«Was hat Sie veranlasst, im Geschäft ihres Arbeitgebers reihenweise Smartphones und Tablets zu stehlen und diese zu Geld zu machen?», fragte Gerichtspräsident Guido Walser den am Montag vor Amtsgericht Thal-Gäu stehenden 22-jährigen Angeklagten. «Ich hatte meine Finanzen nicht im Griff und suchte damals nach einem Nebenerwerb», erklärte Robin L.* dem Richter mit leiser Stimme.

So weit gekommen sei es auch, weil Kollegen einen schlechten Einfluss auf ihn ausgeübt hätten. Zu einer sonst bei Gericht üblichen Befragung des im Oberaargau wohnhaften Mannes kam es allerdings nicht, weil sich Staatsanwalt Martin Schneider und der Anwalt des Angeklagten im Vorfeld der Verhandlung auf ein abgekürztes Verfahren geeinigt hatten.

Als Lehrling zu stehlen begonnen

Robin L. musste deshalb nur noch die von Amtsgerichtspräsident Guido Walser aus der Anklageschrift vorgetragenen Straftatbestände bestätigen, was der mit Bluejeans, grauem Pullover und Stoffturnschuhen bekleidete Angeklagte denn auch ohne Ausnahme tat. Dabei ging es um mehrfachen Diebstahl, den der junge Mann mit asiatischen Wurzeln in der Zeit vom Januar 2012 bis Oktober 2013 verübt hatte. Zuerst als Lehrling und danach als Angestellter eines Mobilfunkanbieters im Gäu, stahl er aus dem Shop seines Arbeitgebers sowie einer weiteren Niederlassung im Aargau Smartphone-Zubehör im Wert von 2784 Franken.

Als gewerbsmässigen Diebstahl stuft die Staatsanwaltschaft die zwischen August 2013 und Oktober 2013 begangenen Diebstähle ein. Tatorte waren wiederum die Verkaufshops im Gäu und im benachbarten Aargau, wo Robin L. 15 Ersatz-Smartphones im Wert von 8659 Franken mitlaufen liess. Die Hälfte der Geräte übergab er einem Kollegen, von dem er dafür 80 bis 200 Franken je Exemplar bekam. Den Rest behielt er für sich.

Richtig Kasse machte der damals 20-jährige, als er sich mit dem Geschäftsschlüssel Zugang zum Mitarbeiterbereich verschaffte. Dort entwendete er aus verschlossenen Schubladen und dem Lager 27 original verpackte Smartphones verschiedener Marken sowie vier iPad Mini im Gesamtwert von 23 339 Franken. Etwa zwölf Geräte übergab er zwei Kollegen, den Rest verkaufte er selbst im Kollegenkreis. Für die von den Kollegen veräusserten Geräte kassierte Robin L. je 350 Franken.

Von den Diebstählen gut gelebt

Der Angeklagte habe in dieser Zeit ausschliesslich vom Erlös dieser Diebstähle gelebt. Seinen gesamten Lohn habe er deshalb ansparen können, führt die Staatsanwaltschaft dazu aus.

Zu den erwähnten Diebstählen kamen noch 35 unberechtigte Kulanz-Reloads dazu. Solche im Wert von 565 Franken hatte Robin L. wiederum zuerst als Lehrling und dann als Angestellter auf verschiedene Rufnummern heruntergeladen. Ferner hatte der Angeklagte Familienangehörigen und Bekannten auf 21 Mobiltelefonen unberechtigte Rabatte im Gesamtbetrag von 13 960 Franken gewährt. Ebenfalls für mehrere Kollegen und für sich selbst tätigte Robin L. zudem im internen Geschäftstool 13 Bestellungen für Zubehör im Wert von 2567 Franken. Die Waren liess er direkt an seine Adresse oder jene seiner Kollegen schicken.

Mehr als ein Monat in U-Haft

Aufgeflogen war die ganze Sache, während Robin L. die Rekrutenschule absolvierte. Nach einer erfolgreichen Hausdurchsuchung wurde er am 27. Dezember 2013 in Untersuchungshaft genommen, wo er bis 31. Januar 2014 ausharren musste.

Vor dem Verlesen des Urteils wollte Amtsgerichtspräsident Guido Walser vom Angeklagten wissen, ob er denn nun sein Leben im Griff habe. Robin L. versicherte, dass dem so sei und er nun auch beruflich weiterkommen wolle. Im Visier habe er die Berufsmatur und später vielleicht ein Studium. Er habe nach der Rekrutenschule eine Stelle gefunden, die ihm gut gefalle. Dank dieser Arbeit sei es ihm auch möglich gewesen, seinem ehemaligen Lehrbetrieb und Arbeitgeber 29 000 der insgesamt 36 000 Franken hohen Schadensumme zurückzubezahlen. Dies habe er in 1000-Franken-Raten bewerkstelligt. Auch die 14 000 Franken Schulden beim von ihm geschädigten Mobilfunkanbieter wolle er zurückbezahlen. Es gehe inzwischen nur noch darum, auf welches Konto die in zwei Tranchen geplante Zahlung erfolgen müsse.

Reue und guten Willen gezeigt

Amtsgerichtspräsident Guido Walser attestierte dem Angeklagten Reue und guten Willen, die Sache so weit als möglich in Ordnung zu bringen. Zudem habe die Untersuchungshaft ihre Wirkung sicher nicht verfehlt. «Ich denke, Sie haben Ihre Lehren daraus gezogen», so Walser.Robin L. wurde wegen mehrfachem sowie gewerbsmässigem Diebstahl und wegen mehrfachem betrügerischem Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt. Dies bei einer Probezeit von zwei Jahren. Zudem wurden ihm die Verfahrenskosten auferlegt.

* Name von der Redaktion geändert.