Matzendorf
Mauern werden einfach geheftet und zusammengebunden

An der Pfarrkirche Matzendorf werden Mauerrisse saniert – mit einer erstaunlich einfachen Methode: Die Mauern werden mit Klammern zusammengeheftet.

Alois Winiger
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Voll eingerüstet: Die Pfarrkirche St. Pankratius
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An der Pfarrkirche Matzendorf werden Mauern saniert
Riss im Chor mit Klammer von früherer Sanierung
Freigelegter Riss in der Nordmauer
Riss in der Nordmauer
Links und rechts vom Riss sind etwa 40 Zentimeter des Bruchsteinmauerwerks freigelegt worden. Dort fügt der Facharbeiter Eisenklammern ein und anschliessend wird mit Mörtel aufgefüllt.
Einer der Risse in der Südmauer
Auch im Innern sind die Mauern voll eingerüstet
Eine Zugstange hält Nord- und Südmauer zusammen
Verstärkung der Chormauer für das Fixieren der Zugstange

Voll eingerüstet: Die Pfarrkirche St. Pankratius

Alois Winiger

Bald werden die Risse in den Mauern der Pfarrkirche St. Pankratius in Matzendorf verschwunden sein. Gut sichtbar verlaufen die einen von oben bis unten in der südlichen und der nördlichen Mauer des Kirchenschiffs, die anderen in der quer dazu verlaufenden Mauer mit den Chorbogen. Das Kirchenschiff driftet also seitlich und längs auseinander.

Für den Laien wirken diese Risse schon recht bedrohlich, die Fachleute dagegen zeigen sich eher gelassen, denn sie wissen, wie damit umzugehen ist – wenn man nicht zu lange zuwartet. Darum laufen derzeit Sanierungsarbeiten. Die Kirchgemeindeversammlung vom vergangenen November hat dafür einen Kredit von 906 000 Franken bewilligt, wobei darin nicht nur die Sanierung der Risse enthalten ist. Gleichzeitig werden inwendig beim Haupteingang zur Kirche ein Windfang eingebaut sowie die Beleuchtung, die Akustikanlage und die Heizungssteuerung erneuert.

Der Untergrund bewegt sich

Warum konnten überhaupt so grosse Risse entstehen? Und wie repariert man sie in einem alten Mauerwerk aus Bruchsteinen? Antworten darauf gibt der für die Sanierung beauftragte Architekt Peter Widmer, Solothurn. «Rissbildungen bei dieser Kirche sind nicht ungewöhnlich», erklärt er, «denn sie steht auf einem Untergrund, der sich bewegt.» Man gehe davon aus, dass es sich beim Hügel zwischen Matzendorf und Aedermannsdorf, auf dem die Kirche seit Jahrhunderten schon steht, um eine Rutschung der zweiten Jurakette handelt.

Das Baujahr des Kirchenschiffs, bei dem nun Risse geflickt werden, geht in die Jahre um 1520 zurück. Eine unmittelbare Gefahr bestehe nicht, wenn man die Risse immer wieder flickt. Letztmals war dies vor 25 Jahren der Fall, auch damals war Peter Widmer für die Sanierung zuständig. Ebenfalls Fredi Kaufmann ist wieder dabei, heute als Präsident der Baukommission, seinerzeit als Präsident der Kirchgemeinde Matzendorf.

Verblüffend einfach

Natürlich werden die Risse nicht einfach aufgefüllt und Schluss. Das Prinzip der Sanierung ist im Grund verblüffend einfach: Die längs verlaufenden Mauern werden mit Klammern zusammengeheftet, und diese beiden Seitenmauern mit einer Zugstange über dem Chorbogen zusammengebunden.

Die Ausführung ist jedoch sehr anspruchsvoll, da sind Spezialisten am Werk, die Erfahrung haben mit historischer Bausubstanz. Denn die Mauern sind aus Bruchsteinen unterschiedlicher Härte gebaut worden, nicht jeder dieser Steine kann eine Verbindung mit der Eisenklammer auf Dauer aushalten. Für das Auffüllen der Risse ist ein Mörtel zu verwenden, der sich mit den Steinen optimal verbindet und Verputz sowie Fassadenfarbe so aufnehmen, dass die sanierte Stelle letztlich nicht mehr auffällt.

Im Innenraum der Kirche laufen die Renovationsarbeiten auf Hochtouren. Man sei gut im Fahrplan, sagt Architekt Peter Widmer. Insgesamt dürfte die gesamte Sanierung im September abgeschlossen sein.