Amtsgericht
Lenkerin missachtet das Vortrittsrecht und verursacht Kollision

Eine 50-jährige Frau baute nach Missachtung des Vortritts in Oberbuchsiten einen Unfall. Sie übersah ein herannahendes Auto und fuhr diesem frontal in die Seitentüre. Das Gericht bezieht sich für das Urteil auf die Beurteilung der MKF.

Erwin von Arb
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Auf dieser Kreuzung kam es am 13. August 2014 zur Kollision.

Auf dieser Kreuzung kam es am 13. August 2014 zur Kollision.

Erwin von Arb

«Ich ging damals davon aus, dass das Auto an der Kreuzung bei der Einmündung stehen bleiben wird. Deshalb, und weil dieses Fahrzeug klar keinen Vortritt hatte, war ich völlig überrascht, dass es trotzdem zu einer seitlich frontalen Kollision kam», erklärte die als Zeugin auftretende junge Frau Amtsgerichtsstatthalterin Barbara Steiner vom Amtsgericht Thal-Gäu.

Ereignet hatte sich der Unfall am 13. August 2014, kurz nach 7 Uhr morgens an der Kreuzung Zünackerstrasse-Jurastrasse in Oberbuchsiten. Sie habe sich auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle befunden, sagte die im Dorf wohnhafte Frau weiter aus.

Ob das von einer 50-jährigen Frau gelenkte Auto an besagter Kreuzung tatsächlich angehalten hat, konnte das etwa 28 Jahre alte Unfallopfer nicht mehr sagen. 13 Monate nach dem Ereignis könne sie sich nicht mehr an Details erinnern, meinte sie auf Nachfrage des Verteidigers der Unfallverursacherin.

Herannahendes Auto übersehen

Für die Staatsanwaltschaft steht hingegen fest, dass die ebenfalls in Oberbuchsiten wohnhafte Angeklagte nicht vollständig angehalten hat. Eigenen Aussagen zufolge sei sie nach einem Blick nach links und rechts mit etwa 15 km/h auf die Kreuzung hinausgefahren. Das von rechts mit etwa 30 km/h herannahende Auto habe sie übersehen.

Die Angeklagte habe nicht nur massiv unaufmerksam gehandelt, sondern mit der Missachtung des Vortrittsrechts auch eine elementare Verkehrsregel in grober Weise verletzt. Von grober Fahrlässigkeit könne zudem gesprochen werden, weil die Angeklagte über längere Zeit unaufmerksam gewesen sei.

Die Frau musste sich vor Gericht denn auch wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln durch Missachtung des Vortrittsrechts durch Mangel an Aufmerksamkeit verantworten.

Die vom Ehemann und ihrer erwachsenen Tochter begleitete Angeklagte beteuerte auf Nachfrage von Amtsgerichtsstatthalterin Barbara Steiner, dass sie entgegen der Darstellung der Staatsanwaltschaft vor der Kreuzung angehalten habe.

Warum sie das herannahende Auto nicht gesehen habe und diesem frontal in die Türe gefahren sei, könne sie sich nicht erklären. Sie habe an diesem Morgen ihre Tochter zum Bahnhof gebracht und sich auf dem Heimweg befunden.

Airbags würden nicht ausgelöst

Der Anwalt der Angeklagten bestritt die von der Staatsanwaltschaft ins Feld geführte grobe Fahrlässigkeit und Rücksichtslosigkeit, mit der seine Mandantin gehandelt haben soll. Sie habe das Auto einfach nicht gesehen. Das könne jedem passieren, so der Anwalt.

Zudem habe seine Mandantin selbst die Polizei angerufen, nachdem sie sich vergewissert habe, dass der Frau im anderen Fahrzeug nichts passiert sei.

Dass bei der Kollision nicht einmal die Airbags ausgelöst wurden, sei ein Indiz dafür, dass dieser Unfall nicht geeignet sei, um von einer groben Verletzung der Verkehrsregeln zu sprechen. Entsprechend gering sei die Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer gewesen.

Zu diesem Schluss sei auch die Administrationsbehörde der Motofahrzeugkontrolle des Kantons Solothurn gekommen. Diese gehe von einer leichten Widerhandlung aus und habe auf einen Entzug des Fahrausweises verzichtet und lediglich eine Verwahrung ausgesprochen.

Deshalb sei es angezeigt, seine Mandantin vom Vorwurf der groben Verletzung der Verkehrsregeln freizusprechen und sie stattdessen wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln schuldig zu sprechen und zu einer Busse von 300 Franken zu verurteilen.

Nur kurzzeitig unaufmerksam

Das Gericht folgte nach kurzer Beratung diesem Antrag, sprach aber eine Busse in der Höhe von 500 Franken oder ersatzweise fünf Tage Haft aus.

Für eine Verurteilung wegen einfacher Verkehrsregelverletzung habe gesprochen, dass die Beschuldigte nur für einen kurzen Moment unaufmerksam gewesen sei, argumentierte das Gericht.

Der Angeklagten wurden zudem die Verfahrenskosten in Betrag von 725 Franken auferlegt.

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