Die Migros sei nicht nur schnell bei der Belieferung ihrer Läden mit Frischprodukten, sondern auch, wenn es um bauliche Aspekte gehe, meinte Regierungsrat Roland bei der am Freitag in Neuendorf vollzogenen Einweihung des Logistikcentrums Ost der Migros Verteilbetriebe Neuendorf AG (MVN).

So sei diese imposante Halle schon fast fertig erstellt gewesen, als die Baubewilligung des Kantons eingetroffen sei. «Und wir sind doch auch schnell, wie das Beispiel der Ansiedlung von Biogen in Luterbach gezeigt hat, sagte Fürst zur versammelten Gästeschar aus Politik und Wirtschaft sowie Vertretern de Kantons und Angehörigen des Migros Genossenschaftbundes.

Schonender Umgang mit dem Land

In Neuendorf sei es wegen der fehlenden Rodungsbewilligung zu Verzögerungen gekommen, verriet der Regierungsrat. Er habe seinen Kopf aber aus der Schlinge ziehen können, indem der Kanton der Gemeinde die Bewilligung erteilt habe, die beantrage Planung für das Projekt schon vor dem Vorliegen der regierungsrätlichen Genehmigung in Angriff zu nehmen.

Allerdings sei das eine Ausnahme gewesen, die bestimmt nicht zum Standard werde. Für dieses Projekt sei dies aber angemessen gewesen.

Fürst verwies auf die ressourcenschonende Bauweise der Migros, welche das neue Logistik Center Ost nicht einfach auf die grüne Wiese gestellt habe. So sei der Neubau an jener Stelle entstanden, wo vorher ein altes Tiefkühllager gestanden habe.

Zudem seien zwei der insgesamt fünf Geschosse 10 Meter unter dem Terrain einbaut worden. «Deshalb ist das Logistik Center Ost ein Vorzeigeprojekt mit Vorbildcharakter und die Migros ein Unternehmen, das Pioniergeist zeigt», meinte Fürst anerkennend.

Die erwähnte Bauweise in den Boden bescherte der Migros aber auch viel Kritik, wie MVN-Geschäftsführer Hans Kuhn im Rückblick auf den Bau der 145 Meter langen, 98 Meter breiten und 30 Meter hohen Halle erwähnte.

In die Schlagzeilen geriet die Migros mit dem Projekt Anfang Februar 2014 während der Aushubarbeiten, welche Ende November 2013 aufgenommen worden waren.

Beim Abtransport der 225 000 Kubikmeter Aushubmaterial hinterliessen die im Minutentakt verkehrenden Lastwagen fette Dreckspuren auf den Gäuer Strassen, worauf es Reklamationen hagelte.

Dazu gekommen war es, weil damals statt der im Februar erwarteten Minustemperaturen lediglich nasskaltes Wetter herrschte. Die Baustelle versank in der Folge im Morast. Dank dem Einsatz unzähliger Reinigungsmaschinen und dem Verständnis der Behörden, habe man die Situation aber schon bald wieder im Griff gehabt.

20 Aussenlager aufgelöst

Im seit Oktober vollumfänglich in Betrieb stehenden Logistik Center Ost mit einem nutzbaren Lagervolumen von 46 00 Kubikmetern werden Non-Food- und Fachmarkt Artikel gelagert. Mit der Inbetriebnahme konnten 18 der insgesamt 20 Aussenlager aufgelöst werden.

Daraus resultieren jährliche Kosteneinsparungen von 6 bis 8 Mio. Franken, wie Kuhn erwähnte. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf insgesamt 67,4 Mio. Franken. Von der Bausumme entfallen 77 Prozent auf Gäuer Unternehmen, 6 Prozent auf solche im Kanton Solothurn sowie 17 Prozent auf ausserkantonale Firmen.

Für Neuendorfs Gemeindepräsident Rolf Kissling ist die Vergabepolitik Grund genug, um die erwähnte «Schlammschlacht» auf dem Gäuer Strassen vergessen zu machen. «Darüber werden wir noch in Jahren reden und uns amüsieren, meinte Kissling mit einem Augenzwinkern.

Ein Bekenntnis zum Kanton

Auch Andreas Münch, Verwaltungsratspräsident der MVN und Mitglied der Generaldirektion Migros Genossenschaftsbund, nahm dieses Thema bei seinen Ausführungen auf. Dank dem guten Verhältnis zwischen der MVN und den lokalen Behörden, habe dieses Problem im wahrsten Sinn des Wortes auch politisch bereinigt werden können.

Der MVN-Verwaltungsratspräsident brachte ferner zum Ausdruck, dass das jüngste Bauwerk ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Migros in Neuendorf sei. «Wir glauben an den Standort und freuen uns, den Weg in die Zukunft zusammen mit den lokalen Behörden in Angriff zu nehmen.

Auch wenn diese andere Interessen vertreten, schaffen wir es immer wieder, einen Konsens zu finden.»