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Lust aufs Lesen von Büchern vergessener Autoren geweckt

Reto Stampfli und Hans Brunner führten im Forum Schälismühle einen lustvollen Dialog gegen das Vergessen. Sie erinnerten an Solothurner Schriftsteller, deren Werke seit längerer Zeit dem Publikum nicht mehr zugänglich oder vergriffen sind.

Urs Amacher
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Reto Stampfli (links) und Hans Brunner verstanden es glänzend, die vorgestellten Werke kenntnisreich in die Zeit, in welcher sie entstanden, einzubetten.

Reto Stampfli (links) und Hans Brunner verstanden es glänzend, die vorgestellten Werke kenntnisreich in die Zeit, in welcher sie entstanden, einzubetten.

Urs Amacher

Der Verein Freunde der Schälismühle lud zu einem kleinen Literatur-Club ein. Reto Stampfli und Hans Brunner stellten Bücher vor und diskutierten darüber. Reto Stampfli ist Deutschlehrer an der Kanti Solothurn und selber Autor. Hans Brunner wiederum ist pensionierter Bezirkslehrer und Herausgeber der Reihe «Solothurner Klassiker». Die beim Oltner Knapp Verlag erscheinende Reihe mit Solothurner Schriftstellerinnen und Schriftstellern war denn auch der rote Faden, der sich durch den Abend zog.

Heimatliebe und Fernweh

Reto Stampfli eröffnete diesen allerdings mit einem Autor, dessen Werke nicht im Knapp Verlag erschienen sind. Gerhard Meier, der sich als erklärter Provinzler bezeichnete, beschrieb seine nächste Umgebung, den Ausblick auf die Jurahöhen vor seinen Augen. Und wie bei Meier spielen die Romane und Erzählungen der Solothurner Klassiker oft in jener Umgebung, in welcher die Autoren selber leben. Die Heimat im guten Sinn, die Heimatliebe und damit verknüpft das Fernweh sind häufige Themen, wie Stampfli herauskristallisierte.

Viele der Autorinnen und Autoren sind parallel dazu auch in der Zeit verortet, ich der sie leben. Sie schreiben über selbst Erlebtes. So schildert etwa Otto Walter, der Gründer des einst renommierten Walter Verlags in Olten, wie er zum ersten Mal ein Flugzeug am Himmel zu sehen bekommt, und schliesslich erfährt, dass es Oskar Bider war, der über den Jurahöhen kreist. Oder der Arzt und Poet Jakob Hofstätter, der auf Wanderungen durchs Wasseramt und den Bucheggberg die Anregungen für seine Gedichte und Erzählungen holte. Jakob Amiet wiederum schöpfte seinen Themen aus der Geschichte, er mokierte sich über die Solothurner Aristokraten und ihre barocke Zopfarchitektur; seine Überlegung, dass der Solothurner Stadtpatron Ursus ursprünglich ein Thebäer und damit ein Ausländer war, ist immer noch aktuell. Zeitlicher Hintergrund bildet oft das 19. Jahrhundert mit dem Kulturkampf, den Konflikten zwischen Liberalen, Radikalen und Konservativen.

Wenig schreibende Frauen

Hans Brunner verstand es glänzend, die vorgestellten Werke kenntnisreich in die Zeit, in welcher sie entstanden, einzubetten. Er wurde gleichwertig unterstützt von Reto Stampfi. Aus ihrem Dialog entstand ein anregender Abend, der Lust aufs Lesen der Bücher der vergessenen Autoren macht.

Die schreibenden Frauen sind in der Minderheit, was, wie häufig, zu erklären ist mit der Zeitbedingtheit. Eine Autorin lehnt es aber besonders, dem Vergessen entrissen zu werden. Die Bedeutung von Clara Büttiker kann nicht genügend unterstrichen werden. Sie war 1911 die Gründerin des «Schweizerischen Frauenkalenders», für den ausschliesslich weibliche Autorinnen Beiträge verfassten. Damit war sie eine Vorkämpferin für das Frauenstimmrecht in der Schweiz, dessen Einführung 1971 sie aber knapp nicht mehr erlebte. Clara Büttiker wurde 1886 in Olten geboren, ihr Vater war der Stadtschreiber Eduard Büttiker. Zum Schreiben angeregt wurde sie in einem Welschland – wie übrigens auch der Kestenholzer Gotthelf Josef Joachim. Während eines Kuraufenthalts in Davos lernte sie ihre Lebenspartnerin Emma Laub kennen, mit welcher sie lange Jahre eine Papeterie und Buchhandlung in Davos führte. Im Laufe der Jahrzehnte schrieb sie unzählige Kurzgeschichte Gedichte für Tageszeitungen und Zeitschriften. Sie verstarb 1947, zwei Jahre nach ihrer Rückkehr nach Olten. Es wäre gerechtfertigt, eine Strasse in Olten nach ihr zu benennen. Vor allem aber verdient sie es, wiedergelesen zu werden.

Die auf 40 Bände angelegte Reihe der Solothurner Klassiker erscheint beim Knapp Verlag Olten. www.knapp-verlag.ch