Wie ein Gürtel wälzen sich die Logistikzentren durchs Gäu. Die Gunst des Standortes hat sich in einem rasanten Wirtschaftswachstum ergossen, das in der Landschaft Spuren hinterliess. Mitten im Mittelland. Direkt an den grössten Verkehrsachsen der Schweiz. Lastwagen sind auf den Gäuer Hauptstrassen allgegenwärtig wie sonst nirgendwo in der Schweiz. Den wirtschaftlichen Aufschwung spüren auch die Gemeinden durch ein starkes Bevölkerungswachstum.

Eine Trendwende zeichnet sich nicht ab. Der 6-Spurausbau ist eine nächste Etappe, die das Gäu als Logistikzentrum der Schweiz konsolidieren würde. Der Kreis droht sich endlos weiter zu drehen und der Druck auf das Kulturland bleibt trotz revidiertem Raumplanungsgesetz gross. Die Bauern erinnerten erst vergangene Woche mit Mahnfeuern an die für sie bedrohliche Entwicklung. Ist der Logistikriese, der das Gäu in den letzten Jahren einnahm, überhaupt noch zu stoppen?

Über den eigenen Tellerrand hinaus planen

«Sind wir ehrlich. Wir hätten schon viel früher zur Einsicht kommen müssen, dass wir über den eigenen Tellerrand hinaus planen müssen», sagt Egerkingens Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. Fünf Gäuer Gemeinden versuchen über eine interkommunale Zusammenarbeit, die künftige Entwicklung besser zu kontrollieren. Egerkingen, Härkingen, Neuendorf, Niederbuchsiten und Oberbuchsiten möchten dies mit einer gemeinsamen Industriezone bewerkstelligen. Regionale Arbeitsplatzzone (RAZ) nennt sich dies in der Raumplanung relativ neue Planungsinstrument.

Die beteiligten Gemeinden wollen die Entwicklung auf zwei Zonen und einer Fläche von rund 50 Hektaren im Gebiet des Autobahnkreuzes Härkingen konzentrieren. Was 2007 im Rahmen des Agglomerationsprogramms Aareland begann, dann aber ins Stocken geriet, könnte nun neuen Schwung erfahren.

Dies zumindest hofft Johanna Bartholdi. «Ihre» Gemeinde Egerkingen hat den Logistikschub besonders stark zu spüren bekommen. Wegen der Revision des Kantonalen Richtplans und dem Widerstand innerhalb der Bevölkerung ruhte das Projekt ab 2014. In Härkingen etwa, schickte der Souverän das räumliche Leitbild der Gemeinde an die Urne. Bürgerinnen und Bürger befürchteten einen Autonomieverlust durch die regionale Planung. «In diesem Frühjahr haben sich alle Gemeinden zum Projekt bekannt», sagt Bartholdi. Sie will die RAZ Gäu vorantreiben. «Wenn wir das zum Fliegen bringen, wäre es schweizweit ein Vorzeigeprojekt.»

Logistiker und Einkaufszentren ausgeschlossen

In den vorgesehenen regionalen Arbeitsplatzzonen sollen künftig keine flächenintensive und verkehrsbelastende Logistikunternehmen mehr unterkommen, sagt Bartholdi. Auch Einkaufszentren oder etwa Freizeitpärke werden im Konzept ausgeschlossen.

In einem ersten Schritt will der Regierungsrat, dass die fünf Gemeinden ein Konzept zur Arbeitsplatzzonenbewirtschaftung erstellen. So soll sich weisen, wo es in wenig verdichteten Industriegebieten noch Raum gäbe. Erst wenn dies ausgeschöpft sei, würden die neue Zone genutzt. Über eine gemeinsam gebildete Aktiengesellschaft wollen die Gäuer Gemeinden die Arbeitszone organisieren. «Die AG vermarktet die freien Flächen und wählt Unternehmen aus, die kantonal von Belang sind», erklärt Bartholdi. «Wir wollen nicht Kreti und Pleti.»

Denkbar wäre auch, dass die Aktiengesellschaft die Bauzonen kauft und im Baurecht abgibt. In ihren räumlichen Leitbildern haben die fünf Gäuer Gemeinden die Arbeitsplatzzone einfliessen lassen. «Wir sind bestrebt, zukünftige Industrieansiedlungen ausserhalb der bereits bestehenden Industriezone nach Möglichkeit kurz- bis langfristig regional zu koordinieren», heisst es etwa in den Leitbildern von Niederbuchsiten und Oberbuchsiten.

Am weitesten fortgeschritten ist Egerkingen, das die Ortsplanungsrevision bereits abgeschlossen hat und dabei eine Reservezone für die RAZ Gäu ausschied. «Wenn eine Gemeinde nicht mitmacht, ist das Projekt gestorben», sagt Bartholdi.

Relevant ist das Gebiet von Wangen bis Oensingen

Das Amt für Raumplanung verlangt, dass alle Gäuer Gemeinden, von Wangen bei Olten bis Oensingen, bei einer Inventarisierung der Arbeitszonenbewirtschaftung mitmachen. So könnte eruiert werden, in welchen Gemeinden Möglichkeiten für Ansiedlungen vorhanden sind. Erst dann sollten Neuansiedlungen im Gebiet des RAZ möglich sein. «Die RAZ-Gemeinden würden dann ebenfalls insofern profitieren, als dass sie Kenntnisse über Neuanfragen in anderen Gemeinden bekämen», sagt Bartholdi.

Im Frühjahr haben die RAZ-Gemeinden die dritte Phase eingeläutet. Ziel dieser ist es, die erste Etappe einzuzonen und die ersten politischen Entscheidungsprozesse zu führen. Mitte September werden weitere Beschlüsse gefasst. Frühestens bis 2025 wird eine erste Etappe entstehen.