Amtsgericht
Mann soll wegen 30 Delikten hinter Gitter

Ein 32-jähriger Mann soll wegen rund 30 Delikten zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Die in der Region Solothurn wohnende Mutter zog im März 2014 für ihren Sohn die Notbremse. Sie bat die Behörden um Hilfe.

Erwin von arb
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Auch Velos soll der Angeklagte gestohlen haben, um sie zu Geld zu machen.

Auch Velos soll der Angeklagte gestohlen haben, um sie zu Geld zu machen.

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Übermässiger Drogenkonsum und der Verlust seiner Lehrstelle waren wohl die Hauptgründe, weshalb das Leben von Martin P.* völlig aus den Fugen geriet. Zwischen Mai 2013 und Juli 2014 beging er rund 30 Delikte. Die Palette reicht vom Diebstahl, Nötigung, Hehlerei, Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrs- und das Waffengesetz, Übertretungen des Betäubungsmittelgesetzes, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte bis hin zu Lärmbelästigung der Nachbarschaft.

Stationärer Massnahmenvollzug

Die in der Region Solothurn wohnende Mutter zog im März 2014 für ihren Sohn die Notbremse. Sie bat die Behörden um Hilfe, wie Staatsanwalt Martin Schneider vor dem Amtsgericht Thal-Gäu ausführte. Martin P. sei damals drei Monate in Untersuchungshaft genommen und danach unter Auflagen wieder entlassen worden. Im April 2015 habe sich die besorgte Mutter aber erneut gemeldet, um ihren absturzgefährdeten Sohn vor sich selbst zu schützen. In gegenseitigem Einvernehmen habe Martin P. am 11. Mai 2015 den vorzeitigen stationären Massnahmenvollzug angetreten. Zuerst in der psychiatrischen Klinik in Solothurn und seit Juni 2015 in der Suchtbehandlung Frankental in Zürich.

Zu Beginn der Verhandlung versicherte der ruhig wirkende Angeklagte auf Nachfrage von Amtsgerichtpräsident Gudo Walser, dass nach acht Monaten für ihn der Zeitpunkt gekommen sei, den stationären Massnahmenvollzug in der Suchtbehandlung Frankental zu beenden. «Ich bin soweit gereift, eine ambulante Therapie in Angriff nehmen zu können», erklärte der 32-Jährige. Anderer Ansicht war der von der Suchtbehandlung Frankental zur Verhandlung angereiste Psychotherapeut. Er sprach sich für eine Weiterführung der stationären Therapie aus.

Zeuge erschien nicht

Der grösste Teil der Anklagepunkte wie etwa Ladendiebstähle, das Führen von Autos unter Drogeneinfluss und ohne Haftpflichtversicherung (mit Unfällen), der Besitz verbotener Klapp- und Wurfmesser sowie bewilligungspflichtigen Signal- und Feuerwerkspistolen oder der Konsum von Marihuana, Speed oder Crystal Meth wurde vom Angeklagten nicht bestritten. In Abrede stellte er aber den Diebstahl eines Fahrrades vor dem Volg-Laden in Fulenbach vom 5. Juni 2013. Sein im Auto zur Arbeitsstelle mitfahrender Kollege habe das Zweirad stehlen wollen. Er habe ihn vielmehr davon abhalten können. Dass ihn sein Kollege danach beim Chef als angeblichen Dieb des Fahrrades verpetzte, erklärte Martin P. mit dessen Absicht, von sich selbst abzulenken. Das auf dem Polizeiposten in Egerkingen aufgenommene Einvernahmeprotokoll stelle die Situation falsch dar. Weil der als Zeuge geladene Kollege nicht zum Gerichtstermin erschien, musste Staatsanwalt Martin Schneider die Anklage wegen dieses Diebstahls und falscher Anschuldigung fallen lassen.

Der falschen Anschuldigung machte sich Martin P. hingegen schuldig, als er bei einer Verkehrskontrolle im Kanton Zürich ohne Ausweis den Namen eines anderen Mannes angab. Unbestritten war auch, dass Martin P. in Bellach einen Roller kaufte, obwohl er annehmen musste, dass dieser gestohlen war. Dazu kommt der Erwerb von Diebesgut in Form von Modellflugzeugen und Zubehör. Gefunden wurden diese Gegenstände sowie weitere elektronische Geräte bei einer Hausdurchsuchung. Der Tatbestand der Hehlerei ist für die Staatsanwaltschaft damit erfüllt.

Frau mit «Waffe» eingeschüchtert

Als bewiesen gilt ferner, dass Martin P. am 25. April 2013 in Solothurn einer Frau für 200 Franken 2 Gramm Kokain verkauft hat. Weil ihm diese das Geld schuldig blieb, soll der Angeklagte unter Androhung von Waffengewalt versucht haben, diese Summe einzutreiben. Die als Zeugin geladene Frau konnte sich nicht mehr genau daran erinnern, betätigte aber, dass der Angeklagte auf die im Hosenbund steckende Waffe gezeigt habe. Bei dieser handelte es sich aber lediglich um eine Schreckschusspistole.

In seinem Plädoyer forderte Staatsanwalt Martin Schneider eine unbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten sowie einer Busse von 1500 Franken. Dies unter Anrechnung der bisher in Haft oder in der Therapie verbrachten 393 Tage. Schneider sprach sich für eine Weiterführung der stationären Massnahmen aus, zumal beim Angeklagten laut Gutachten eine erhebliche Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen Zügen vorliege. Die Strafe soll zugunsten der stationären Massnahme aufgeschoben werden.

Der amtliche Verteidiger von Martin P. forderte hingegen eine bedingte Strafe von 18 Monaten sowie die Beendigung des stationären Massnahmenvollzugs und damit die Entlassung seines Mandanten aus der geschlossenen Abteilung der Suchtbehandlung Frankental.

Name von der Redaktion geändert