Auch dieses Jahr passte das Wetter nicht für das «American Live»-Treffen. «Wir hatten jetzt viermal nacheinander Pech», bestätigt Markus Härri, Mitglied der «Friday Night Cruisers», die den Anlass heuer zum 34. Mal durchführten. Das wirke sich auf die Besucher- und Ausstellerzahlen aus. Peter Voser, Präsident des Organisationskomitees, schätzt, dass rund 500 Fahrzeuge und etwas zwischen 1000 und 2000 Besucher vor Ort waren.

Zugelassen waren US-amerikanische Wagen mit Jahrgang 1987 und älter. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Eintritt wird auch von den Besuchern nicht verlangt. «Die Teilnahme beziehungsweise der Besuch ist gratis», erklärt Härri. Die Unkosten werden durch ein umfangreiches Sponsoring gedeckt.

Einige Eindrücke vom Oldtimertreffen American Live: Trotz Regen und Kälte liessen sich viele Besucher von den Autos begeistern.

Das sei einer der grössten Posten, die im Vorfeld des Anlasses anfallen. «Begonnen wird mit der Organisation bereits im November an der Generalversammlung. Hier entscheiden die Vereinsmitglieder, ob das Treffen wieder durchgeführt wird», erklärt Voser. Danach folge als nächster Schritt die Bestimmung des Ortes, wo der Anlass stattfinden soll, weiter gelte es die Festzeltmiete und Bewilligungen zu regeln, und schliesslich seien Sicherheits-, Verkehrs- sowie Abfallkonzepte erforderlich.

Faszination Kurven

Der Himmel ist wolkenverhangen, es ist grau und kalt. Die Leute auf dem Areal sind – passend zum Wetter – grösstenteils in gedeckten Farben gekleidet. Manche bleiben anerkennend vor den Autos stehen, andere zücken ihr Smartphone und schiessen ein Foto – mal nur mit dem Auto als Sujet, mal auch samt der Begleitung. Hie und da wird in verschiedensten Dialekten gefachsimpelt, und auch Französisch ist ab und an zu hören.

Für Farbtupfer sorgen einige der ausgestellten Autos. So zum Beispiel ein 1957er Chevrolet Station Wagon (Kombi), der in einem sanften, eleganten Korallton leuchtet. «Canyon Coral heisst die Farbe – die ist Original», erläutert Eigentümer René Squindo aus dem aargauischen Moosleerau. Dieses Fahrzeug besitze er schon seit 15 Jahren.

Seine Liebe für die US-Cars ist aber noch älter: «Schon in meiner Kindheit interessierte ich mich für Autos», erzählt Squindo, der von Beruf Bäcker ist und noch zwei weitere Chevrolets besitzt. Es seien die Kurven, die Eleganz, die ihn faszinieren. Das sei nicht mit den heutigen Autos zu vergleichen. «Man muss diese Legenden bewahren, so lange es geht. Deshalb fahre ich das Auto immer noch und lasse es nicht in der Garage stehen», erzählt der Aargauer.

Steinzeit der Autos

«Ich bezeichne diese Autos als Dinosaurier, denn solche Wagen wird es nie mehr geben», erklärt Mitorganisator Härri. Für ihn gehören die Autos zu den Kulturgütern. Doch es sind nicht nur die Autos, die eine Anziehungskraft ausüben bzw. solche Anlässe populär machen – sondern auch die zugehörige Kultur. «Bei uns fühlen sich auch Rock-’n’-Roll-Liebhaber, Rockabillys und 50er-Jahre-Fans willkommen», weiss Härri.

In der Tat sind vereinzelt Frauen im Rockabilly und Pinup-Look zu erspähen, und aus dem Festzelt erklingt Country-ähnliche Musik. Nebst den Autos bieten diverse Stände Trouvaillen an für jene, die ein wenig ihre Sehnsucht nach dem «American Dream» stillen wollen.

«Ist man einmal mit einem V8-Motor gefahren, ist man infiziert. Es ist wie ein Virus, den man nicht loswird», weiss Markus Härri, der durch seinen Vater zu den «Ami-Schlitten» kam. Dieser Virus scheint keine Altersgrenzen zu kennen, was für Härri besonders schön ist: «Man findet sie bei Games für Spielkonsolen, und auch im neusten Fast & Furios-Film werden solche Autos gefahren.»