Kestenholz

Mehr als ein blosser Wachmacher: Bio-Kaffee aus Kestenholz

Der Kaffeeröster und seine Helfer: v.l. Lukas Hauri, Samuel Probst und Florian Iseli.

Der Kaffeeröster und seine Helfer: v.l. Lukas Hauri, Samuel Probst und Florian Iseli.

In Kestenholz ist die erste und einzige hundertprozentige Bio-Kaffeerösterei zu Hause.

Für viele gehört er dazu wie Zähneputzen oder Frühstück: der Kaffee. Prognosen gehen davon aus, dass sich der weltweite Kaffeekonsum bis ins Jahr 2050 verdoppelt. Die Auswahl ist immens: Espresso, Café crème, Americano, Flat White, Latte macchiato und viele mehr. Kaum ein anderes Produkt wird von so vielen Faktoren im Geschmack beeinflusst: Sorte – Arabica oder Robusta – , Anbauland, Klima und Aufbereitung. Weiter spielen die Rohkaffee-Qualität, die Mischung sowie die Röstung (hell oder dunkel) eine Rolle. Zuletzt entscheidet noch die Zubereitung: Filter-, Siebträger- oder vollautomatische Maschine. Auch Mahlgrad, Brühtemperatur sowie Wasserqualität sind ausschlaggebend.

Lernen vor Ort in Kolumbien

Genau diese Vielseitigkeit ist es, die den Gründer der nach eigener Aussage ersten und einzigen Schweizer Bio-Kaffeerösterei, Lukas Hauri, schon fast sein halbes Leben fasziniert. In Niederbuchsiten aufgewachsen, war klar, dass er zur Lehre bei der Jura Elektroapparate AG gehen wird. «Im November 2017 entschied ich mich, für sechs Monate nach Kolumbien zu gehen. Einerseits wollte ich Spanisch lernen, andererseits konnte ich Kaffee im Anbauland sehen», erzählt der 27-Jährige – genannt Lü. Während seines Aufenthalts besuchte er mehrere Farmen, half gar bei der Ernte mit. «Eine Finca gefiel mir besonders, da dort keine Monokultur betrieben wird», erinnert er sich. Nach seiner Rückkehr arbeitete Lü als Rohkaffeehändler. Dabei habe er enorm viel gelernt: «Fast jeden Morgen haben wir Kaffee degustiert», erzählt Hauri. Zugleich konnte er die Kontakte zu den Produzenten knüpfen.

Auf den Geschmack gekommen

Da er seine Kunden, vorwiegend Röstereien, bestens beraten wollte, entschied er, das Rösten in einem mehrtägigen Kurs selber zu lernen. Damit habe er die Grundlagen erworben. «Das Wissen kommt erst mit der Erfahrung und Experimentieren. Kaffee als Naturprodukt verhalte sich immer anders», so Lü.

Seit Anfang Jahr betreibt er seine eigene Bio-Rösterei in einem mobilen Wagen – mit dem Ziel, das Angebot an nachhaltig produziertem Kaffee zu vergrössern. Verarbeitet wird nur biologisch produzierter sogenannter Spezialitätenkaffee. Dieser zeichnet sich durch eine besonders hohe Qualität aus, die nach von der Specialty Coffee Association (SCA) definierten Punkten bewertet wird. Die Bohnen stammen aus Kolumbien, Brasilien, Guatemala, Äthiopien und Tansania und werden im schonenden «Slow-Roasting-Process» geröstet. «Durch das langsame Verfahren, das meist zwischen 20 und 25 Minuten dauert, werden die Aromen besser erhalten, der Kaffee ist säurearm und dadurch bekömmlicher», weiss der Kenner. Industriell wird der Kaffee einiges schneller geröstet – zwischen 10 und 13 Minuten – bis die Bohnen beim «First Crack» zwischen 175 und 195 Grad platzen. «Was ist das Ziel meiner Mischung und welches Röstprofil passt?» Das sind für Hauri die wichtigsten Kriterien. Heute trinke er im Gegensatz zu früher nur noch drei oder vier Espressi, da er Kaffeegenuss mehr zu würdigen wisse. «Unsere Röstungen passen zu Leuten, die den Kaffee geniessen und darin nicht nur einen Wachmacher sehen.»

Lü’s Kaffee ist im Onlineshop, aber auch im Spar Kestenholz und am Solothurner Samstagsmarkt erhältlich – auch verpackungsfrei, was sehr gut ankomme. «Was mich besonders freut, sind die vielen wiederkehrenden Kunden», sagt Hauri. Er blickt zufrieden zurück. Das vorsichtig gesteckte Jahresziel erreichte er bereits Anfang November und hofft darauf im 2020 über eine Tonne zu verkaufen.

Hinweis: www.Bioroesterei.ch

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