Kestenholz
Marcel von Arx: «‹Schon gut› ist für mich nicht gut genug»

Vor 40 Jahren hat Marcel von Arx einen Oldtimer selbst wieder instand gesetzt, auch heute läuft er noch. Nicht nur das Auto restaurierte er sondern entwarf auch das Meiste von seinem Grundstück selber.

Sarah Kunz
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Marcel von Arx und sein Opel P4
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Das Auto von der Innen-Seite.
Vor der Restauration im Jahr 1972: Marcel von Arx (r.) zusammen mit Lehrmeister Pius Studer auf dem Oldtimer.
Um die passende Steine, für den Steingarten, zu finden ist Marcel von Arx in der ganzen Schweiz rumgereist.

Marcel von Arx und sein Opel P4

Sarah Kunz

Die einen mögen schnittige Sportwägen, die schnurren wie Kätzchen und seinen Fahrer mit Höchstgeschwindigkeit von A nach B bringen. Andere bevorzugen Familienvans, die Stauplatz für das Gepäck von Mama, Papa sowie drei Kindern bieten. Marcel von Arx aus Kestenholz hat weder eine Vorliebe für das eine, noch für das andere. Er hat sein Herz an eine Antiquität verloren, an einen alten Opa unter den Autos, 84-jährig und doch immer noch fahrtüchtig. Kürzlich wurde der Oldtimer erneut erfolgreich vorgeführt und hat damit bewiesen, dass er es auch noch in seinem hohen Alter auf der Strasse mit modernen Autos aufnehmen kann.

Im Jahr 1972 kam der Opel P4 mit Baujahr 1934 in die Hände des gelernten Mechanikers, der sich damals «etwas zu tun» suchte und an einer Autowerkstatt vorbeifuhr, wo der Oldtimer ausgestellt war. «Kurz gesagt, es war ein Wrack», erzählt der heute 68-Jährige. Trotzdem kaufte er den Opel und fuhr ihn zu sich nach Hause. «Wobei das Wort ‹fahren› übertrieben ist», sagt von Arx und lacht. «Die Bremsen waren kaputt, ich musste hangabwärts mit der Handbremse bremsen. Eine gefährliche Angelegenheit.»

Aufwendige Kleinstarbeit

In mühsamer Kleinstarbeit zerlegte von Arx den Wagen dann in seine Einzelteile und setzte die Karosserie wieder neu zusammen. Sieben Jahre, 4000 Arbeitsstunden und um die 30'000 Franken später war die Arbeit vollendet. «So etwas darf dir einfach nie verleiden», sagt von Arx. «Wenn es dir verleidet, ist es gelaufen.» An diesen Punkt sei er nur ein einziges Mal und nur fast gekommen. Das Auto sei nämlich vor der Autowerkstatt Studer in Kestenholz geparkt gewesen, wo von Arx arbeitete. Ein Sturm hätte es über die Wiese getragen, wo dann die vielen kleinen Schrauben und sonstige Teile verstreut gewesen seien. «Da habe ich fast aufgegeben. Aber eben nur fast.»

Das Schwierige an der Arbeit sei auch gewesen, dass kein Muster vorhanden war. Ausserdem waren viele Teile kaputt, an einigen Zahnrädern fehlten die Zähne, das Holz im Innenraum war morsch und verfault. Was von Arx selbst ersetzen konnte, wechselte er aus, den Rest liess er von Fachleuten machen. «Beispielsweise mussten die Zahnräder neu angefertigt werden.» Motor, Getriebe und Hinterachse seien sein eigenes Werk. Er sei Perfektionist, alles müsse sitzen. «‹Schon gut› ist für mich nicht gut genug», sagt von Arx und lacht. «‹Schon gut›, das macht mich hässig.» Vor 40 Jahren war der Opel dann perfekt und fertig. Seither fährt von Arx damit an Hochzeiten oder macht kurze Ausflüge. Aber nur bei schönem Wetter. Und die einzigen, die den Opel fahren dürfen, seien er selbst und sein ehemaliger Lehrmeister und Freund Pius Studer.

Hobbys sind wie Ferien

Der schwarze Oldtimer ist das einzige Auto, das von Arx restauriert hat. Seither hat der Pensionär ein anderes Hobby: Sein Grundstück. Das Meiste hat von Arx selbst entworfen und teilweise sogar selbst angefertigt. So beispielsweise das Geländer des Balkons oder den Steingarten vor der Eingangstüre. «Ich bin in der ganzen Schweiz rumgereist, um die passenden Steine zu finden», erzählt der Kestenholzer. Denn wenn der Plan in seinem Kopf erst einmal steht, ruht er nicht, bis dieser auch genau so realisiert ist. «Es esch e mega Büetz.» Jedes Steinchen muss passen. Aber die Arbeit lohnt sich, wenn der Pensionär voller Stolz vor seinem Eigenheim steht und sein Werk betrachtet.

Es sind sowohl zeit- als auch kostenintensive Hobbys, die von Arx hat. Doch ist es mehr als nur ein Steckenpferd für den 68-Jährigen. Es ist seine Leidenschaft, mit seinen Händen etwas zu schaffen, das er sich in seinem Kopf ausgedacht hat. Für ihn sind seine Hobbys wie Ferien. «Andere verreisen, ich werke. Ferien sind irgendwann vorbei, aber an meiner Leidenschaft habe ich immer etwas davon.»