Man hatte schon davon gesprochen, dass die Transportwasserleitung im nördlichen Teil des Sternenwegs in schlechtem Zustand sei. Jetzt haben Fachleute sogar herausgefunden, dass sie in geradezu «verheerendem Zustand» sei. Von der ursprünglichen Wandstärke von acht bis zehn Millimetern seien teilweise zwei Drittel durchgerostet. Das Risiko, dass die Leitung bersten könnte und die tieferliegenden Räume der angrenzenden Liegenschaften und Baustellen durch ausfliessendes Wasser geflutet werden könnten, will der Gemeinderat nicht eingehen. Zu frisch ist die Erinnerung an die beträchtlichen Schäden, die Transportleitungsbruch vor wenigen Wochen beim Pumpwerk Moos angerichtet hat.

«Versorgungssicherheit geht vor»

Der Rat hat den Auftrag erteilt, die Bauarbeiten für den Leitungswechsel unverzüglich in Angriff zu nehmen – und zwar mit demselben Rohrprodukt, das bereits im südlichen Teil des Sternenwegs verlegt worden war. Was dann bekanntlich eine Welle der Empörung auslöste, weil der örtliche Rohrhersteller nicht zum Zug gekommen war (wir berichteten). Der Gemeinderat gab dem Druck aus der Bevölkerung nach und beschloss, die Arbeiten für den nördlichen Teil neu auszuschreiben, die Ausführung wäre dann nächstes Jahr erfolgt.

Aufgrund der aktuellen Situation wurde der erwähnte Beschluss nun aufgehoben. «Der Rat nimmt in Kauf, dass er mit diesem Entscheid allenfalls gegen die Interessen von Teilen der Bevölkerung handelt», sagt Gemeindevizepräsident Martin Brunner. Man vertraue aber darauf, dass die Mehrheit versteht, dass die Versorgungssicherheit höher einzustufen ist. «Schliesslich handelt es sich hier um die Hauptschlagader der Oensinger Wasserversorgung.»

Hätte man nun die Arbeiten noch einmal ausgeschrieben, so wären die Leitungen erst im September verlegt worden, nun aber sollten die Arbeiten innert sechs Wochen abgeschlossen sein. «Das kommt auch der Bauherrschaft des Roggenparks entgegen, denn dort beginnt demnächst die Einzugsphase», fügt Brunner an.

Druckabfall auf einen Drittel

Wie ist man den auf den «verheerenden» Zustand aufmerksam geworden? «In der Hauptstrasse ist eine neue Leitung verlegt und mit derjenigen vom Sternenweg zusammengeschlossen worden», erklärt Brunner. Bei diesem Vorgang würden üblicherweise Druckproben durchgeführt und dabei habe sich gezeigt, dass der Druck innert kurzer Zeit von 10,2 bar auf 3 bar zurückfällt. «Das heisst, da tritt Wasser aus der Leitung aus, und zwar nicht wenig.» Fachleute hätten von einer Zeitbombe gesprochen, die jederzeit losgehen kann.

Um das Bruchrisiko zu mindern, wird nun als Notfallmassnahme das Wasser vorläufig mit nur geringem Druck vom Pumpwerk Moos ins Reservoir oben an der Schlossstrasse befördert. Und wenn die Leitung im oberen Sternenweg dann ersetzt sein wird, folgt die nächste Frage: Wie ist der Zustand der Leitung von dort bis zum Reservoir?