Laupersdorf

Mehr Mut zu Gestrüpp und Unordnung: Wie die Natur im Siedlungsraum mehr Platz erhält

In Laupersdorf wurde das Pilotprojekt «Natur im Siedlungsraum» des Naturparks Thal gestartet.

Es wird nötig, Massnahmen zu ergreifen, um der Natur im Siedlungsraum, im Naturpark Thal, in Laupersdorf mehr Raum zu geben. Aber haben wir im ländlichen Gebiet nicht genug «Natur» um uns herum? Ist Laupersdorf und das Thal der richtige Ort, ein solches Projekt zu starten? Ja, meinen die Initianten des Projektes, die Gemeinde Laupersdorf mit ihrer Umweltkommission (LUK), der Naturschutz- und Verschönerungsverein Laupersdorf (NVL) und der Naturpark Thal. Und gut 50 Interessierte fanden sich letzte Woche im Pfarreiheim Laupersdorf ein, um mehr über das Projekt «Natur im Siedlungsraum» zu erfahren.

Vielleicht hatten sie schon von ihren Kindern etwas davon gehört, denn vor ein paar Wochen führten die Verantwortlichen bereits einen Pilot-Anlass für die Schülerinnen und Schüler zum Thema durch. Die Gemeinde Laupersdorf wurde für das Projekt ausgesucht, weil es hier bereits naturverbundene und innovative Kommissionen und Personen gibt, erklärte Gemeindepräsident Edgar Kummer. «Bei uns gibt es etliche Personen, die sich für eine nachhaltige Natur und die Biodiversität interessieren und teilweise schon danach leben.»

In Laupersdorf habe man sich seit Februar 2018 in einer speziellen Arbeitsgruppe Gedanken darüber gemacht, wie mehr Natur in die Siedlungen gebracht werden könnten. Seitens der Gemeindebehörden bekamen die Initianten grünes Licht, ihr Projekt weiterzuverfolgen. Mitte 2018 wurde eine Programmvereinbarung mit dem Naturpark Thal unterzeichnet, in der Laupersdorf als Pilotgemeinde für dieses Projekt bestimmt wurde. Es sei geplant, das Projekt auch in allen anderen Thaler Gemeinden voranzutreiben, wurde gesagt. Allerdings will man nun zunächst in Laupersdorf mit ersten Massnahmen bei Privaten, Unternehmen und von Behördenseite Resultate für eine verbesserte Biodiversität erreichen.

Natur nicht nur im Schutzgebiet schützen

In einem Fachreferat zum Thema erläuterte Christa Glauser, stellvertretende Geschäftsführerin von BirdLife, warum es auch in einer ländlichen Gemeinde wie Laupersdorf wichtig sei, sein Augenmerk auf die richtigen Massnahmen zum Erhalt oder der Wiederansiedlung von Natur zu halten. Birdlife habe vor vier Jahren die Kampagne «Biodiversität im Siedlungsraum» gestartet. Naturförderung soll nicht nur in Schutzgebieten stattfinden, sondern auch im Siedlungsraum; also dort, wo wir wohnen und arbeiten. Es sei doch bedenklich, dass in den letzten 100 Jahren 245 Tierarten ausgestorben seien, 554 seien heute bedroht. «Wir müssen reagieren und in den Privatgärten, aber auch auf Grundstücken von Betrieben und Gemeinden der Natur wieder mehr Raum geben.»

Glauser machte klar, dass es nicht um eine bestimmte Doktrin gehe, denn: «Wir sind alle unterschiedliche Gartenliebhaber und so soll es auch bleiben.» Doch machte sie Mut, weniger Ordnung und Aufgeräumtheit in seinem Garten zuzulassen; das Laub oder verblühte Blütenstände liegen zu lassen. «Natur lässt sich nicht dressieren», sie entwickelt sich, sagte sie. Sie habe bei einem Rundgang durch Laupersdorf gesehen, dass auch hier noch viel ökologisches Potenzial vorhanden sei und aktiviert werden könne.

Es gebe aber nicht nur einen Gewinn für die Natur durch dieses Projekt; gewinnen würde auch das Dorf. Glauser erwähnte die Senkung der Pflege- und Unterhaltskosten im Bereich der öffentlichen Flächen; mehr Motivation und Freude an der Natur in privaten Gärten und auf Balkonen; die Steigerung der Lebensqualität dank attraktiveren Grünräumen; eine Verbesserung des Gemeinschaftsgefühls; einen Imagegewinn; die Steigerung der Wertschöpfung durch Aufträge an das ansässige Gewerbe; Laupersdorf wird Vorreiter.
Die Gemeinde Laupersdorf bietet ab sofort kostenlose Beratungen für Private an, die ihren Garten naturnaher gestalten wollen. Ein Anmelde-Formular ist auf der Gemeinde zu haben.

Die Laupersdörfer Gärten zertifizieren

Wer seinen Garten naturnah gestaltet hat, kann ein Zertifizierungsschild in Form eines Tierumrisses in seinem Garten aufstellen. «Diese Zertifizierung erhält man, wenn man drei Einzelmassnahmen umsetzt», erklärte Projektleiter Thomas Schweizer vom Naturpark Thal. Weiter gibt es kostenlose Exkursionen durchs Dorf zum Thema sowie den «Tag der offenen Gärten», bei dem sich Gartenbesitzer untereinander austauschen und vernetzen können.
Auch ein Fotowettbewerb wird gestartet. Gefordert wird hier je ein Bild vor und nach dem Umbau des Gartens oder eines Teils in eine naturnahe Anlage. Wer grössere Aufwertungsmassnahmen durchführt, kann mit finanziellen Beiträgen aus dem Naturpark Thal, dem Kanton Solothurn und dem Bundesamt für Umwelt rechnen und wird in der Administration unterstützt.

Unternehmer können ebenfalls zertifiziert werden; einerseits durch den Naturpark Thal, andererseits durch die Stiftung Natur und Wirtschaft. Bei der PWF Kunststofftechnik Laupersdorf wurde die Umgebung bereits naturnah umgestaltet und als Beispiel vorgestellt.
Als allererste Massnahmen gehen die Laupersdörfer Werkhofmitarbeiter mit gutem Beispiel voran. Sie werden zunächst bei Kursen über naturnahe Heckenpflege auf den neuesten Stand gebracht.

Auf den öffentlichen Flächen wird Laupersdorf seine Rabatten künftig naturnah mit einheimischen Blumen und Sträuchern bestücken. So ist vorgesehen, die Wiese beim Gemeindezentrum mittels Pflanzung von zwei Bäumen aufzuwerten und sie zur Wildblumenwiese umzugestalten. Sie wird daher weniger gemäht. Auf einem Mätteli beim Mehrzweckgebäude wird ebenfalls eine Blumenwiese gesät und ein Mergelweg angelegt.

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