«An einer Angelschnur hängen ein Korken und darunter am Haken ein Köder. Der Wurm hängt aber zu wenig tief im Wasser. Wie muss ich den Korken verschieben, damit der Köder tiefer hängt?», lautet die Aufgabe. «Einfach, oder?», fragt Robert Brunner. «Ja», antwortet Felipe Meister. «Nach oben natürlich.»

Felipe ist 15 Jahre alt und besucht die 2. Stufe der Sek E in Balsthal. Er geht gerne in die Schule, nur mit dem Fach Mathematik hat er Mühe. «Teilweise braucht er halt ein wenig länger als andere», meint sein Vater Peter Meister. «In einer grossen Klasse ist es schwierig, mit den Schnelleren mitzuhalten.»

Deshalb setzt sich Felipe seit einem Jahr ein Mal wöchentlich mit Brunner zusammen, um die Aufgaben in Ruhe durchzugehen und um Gesetzmässigkeiten verstehen zu können. Brunner ist pensionierter Kantilehrer und wurde der Familie durch den Verein Aaregäuer mit Sitz in Wolfwil vermittelt. «Eigentlich war ich früher Zeichnungslehrer», erzählt Brunner und lacht. «Aber das logische Denken war schon immer ein Hobby von mir.»

Schnell Verbesserung bemerkt

Und um logisches Denken geht es denn auch in der Aufgabe mit dem Angelköder. Technisches Vorstellungsvermögen, Kopfrechnen, Grafiken und Tabellen sowie Raum und Formen muss Felipe auf dem siebenseitigen Aufgabenbogen lösen. Brunner erklärt geduldig, der 15-Jährige hört aufmerksam zu. «Am Anfang fand ich das schon etwas mühsam», gibt Felipe zu. «Aber ich habe auch schnell gemerkt, dass ich von dieser Stunde sehr profitieren kann.»

Dank der Nachhilfe könne er Zusammenhänge besser verstehen, die Grundsätze der Mathematik einfacher anwenden und zudem seien seine Noten besser geworden. «Wir wurden von einem grossen Druck befreit», sagt auch Vater Peter. Er sei im Internet auf den Verein aufmerksam geworden und mit deren Leistungen seither mehr als zufrieden. «Es war eine gute Entscheidung, die Nachhilfe so anzugehen.»

Der Verein Aaregäuer besteht seit dem Jahr 1997, damals noch unter dem Namen «AareGäuer Spieltag» und noch nicht ausgelegt auf Nachhilfe, wie auf der Internetseite beschrieben wird. Im Jahr 2011, nach einer kreativen Auszeit und Neuorientierung, vermittelte der Verein unter der Leitung von Silvia Stettler erstmals Nachhilfelehrer.

Dieses Angebot entwickelte sich daraufhin so gut, dass für andere Vereinstätigkeiten kaum noch Zeit blieb, weshalb der Verein seit einem Jahr ein Portal für Nachhilfe und Förderunterricht betreibe und so die schulische Weiterentwicklung von Kindern und Jugendlichen fördere.

Grösserer Leistungsdruck

Einer dieser Jugendlichen ist eben Felipe. Angestrengt beugt er sich über das Aufgabenblatt, die Zahnrädchen in seinem Kopf drehen sich. «Er ist ein aktiver und williger Schüler», bemerkt Brunner. «Das Schöne ist, dass er lernen will.» In der heutigen Zeit sei das wichtig, denn viele Schüler hätten Probleme, in der Schule mitzuhalten.

«Der Leistungsdruck wird immer grösser und es wird immer mehr Stoff in immer kürzerer Zeit durchgenommen», erklärt der Nachhilfelehrer. «Ausserdem haben etwa 80 Prozent aller Schüler, die Nachhilfe benötigen, Probleme mit Mathematik.» Das Fach habe wenig Praxisbezug, das erschwere die Verständlichkeit.

Für die schwierigeren Aufgaben darf Felipe den Taschenrechner benutzen. «Eignungstest» steht auf dem Blatt. Wofür denn? «Für Automechatroniker», sagt Felipe schnell. Das sei nämlich sein Traumberuf. «Und dafür brauche ich eben Mathematik», erklärt Felipe und lacht.