Siedlungsentwicklung
Mehr Support für die Gemeinden — das fordert Fabian Gloor vom Kanton

Der Oensinger Fabian Gloor fordert vom Kanton mehr Unterstützung, wenn es um die Siedlungsentwicklung geht. In Oensingen-West sind neue Bauten geplant. Der Regierungsrat stützt das Anliegen.

Yann Schlegel
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Hoch hinaus: In Oensingen-West sollen in den nächsten Jahren unter anderem siebenstöckige Bauten entstehen.

Hoch hinaus: In Oensingen-West sollen in den nächsten Jahren unter anderem siebenstöckige Bauten entstehen.

Bruno Kissling

«Wir hatten Jahre, in welchen wir zu schnell wuchsen», sagt Fabian Gloor über den Zonenplan der Gemeinde Oensingen gebeugt. Wie den Raum gestalten? Mit dieser Frage musste sich Gloor als Gemeindepräsident zwangsläufig auseinandersetzen. Und dabei stellte er auch fest: Zu schnelles Wachstum führt für Gemeinden oft zu einer unbefriedigenden Siedlungsentwicklung. «Die Interessen der Gemeinden müssen unbedingt in ein Bauprojekt einfliessen», sagt er, «wir als Behörde sollten nicht einfach das Projekt annehmen und nur noch ausführen.»

Besonders in Oensingen erfordert die Raumplanung einen steten Spagat. Wo ist die Gemeinde am Fusse des Roggens noch Dorf? Wo darf sie sich städtebaulich entwickeln? Beides finde Platz, ist Gloor überzeugt. Geprägt hat ihn die Erfahrung zum Gebiet Oensingen-West. Nördlich des Bahnhofs wird sich Oensingen in den nächsten Jahren stark verändern. Unter anderem zwei siebenstöckige Bauten dürften Oensingen in diesem Bereich ein urbaneres Gesicht geben. «Wir sahen, dass wir Dinge nicht nur auf Stufe Zonenreglement festlegen können, sondern aktiv mithelfen müssen, den Raum zu koordinieren», sagt Gloor und schiebt nach: «Nicht planwirtschaftlich, sondern mit allen Beteiligten.» Was den Wohnungsmarkt betrifft, ist der CVP-Kantonsrat ein Fürsprecher des freien Markts. Für genossenschaftliche Lösungen sehe er im Kanton Solothurn, wo maximal kleinstädtische Verhältnisse herrschen und kaum Wohnungsnot besteht, wenig Bedarf. Aber ja, der Staat müsse den privaten Investoren durchaus klare Auflagen stellen. «Nicht jeder Investor hatte am Anfang Freude an unseren Forderungen», sagt Gloor. «Doch auch die Skeptiker waren letztlich zufrieden mit dem Ergebnis.»

Regierungsrat stützt das Anliegen

Aber sind die Gemeinden allein genug stark? Nein, findet Gloor. «Auch der Kanton muss eine aktivere Rolle einnehmen», sagt er. Mit seinen Erfahrungen als Gemeindepräsident im Gepäck, lancierte er als Kantonsrat einen Auftrag an den Regierungsrat auf. Er fordert diesen darin auf, ein Anreizsystem zu entwickeln, um verdichtete, hochwertige und möglichst CO2-effiziente Bauweisen mit ansprechenden Aussenräumen an geeigneten Standorten zu fördern. Verdichtetes Bauen solle nicht mit billigem Wohnraum gleichgesetzt werden, schreibt Gloor in seinem Vorstoss. Und weiter: «Der Paradigmenwechsel in der Raumplanung braucht auf kommunaler Ebene offensichtlich Zeit und bedarf zusätzlicher flankierender Unterstützung.»

"Nicht jeder Investor hatte am Anfang Freude."

(Quelle: Fabian Gloor, CVP Kantonsrat)

Im Gespräch sagt Gloor aber: «Ich will es nicht als Hilferuf der Gemeinden an den Kanton verstehen». Auch wenn die Anforderungen an die Gemeinden etwa mit dem revidierten Raumplanungsgesetz grösser wurden. Der Oensinger Gemeindepräsident erhofft sich vor allem, dass der Kanton die Gemeinden sensibilisiert und eine Beraterfunktion einnimmt. «Hilfreich sind in diesem Prozess Best-Practice-Beispiele, welche in geeigneter Weise als Erfolgsmodelle aufgenommen und kommuniziert werden können», nennt Gloor im Auftrag einen konkreten Ansatz.

Der Regierungsrat nahm den Vorstoss des CVP-Kantonsrats wohlwollend auf und erklärte diesen im Januar für erheblich. «Ohne zusätzliche substanzielle sowie auch finanzielle Unterstützung werden viele Gemeinden die an sie gestellten Aufgaben nicht oder nur teilweise bewältigen können. Vor diesem Hintergrund sollte geprüft werden, ob mit einem eigentlichen Mehrjahresprogramm zur hochwertigen Siedlungsentwicklung nach innen entsprechende Impulse gesetzt werden könnten», schreibt er in seiner Antwort. Gloor hofft derweil, dass Oensingen-West in zwei bis drei Jahren zu den Muster-Projekten des Kantons zählt.