Die Lilith darf stolz sein. Sie ist in den zwanzig Jahren ihres Bestehens zu einer festen, nicht mehr wegzudenkenden Institution herangewachsen. Dies hielt Margot Stüdeli, die Präsidentin des Trägervereins, bei der Eröffnung des Jubiläumsanlasses im Werkgebäude der Schälismühle fest.

Sie stellte ihre Begrüssungsrede unter das Motto «Wissen, was zu tun ist» und sprach damit die Kompetenzen von Lilith an. Wissen, was zu tun ist, damit Frauen mit und ohne Kinder, die in die Suchtabhängigkeit geraten sind, den Weg wieder in ein selbstständiges Leben finden, um für sich und ihre Kinder zu sorgen. Auch wissen, was zu tun ist, damit Frauen mit psychischen Problemen wieder Halt und Struktur finden.

Ziele mit viel Herzblut verfolgt

Peter Gomm, Vorsteher des Departements des Innern und damit Chef des Amts für soziale Sicherheit, überbrachte die Grüsse und Glückwünsche der Solothurner Kantonsregierung. In seiner Laudation benannte er das Erfolgsrezept von Lilith: Das Zwei-Generationen-Modell ist der Schlüssel zum Erfolg. Lilith bietet betreutes Wohnen und Therapie für Frauen, alleinerziehende Mütter mit Kindern oder Familien an. Zudem ist Lilith auch eine Tagesstätte für IV-berechtigte Frauen. Das Oberbuchsiter Haus ist von der Interkantonalen Vereinbarung für soziale Einrichtungen anerkannt und kann in den Leistungsbereichen A (Kinder und Jugendliche), B (Behinderung) und C (Einrichtung im Suchtbereich) abrechnen, fasste der Präsident der Sozialdirektorenkonferenz zusammen.

Gomm warf auch einen Blick zurück in die Anfänge. Ein Trägerverein Loreto wurde 1982 gegründet. 1992 wurde der Zürcher Platzspitz und 1995 Letten geschlossen. Nach einer Aufbauphase zwischen 1993 bis 1995 startete das frauenspezifische Projekt 1996. Lilith bot damals acht Frauen und vier Kindern Unterkunft. Seit dem Bezug des Neubaus 2012 stehen 21 Plätze für Frauen und 12 Plätze für Kinder zur Verfügung. Peter Gomm lobte besonders das Engagement der Geschäftsleiterin Lis Misteli als treibende Kraft, die als Pionierin ihre Ziele hartnäckig, aber immer mit einer Prise Charme und viel Herzblut verfolgte.

Zeit-, Kampf- und Familiengeist

Stephanie Hartung, Geschäftsleiterin von Lilith seit 2015, machte eine grosse Verneigung vor dem Geleisteten. Ihre mit Plakaten untermalte Jubiläumsansprache baute sie um das Wort «Geist» auf. Vor allem in den Anfängen sei Kampfgeist gefordert gewesen, um die Herausforderungen erfolgreich zu meistern. Die dem damaligen Zeitgeist geschuldeten Strukturen seien inzwischen durch professionelle abgelöst worden. Zentral sei nach wie vor der Familiengeist der Lilith, der durch Wärme, Herzlichkeit, Geborgenheit, Schutz und Freiraum geprägt sei.

Hartung würdigte auch die Zusammenarbeit mit sämtlichen Beteiligten und bedankte sich bei ihnen. Die als Gastreferentin eingeladene Petra Baumberger, Geschäftsleiterin des Fachverbandes Sucht, machte eine Tour d’Horizon durch die aktuellen Entwicklungen bei der Suchthilfe. Sie vertrat die Meinung, dass eine Verbotspolitik nichts bringe, aber Gesundheitsschäden und Kriminalität Vorschub leiste.

Freude beim Trommeln

Dass bei allem der Humor nicht zu kurz kommt, zeigte auch die Zürcher Theatergruppe «Schrägi Vögel», die Szenen aus ihrem Alltag spielte. Umrahmt wurde der Jubiläumsanlass von der hauseigenen Trommelgruppe. Die dreizehn Lilith-Frauen sorgten mit ihren Handtrommeln und Pauken für heisse Rhythmen, die sie auch bei einzelnen Stücken mit afrikanischem Gesang ausschmückten.