Ob Mandelgipfel, Nussstange, Pralinés, Konfekt, Marzipan, Schokolade oder Biscuit: Damit diese Süssigkeiten auch wirklich lecker schmecken, dafür sorgt eine mittelgrosse Unternehmung mit 38 Mitarbeitenden im Gäu. Die Patiswiss AG in Gunzgen produziert Halbfabrikate und beliefert damit die Süsswarenhersteller, Konditoreien und Confiserien. «Wir sind die Süssmacher der Nation, unsere Wurzeln reichen bis ins Jahr 1905 – und trotzdem sind wir in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt», sagt CEO Karl Zeller und lacht. Hauptgrund dafür ist, dass Patiswiss ausschliesslich die Verarbeiter beliefert und keine Endkonsumenten – also im sogenannten B2B-Geschäft tätig ist.

1500 Tonnen Halbfabrikate

Patiswiss fertigt Produkte wie Mandelmasse, Marzipane, Pralinémasse und -creme, Granulate, Puder- und Vanillezucker, Krokant oder karamelisierte Kerne. «Jährlich liefern wir rund 1500 Tonnen Halbfabrikate aus», erklärt Zeller weiter. Dieser Bereich steuerte 2015 rund 70 Prozent an den Gesamtumsatz von 16,3 Millionen Franken bei. Weitere 25 Prozent entfallen auf hochqualitative Handelswaren und 5 Prozent auf Rohwaren (Kerne zur Weiterverarbeitung).

Zur wichtigsten Kundengruppe insgesamt hat sich die Industrie entwickelt. «Im vergangenen Geschäftsjahr ist deren Umsatzanteil mit 46 Prozent erstmals höher als jener des Gewerbes mit 38 Prozent», erläutert Zeller. Im letzteren Kundensegment mache sich eine Stagnation der Nachfrage bemerkbar. Der Geschäftsführer erwähnt die laufende Strukturbereinigung, viele kleinere Confiserien und Bäckereien müssen wegen Nachfolgeproblemen schliessen oder würden in grösseren Verkaufsorganisationen aufgehen. Hier hofft Patiswiss, den Umsatz zumindest halten zu können.

Seit 2013 ohne Palmöl

Deshalb habe man sich schon seit längerer Zeit auf die Süsswarenindustrie als Wachstumsmarkt ausgerichtet. Im vergangenen Jahr ziemlich erfolgreich, ist doch dort ein markanter Umsatzsprung um über 12 Prozent gelungen. Zu den Kunden zählen praktisch alle grossen und wichtigen Biscuit-Hersteller wie Wernli, Kambly, Hug oder die Schokoladeindustrie mit Chocolat Halba, Lindt, Barry Callebaut und vermehrt auch exklusive Hersteller wie Sprüngli, Maestrani oder Laederach.

Zum Erfolg im wichtigsten Kundensegment trage die zunehmende Ausrichtung auf Premium-Halbfabrikate und -Handelsware bei. «Wir können Produkte unter den Labeln Bio Suisse, EU-Bio oder Fairtrade liefern», berichtet Zeller. Der Trend hin zu qualitativ hochwertigen Produkten setze sich fort. «Bereits seit 2013 sind alle unsere Halbfabrikate palmölfrei.» Als Alternative verwende man in allen Rezepturen nur noch Sonnenblumen- oder Kokosnuss-Öl und -butter. Damit könne Patiswiss einen Beitrag für die Umwelt und gegen die Zerstörung des Regenwaldes leisten – für die Palmöl-Plantagen werden riesige Flächen des Regenwaldes abgeholzt.

Rohstoffpreise spielen verrückt

Dem Betrieb bereitet der starke Franken Bauchweh. Dies, obwohl der direkte Exportanteil nur bei vier Prozent liegt. «Unsere Kunden sind aber sehr wohl im Ausland aktiv, und das schlägt auf uns durch», betont Zeller. Selbst die wechselkursbedingten günstigeren Importe der Rohstoffe könne das nur teilweise kompensieren.

Denn die wirklich grosse Herausforderung ist für Patiswiss die Entwicklung der Rohstoffpreise. Jährlich importieren die Gäuer 500 Tonnen Haselnüsse aus der Türkei und 400 Tonnen Mandeln aus Kalifornien und Spanien. Der Kilopreis für die Haselnüsse und der Mandeln hat sich innert Kürze nicht zuletzt aus spekulativen Gründen mehr als verdoppelt. Zwar sichere sich Patiswiss über länger laufende Kontrakte ab, aber die Preissprünge könnten nicht voll kompensiert werden. Und eine Überwälzung auf die Verkaufspreise sei 1 zu 1 nicht möglich. Es sei jeweils eine Gratwanderung zwischen der Marge und Erhalt der Marktanteile. Das sei mit ein Grund, warum sich das Betriebsergebnis trotz höherem Umsatz verschlechtert habe. Erfreulicherweise hätten die Rohstoffpreise inzwischen wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Im laufenden Jahr sei man gut unterwegs. «Wir peilen einen Umsatz von über 17 Millionen Franken an und einen höheren Betriebsgewinn.»

Patiswiss will unabhängig bleiben

Patiswiss gilt als einer der führenden Schweizer Hersteller für süsse und gewürzte Halbfabrikate. Diese Stellung wolle man nicht aufgeben und das Ziel bleibe die Unabhängigkeit, versichert Zeller. Dazu sei das Unternehmen stark genug. Es gebe beispielsweise keinen anderen Halbfabrikate-Hersteller mit einem so breiten Sortiment wie Patiswiss. Man fertige über 500 verschiedene Produkte. Zudem sei man in der Lage, nach Rezept kundenspezifische Produkte ab 100 Kilogramm zu produzieren. «Damit heben wir uns ab von den ganz grossen Halbfabrikateherstellern im Süsswarenbereich.»