Matzendorf
Lösung für Bergschulhaus Brunnersberg liegt in Griffnähe

Beim Kanton, Besitzer des ehemaligen Schulhauses auf dem Grossbrunnersberg, liegt ein langfristiger Mietvertrag zur Unterschrift bereit. Der Vertragspartner ist noch nicht bekannt - ebenso wenig ein Nutzungskonzept.

Johannes Denkinger
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Noch sind die Fensterläden des ehemaligen Schulhauses auf dem Grossbrunnersberg verschlossen. Das könnte sich bald ändern.

Noch sind die Fensterläden des ehemaligen Schulhauses auf dem Grossbrunnersberg verschlossen. Das könnte sich bald ändern.

Alois Winiger

Seit einem Jahr stehen das Haus der ehemaligen Bergschule Brunnersberg sowie der dazugehörende Pavillon unbenutzt da. Die Kinder vom Berg werden seither zur Primarschule in Laupersdorf transportiert. Man hätte also davon ausgehen können, dass sich der Verein Freundeskreis Bergschule Brunnersberg seiner Aufgabe entbunden sieht und sich auflöst. Doch der Verein will trotz allem aktiv bleiben, man schulde dies dem Berg und seiner Lebensgemeinschaft, begründete Vereinspräsident Josef C. Haefely die Haltung an der Jahresversammlung (siehe Box am Textende).

An der Versammlung wurde darauf hingewiesen, dass die Zukunft des total sanierten Bergschulhauses noch immer ungeklärt sei. Das Haus gehört dem Kanton Solothurn, steht auf Gemeindegebiet von Matzendorf, die Postadresse lautet Mümliswil.

Begrenzte Möglichkeiten

Auf eine entsprechende Anfrage hin im August letzten Jahres hiess es beim Kanton, man hoffe, bis Ende 2014 eine Lösung präsentieren zu können. Doch die Suche danach war nicht ganz einfach, wie sich bei erneuter Nachfrage herausstellte, sind doch Nutzungsmöglichkeiten begrenzt. Das Haus und der Pavillon stehen auf einem knapp 16 Aren grossen, steil abfallenden Grundstück, für Aussenaktivitäten eignet sich der Umschwung nur bedingt. Ferner befindet sich die Parzelle ausserhalb der Bauzone, dafür in der kommunalen Landschaftsschutzzone, und über allem schwebt noch die Juraschutzzone.

Doch nun liegt eine Lösung in Griffnähe. «Der Abschluss eines längerfristigen Mietvertrags steht vor dem Abschluss, er wird demnächst dem Regierungsrat zur Genehmigung vorgelegt», berichtet Guido Keune, stellvertretender Kantonsbaumeister. Vertragspartnerin sei eine «kantonal solothurnische Institution», deren Name werde erst bekannt gegeben, wenn alle Unterschriften vorhanden sind. Auch bezüglich eines Nutzungskonzepts macht Guido Keune keine näheren Angaben, ausser, dass sich die Institution ein Vorkaufsrecht sichern wolle und im Sinne habe, das Haus sowohl für eigene Zwecke zu nutzen, es aber auch für andere Nutzniesser zur Verfügung zu stellen.

Bedarf an Unterkünften wäre da

Interessiert an einer Nutzung könnte zum Beispiel der Naturpark Thal sein, da ein Bedarf an Unterkünften auf der zweiten Jurakette da ist; das bestätigt die Kommunikationsverantwortliche Sandra von Ballmoos. «Wir haben das Haus aber jetzt nicht speziell im Fokus. Sollte sich etwas ergeben, kommen wir gerne darauf zurück.»

«Etwas ergeben» müsste sich wohl bezüglich Infrastruktur. Das Haus ist zwar in gutem, teilweise laut Baubeschrieb in sehr gutem Zustand und wintertauglich isoliert, der Kanton hat es in den Jahren 2008 bis 2014 für mehr als 600 000 Franken sanieren lassen. Doch um es touristisch nutzen zu können, bedarf die Infrastruktur einer Aufwertung, insbesondere Küche, Duschen und Toiletten.

Der Verkehrswert des Hauses wird mit 656 600 Franken angegeben. Es wurde unter anderem auch der Standortgemeinde Matzendorf zum Kauf angeboten. «Wir sehen echt keine Möglichkeit, weder vom Geld, noch von der Nutzung her», berichtet Gemeindepräsident Marcel Allemann. Zudem: «Mit dem Kauf wäre es ja noch nicht getan. Wenn es so läuft, wie der Kanton es ankündigt, soll es uns recht sein.»

Warum der Verein auch ohne Schule weitermachen will

Teilweise von weit her waren die Teilnehmer zur Jahresversammlung des Vereins Freundeskreis Bergschule Brunnersberg im Restaurant Alpenblick, Brunnersberg, gekommen. Als die Schliessung der Bergschule feststand, wurde im Freundeskreis die Frage nach der Existenzberechtigung für den Verein diskutiert. Eine Weiterführung schulde man dem Berg und seiner Lebensgemeinschaft. In diesem Sinne begrüsste Vereinspräsident Josef C. Haefely die Mitglieder. Um den Zusammenhalt der ehemaligen Bergschüler zu stärken, unterstützt der Verein eine gemeinsame Skiferienwoche der Bergfamilien im kommenden Winter. Haefely erinnerte daran, dass die Schliessung der Bergschule damit begründet worden war, dieses Schulmodell könne heutigen Anforderungen nicht mehr genügen. Dass eine kleine Gesamtschule heutzutage gute Arbeit leiste, zeigte das Referat von Beatrice Friedli Deuter, Leiterin der integrativen Gesamtschule Schüpberg BE sowie Dozentin der Pädagogischen Hochschule Bern. Das kleine Bergschulhaus ist Teil der Schule Schüpfen und wird im Schnitt von 14 Kindern besucht. Diese Schule habe überlebt, weil sie in Kooperation mit Fachstellen und Behörden gezielt Kinder mit besonderen Ansprüchen integrieren könne. Im Schnitt besuchen etwa 14 Kinder vom ersten bis zum neunten Schuljahr die Schule. Das Schulhaus Schüpberg wird selbstständig instand gehalten, am Freitag ist jeweils Putztag. Vielen von Friedlis Zuhörern, unter ihnen ehemalige Bergschüler, waren solche Gedanken bestens vertraut. Schliesslich stellte man fest, dass mit der Schliessung der Bergschule Brunnersberg einmal mehr eine Nische für individuelles Lernen in Gemeinschaft verschwunden sei. Dass die Behörden den Wert der kleinen Gesamtschule verkannten, sei ein Trugschluss mit nicht absehbaren Folgen für die Bergregion Brunnersberg. Auch die Zukunft des totalsanierten Bergschulhauses in Kantonseigentum sei ungeklärt. (jdo)

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