Herbetswil
Letzte Hürde für den Wärmeverbund

Am Mittwoch wird über die Finanzierung des vom Gemeinderat lancierten Projekts entschieden.

Rebekka Balzarini
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Die bereits bestehende Infrastruktur neben den Schulhäusern soll erweitert werden.

Die bereits bestehende Infrastruktur neben den Schulhäusern soll erweitert werden.

Bruno Kissling

In Herbetswil sollen ab Mai die Bagger auffahren. Dann soll der Bau des Wärmeverbundes beginnen, der seit rund drei Jahren in Planung ist. Damals flatterte ein Schreiben des Kantons ins Gemeindehaus in Herbetswil. Wegen des hohen Schadstoffausstosses der Heizung müsse diese erneuert werden, so die Aufforderung. «Uns war damals schnell klar, dass ein Wärmeverbund die sinnvollste Lösung ist für die Gemeinde», erinnert sich Stefan Müller-Altermatt, der Gemeindepräsident von Herbetswil.

Erweiterung bringt Vorteile

Denn in der Gemeinde Herbetswil existiert bereits ein kleiner Wärmeverbund zwischen den Schulhäusern und dem Gemeindehaus. Damit ist bereits die notwendige Infrastruktur in Form von Holzschnitzellager, Heizungsraum, Förderband zum Transport der Holzschnitzel etc. bereit.

Ein Wärmeverbund bringt der Gemeinde Herbetswil viele Vorteile, ist Stefan Müller-Altermatt überzeugt. «Der Wärmeverbund ist eine umweltfreundliche Lösung: Die Energie wird aus Holzschnitzeln aus dem Thal gewonnen. Damit tragen wir der Regionalität und der erneuerbaren Energiegewinnung gleichzeitig Rechnung». Ziel ist, dass die Heizung im nächsten Winter in Betrieb genommen werden kann.

Finanzierung war lange unklar

Jetzt muss noch die letzte Hürde genommen werden: An der Gemeindeversammlung von morgen Mittwoch muss die Bevölkerung der geplanten Finanzierung zustimmen. Man sei von Seite der Gemeinde aus aber optimistisch, dass dieses Ziel erreicht werden kann. «Ich gehe nicht davon aus, dass es von Seiten der Bevölkerung Widerstand gibt gegen den Wärmeverbund», so Müller-Altermatt.

Die Gemeinde habe von Anfang an versucht, das Projekt so transparent wie möglich zu planen. Der Wärmeverbund sei auch auf Interesse gestossen, rund 30 Haushalte hätten sich bereits für eine Mitgliedschaft im Wärmeverbund angemeldet. Die Finanzierung für den Wärmeverbund, über welche die Gemeindeversammlung entscheidet, war lange der Stolperstein für das Projekt.

Zwar konnten die Kosten für den Wärmeverbund etwas geringer budgetiert werden als angenommen, weil die meisten Leitungen ausserhalb der Strassen verlegt werden können. Damit sinken die Baukosten. Trotzdem blieben der Gemeinde noch rund 500 000 Franken, die die Realisierung des Wärmeverbunds kostet. Viel Geld für die Gemeinde, die kein grosses finanzielles Polster hat.

Allerdings müsste die Gemeinde etwa gleich viel Geld in die Hand nehmen, wenn sie die bereits bestehende Heizung sanieren müsste. Ursprünglich hatte Herbetswil geplant, den Wärmeverbund als Spezialfinanzierung in der Gemeinderechnung zu führen. In diesem Fall hätte die Gemeinde aber sämtliche Investitionen und Fremdkapitalbeschaffungen selber tätigen müssen. Damit wäre die Verschuldung der Gemeinde über das gesetzlich erlaubte Mass gestiegen.

Genossenschaft als Lösung

Statt beim Kanton um eine Ausnahmegenehmigung für eine höhere Verschuldung zu bitten, hat der Gemeinderat sich eine andere Lösung überlegt: Die Gemeinde soll bei der Wärmeverbundgenossenschaft Anteilscheine in der Höhe von 500 000 Franken erwerben.

Dafür hat der Rat eine Genossenschaft gegründet, der er auch gleich selber vorsteht. Das sei aus Sicht des Gemeinderates die beste Lösung, so Müller Altermatt. Es gibt aber auch einen Notfallplan, falls der Vorschlag des Gemeinderates an der Gemeindeversammlung abgelehnt wird: «Dann würden wir wohl einen Investor suchen, der den Wärmeverbund privat baut und finanziert. Die Gemeinde würde die Wärme dann kaufen».

Ideal wäre das nicht, denn diese Lösung würde die Gemeinde wesentlich mehr kosten, sagt der Gemeindepräsident. Das will der Gemeinderat mit Blick auf die Finanzen verhindern.

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