Vor rund sechs Jahren sorgten sie noch für einen Aufschrei bei der Bevölkerung und den Betreibern der Hotellerie in Egerkingen: die Kurtaxen. Zwei Franken müssen Gäste seit der Einführung im Jahr 2012 pro Logiernacht in einem der vier Hotels Mövenpick, Comfort Hotel, Gasthof Kreuz sowie Gasthof von Arx bezahlen. Wo sich damals aber noch ein grosser Widerstand regte, werden heute kaum noch Stimmen laut, die Gäste scheinen sich damit abgefunden zu haben. Trotzdem sorgen die Kurtaxen noch immer ab und zu für Kopfschütteln.

«Egerkingen ist zwar kein typischer Urlaubsort», sagt Matthias Knoche, Manager des Hotels Mövenpick. «Aber die Gäste sind es sich in der Zwischenzeit gewohnt, Taxen für Übernachtungen in Hotels zu bezahlen.» Diesen Eindruck haben aber nicht alle Betriebe. «Teilweise ist man schon erstaunt», sagt Louis Bischofberger vom Gasthof Kreuz. «Die grosse Frage ist immer: Wofür wird denn das Geld verwendet?»

Zwölf E-Bikes angeschafft

Mit dem Kurtaxen-Budget wurden beispielsweise bereits die Jakobsleiter saniert, der Picknickplatz wiederhergestellt, Wanderrouten erneuert und Prospekte gedruckt. Vor rund einem Jahr hat der Gemeinderat zudem zwölf E-Bikes der Marke Flyer angeschafft, die auf die vier Hotels aufgeteilt wurden. «Die E-Bikes sind eine sehr gute Idee und werden rege genutzt», so Knoche. 

Sowohl für die Gäste als auch für die Hotelbetreiber ist wichtig, dass für dieses Geld eine spürbare touristische Gegenleistung erfolgt. «Die Gäste sind zufrieden, solange das Geld der Kurtaxen an sie zurückfliesst», erklärt Knoche. «Dann sind sie auch bereit, diese zwei Franken zusätzlich zu bezahlen.»

Um diese Zufriedenheit ist auch der Gemeinderat bemüht, weshalb die Einnahmen aus den Kurtaxen — anders als ursprünglich geplant — ausschliessich für touristische Zwecke verwendet werden und nicht in die Gemeindekasse fliessen. Das sagt auf jeden Fall der Gemeinderat. Die Hoteliers sind da anderer Meinung.

Wie viel Prozent an Tourismus?

120 004 Franken haben die Kurtaxen der Gemeinde im Jahr 2017 eingebracht. Doch nicht der ganze Betrag fliesst direkt an die Hotelbetriebe zurück. «Die Hotelbetriebe profitieren von rund 50 Prozent dieser Kurtaxen direkt», erklärt Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. Dies in Form von Projekten, welche die Hoteliers beim Gemeinderat vorstellen können. So kam die Idee mit den E-Bikes auf. «Mit dem restlichen Geld erhöhen wir die Attraktivität unserer Gemeinde.» Dies in Form von Blumenschmuck, Weihnachtsbeleuchtung oder Beflaggung.

«Natürlich kommt das auch den Bewohnern zugute», so Bartholdi weiter. «Aber je gefälliger sich unsere Gemeinde präsentieren kann, desto attraktiver sind wir für den Tourismus.» Ausserdem sei die Infrastruktur des Dorfes durch 60 000 Übernachtungen pro Jahr belastet. Folglich profitiert nicht nur der Tourismus von den Investitionen, sondern auch die Gemeinde.

Dies wurde von den Hoteliers von Anfang an befürchtet. Und noch immer ist man skeptisch, das Projekt laufe noch nicht optimal. Zumal es in den zwei grossen Betrieben Mövenpick und Comfort auch einen Direktionswechsel gab und dort die Prioritäten jetzt auf interner Basis lägen, vermutet Bartholdi. «Auf jeden Fall gäbe es da noch viel Luft nach oben», sagt Bischofberger. Auch in Hinsicht auf die Zusammenarbeit zwischen des Interessenvereins City-Tax-Group, die aus Vertretern der Egerkinger Hotels zusammengesetzt ist, und dem Gemeinderat. Bischofberger stand der Idee von Anfang an kritisch gegenüber und vertritt die Meinung, dass der Betrag vollumfänglich und ausschliesslich dem Tourismus zugutekommen sollte.

Bessere Vermarktung

Die City-Tax-Group lancierte unter anderem auch die Website www.restandsleep.ch, die Egerkingen als idealen Standort für Aufenthalte und Übernachtungen anpreist. Ziel der Arbeitsgruppe ist es, die Attraktivität der Gemeinde als Übernachtungs-Standort zu fördern. Auf der Website werden neben den Hotels auch Restaurants, Garagenbetriebe, Einkaufsmöglichkeiten und sogar Kleintierpraxen angepriesen.

Noch reicht dies den Hotelbetreibern aber nicht. «Werbetechnisch besteht noch ein grosses Manko», moniert Knoche. «Da könnte man noch viel mehr machen.» Schliesslich können für bis zu 400 Personen Übernachtungen geboten werden. Auch Bischofberger betont den optimalen Standort der Gemeinde direkt bei der Autobahnausfahrt. Ausserdem sei Egerkingen eine Gemeinde, die praktisch alles habe. «Das muss einfach besser angepriesen werden», verlangen die Hoteliers. Dieser Wunsch werde dem Gemeinderat als Projekt in Kürze vorgelegt.