Eine Stunde lockeres Mundwerk. Dabei packte der Kabarettist namens Veri auch lokale Aktualitäten in seinen Auftritt am Wolfwiler Kulturapéro am vergangenen Sonntag. So wunderte er sich über die Schlagzeile in der Oltner Ausgabe der Schweiz am Wochenende. Dass Feuer im Dach der Alpiq sei, hätte er eher bei der Präsentation des Jahresberichts erwartet, nicht bei einem Brand im Gebälk.

Neuer Lehrplan liefert viel Stoff

Eigentlich hatte Veri ein Programm rund um das aktuell bewegende Bildungswesen angekündigt. Auch die Requisiten auf der Bühne — ein Retro-Schulthek mit Kalbsfelldeckel und ein Duden — liessen Schulthemen erwarten. Doch immer wieder schweifte er ab zu einem anderen Thema. «Nein, das regt mich doch auf», gestand er, und erläuterte mit seiner eigenen Logik auch warum. So fragte er sich, warum die Schüler immer noch Zinsrechnen müssen, wo es doch seit Jahren keinen Zins mehr auf dem Ersparten gebe, um dann den Faden weiter zu spinnen zu den Pensionskassen, wo man den Umwandlungssatz ständig senkt, gleichzeitig aber Jahresgewinne so gut wie nie erzielt. Letzteres sagen die Kassen aber nur den Aktionären. «Aber lassen wir das», schliesst Veri seinen Exkurs ab.

In seiner kabarettistischen Bildungsdefensive muss er im Lehrplan 21 nicht lange nach Realsatire suchen. Zuerst regt sich Veri jedoch darüber auf, dass das Dokument statt der vermuteten 21 nur 20 Kapitel habe. Die Erklärung findet er im Abschnitt über Mathematik. Dort wird als Lernziel formuliert: «Die Schüler können flexibel zählen». Er selbst sei nur beim Jassen flexibel, sagt er. Mit einem Zahlenspiel lässt sich auch die Wahl von Cassis zu Bundesrat erklären. An sich wären 6 Millionen Schweizerinnen und Schweizer wählbar. Wenn aber die Kriterien Tessiner, Freisinniger und Fraktionschef erfüllt sein müssen, beschränkt sich die Auswahl auf einen. «Aber lassen wir das.»

Politiker bekamen Fett weg

Der Lehrplan 21 liefert auch für die Politik weiteren Stoff für Spott: «Fünftklässler können einen einfachen Text lesen und mit eigenen Worten widergeben», steht im Lehrplan. «Da hätte es Schneider-Ammann nie in die sechste Klasse geschafft», meint Veri. Der gleiche Bundesrat sagt aber auch: Die Wirtschaft verlange Frühenglisch. Dabei könne man im Entlebuch sein Bier problemlos auf Deutsch bestellen. Hingegen schaffe es Luzern nicht, sich als Gastkanton am Sechseläuten zu präsentieren, ereifert er sich. Aus Spargründen reiste statt der Regierungsdelegation eine Fasnachtszunft nach Zürich – ohne dass die Zürcher etwas merkten.

Insbesondere die Politiker bekamen folglich bei Veris Auftritt ihr Fett weg. Weil der Komiker seine Wahrheiten und Boshaftigkeiten aber in seinen naiven bünzlihaften Charme verpackte, waren die Sticheleien nicht wirklich gemein, sondern führten beim Publikum immer wieder zu herzhaften Lachern.

Der nächste Anlass der Kulturkommission Wolfwil findet am 18. November mit einer Jazzmatinee statt.