Sommerserie Thal

Lehrpersonen lernen, Kindern das sichere Schnitzen beizubringen

Felix Immler zeigt auf dem Rastplatz beim Holzweg, wie sich die richtige Ausholbewegung beim Schnitzen anfühlt.

Experte Felix Immler gibt in Balsthal Lehrpersonen Tipps, wie sie im Unterricht mit dem Sackmesser umgehen sollen.

Der St. Galler Felix Immler ist DIE Sackmesser-Schnitz-Kapazität der Schweiz. Er hat schon einige Bücher zum Thema «Schnitzen mit dem Taschenmesser» verfasst, über 300 Workshop-Kurse für Kinder durchgeführt und schon hunderten von Lehrpersonen den richtigen Umgang mit dem Sackmesser beigebracht.

Auf dem Rastplatz am Holzweg steht nun also ein «Taschenmesser-Workshop für Erwachsene» auf dem Programm. Felix Immler konnte zu diesem zweieinhalb-stündigen Kurs fünf Lehrerinnen und Spielgruppenleiterinnen begrüssen. Sie kommen aus dem Baselbiet, dem Aargau und aus der näheren Umgebung. Frauen, die sich alle über den richtigen Umgang mit dem Taschenmesser für sich selbst und für ihren Unterricht informieren wollen.

Immler legt gleich los und zeigt, wie man das Messer in die Hand nimmt, den Arm richtig hält, sich sicher abstützt und dann mit Schwung die Schnitzbewegungen ausführt. Er ist so richtig in seinem Element. In seinem breiten Thurgauer Dialekt sagt er, dass es für Kinder einfacher sei, mit der kleinen Klinge zu schnitzen. «Sie haben die kleine Klinge besser unter Kontrolle.» Aus seinen vielen Workshops wisse er das. Dann räumt er mit einem Mythos auf: «Es gibt keine Kindermesser. Mit allen Taschenmessern kann man sich verletzen, wenn man die Sicherheits-aspekte nicht in Betracht zieht.»

Kindermesser – das sei eine reine Marketingmasche. Immler will seinen Kursteilnehmerinnen in diesem kurzen Workshop die grundlegendsten Sicherheitsaspekte und die wichtigsten Schnitztechniken vermitteln: Grobschnitt, Feinschnitt und das Sägen. Er rät den Pädagogen, einen Klassensatz von guten Taschenmessern anzuschaffen, am besten ohne Korkenzieher. «Der Korkenzieher macht Kinderhänden weh beim Schnitzen». Und: «Den Klassensatz an Messern zum Schnitzen mitnehmen und erst vor Ort an die Kinder verteilen. Am Schluss auch alle Messer wieder einziehen.» So hätten alle das gleiche Werkzeug und der Konkurrenzaspekte fallen weg.

Erfahrungsgemäss geschehen die meisten Unfälle nicht beim Schnitzen, sondern beim Wegräumen oder in der Pause, so der Experte. Insbesondere die Säge und die Ahle seien Werkzeuge, bei denen es zu Verletzungen kommen könne, sagt Immler. «Beim Sägen das Werkstück gut festhalten. Am besten, indem man einen Fuss darauf stellt.»

Der Kurs ist eine wertvolle Sache

Es ist eine Tatsache, dass heute viele Kinder den Umgang mit einem Taschenmesser nicht mehr kennen. Es gibt wenige Erwachsene, die das den Kindern noch zeigen wollen und können. Deshalb sei ein solcher Kurs für Pädagogen eine wertvolle Sache, sagen die Teilnehmerinnen einhellig. Sie sind nicht wegen des Naturparks Thal an den Kurs gekommen, sondern haben auf der Homepage von Felix Immler, der in St. Margrethen wohnt, gesehen, dass er nach Balsthal kommt.

«Das ist für mich ein tolles Angebot», sagt eine Spielgruppenleiterin aus Möhlin, die sich derzeit auch zur Naturpädagogin ausbilden lässt. Sie habe sich von ihrer Kollegin «anstecken» lassen, den Immler-Kurs zu besuchen. Vom Naturpark Thal im speziellen haben vier der Teilnehmerinnen vorher noch nichts gehört. «Ich kenne den Naturpark Aargau», sagt die Teilnehmerin aus Brugg und bemerkt, dass es schon eine Herausforderung gewesen sei, via öV zum Treffpunkt beim Holzweg zu gelangen.

Am Kurs mitgemacht hat auch Benedikt Fluri, der Leiter der Infostelle beim Naturpark Thal. «Wir hatten seit längerem vor, diesen Kurs mit Felix Immler durchzuführen», sagt er. Der Taschenmesserexperte sei ein viel beschäftigter Workshop-Leiter und man sei froh, dass es jetzt geklappt habe. «Wir versuchen bestimmt, ihn ein weiteres Mal in den Naturpark zu holen.»

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