdigt worden, erwähnten zwei Ratsmitglieder.

Die daraus resultierende Pattsituation hatte in der Abstimmung zur Folge, dass mit zwei gegen zwei Stimmen und Stichentscheid des Vorsitzenden der Platzierung eines konfessionsneutralen Grabsteins zugestimmt wurde. Dieser auch durch zwei Stimmenthaltungen herbeigeführte Entscheid gefiel indessen einigen Ratsmitgliedern im Hinblick auf die erwähnte Gemeindeversammlung nicht, worauf Antrag auf Wiedererwägung gestellt wurde. Diesem wurde mit vier gegen zwei Stimmen entsprochen. Ein Ratsmitglied war an der Sitzung entschuldigt.

In der anschliessenden Diskussion wurde anerkannt, dass der Verstorbenen und der gesuchstellenden Familie gemäss dem Solothurner Sozialgesetz ein schickliches Begräbnis zusteht. Es wurde ferner festgehalten, dass der Gemeinderat wegen des noch nicht angepassten neuen Friedhofreglements nicht definitiv darüber befinden kann. Das Gesuch sei deshalb auszusetzen, bis das neue Friedhofreglement vorliege, lautete der neue Antrag. In der Abstimmung unterstützten vier Ratsmitglieder diesen Antrag, zwei sprachen sich dagegen aus. Die Familie wird schriftlich über den Entscheid informiert.

Der Gemeinderat wird sich an seiner nächsten Sitzung mit dem neuen Friedhofreglement beschäftigen. Neben der Auswertung der Voten der Gemeindeversammlung vom 6. November will der Rat das weitere Vorgehen im Detail besprechen. Dies mit dem Ziel, der Tiefbaukommission einen konkreten Auftrag für Umsetzung der vom Souverän in einer Konsultativabstimmung geforderten Schaffung eines separaten Grabfeldes für Andersgläubige.

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