Kestenholz

Lebensweisheiten sind ein Kinderspiel

Die Kinder aller Altersstufen der Schule Kestenholz sind mit Feuereifer und Ernsthaftigkeit am Werk und erzählen die Geschichte von Günni Glühwurm, der etwas anders als die anderen ist.

Die Kinder aller Altersstufen der Schule Kestenholz sind mit Feuereifer und Ernsthaftigkeit am Werk und erzählen die Geschichte von Günni Glühwurm, der etwas anders als die anderen ist.

Primarschule und Kindergarten aus Kestenholz bringen mit ihrer Musical-Aufführung die Turnhalle zum Bersten.

Die gespannten Besucherinnen und Besucher stehen vor der Turnhalle Schlange und drängen hinein in die Welt der Insekten. Es leuchtet grün, die Wände sind liebevoll dekoriert und es duftet verheissungsvoll. Aktueller und zeitgemässer könnte die Thematik kaum sein: Einer wird ausgestossen, weil er nicht so ist wie die anderen – wegen Details, die ihn aus der Menge herausstechen lassen. Denn ein König gibt dem Volk die Sichtweise vor und seine Anhänger folgen ihm, ohne zu hinterfragen oder nachzudenken.

Günni ist einsam und verlassen. Als einziges Glühwürmchen leuchtet er in der Nacht – nicht weiss, wie die anderen, sondern orange. «Du bist hier fehl am Platz. Hau einfach ab!», muss er sich anhören und stellt sich die Frage: «Warum ich? Wieso bin ich anders als die anderen?» Zum Glück trifft Günni auf Hugo. Die dicke, träge Hummel hat sich ans Anderssein gewöhnt und legt eine Unbeschwertheit an den Tag, die Günni hoffen lässt. Zu den beiden gesellt sich Shaila, ein blauer Schwalbenschwanz. Zu Dritt machen sie sich auf den Weg, die Fragen des unglücklichen Glühwürmchens zu beantworten.

Überraschende Pointen

Von Beginn an sind die Kinder aller Altersstufen mit Feuereifer und Ernsthaftigkeit am Werk. Kleine, flinke Bienen surren über die Bühne und legen sich mit dem Maulwurf an, der das bunte Insektentreiben mal mehr, mal weniger gelassen über sich ergehen lässt. Die einfallsreichen Kostüme von Raupe, Schmetterling und Co. sind selbst genäht, entstanden im Werkunterricht oder bei den Klassenlehrpersonen.

Das Publikum lauscht den mutigen Solosängerinnen und lässt sich von der Tanzeinlage des Tausendfüsslers mitreissen, der als Wiesenpolizei das Gelände säubert. Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler laufen zur Höchstform auf und haben die Lacher auf ihrer Seite. So verteidigt sich Jean, die Schnecke, gegenüber Shaila, aus voller Überzeugung: Es gebe wichtigere Dinge im Leben, als schön zu sein – «Das bisschen Schleim macht doch nichts!»

Musik als fester Bestandteil

Musicals leben aber nicht nur vom Schauspiel allein. Denn die Musik ist nicht nur Hintergrund und Begleitung, sondern gibt den Takt vor, kreiert und gestaltet die Stimmung. Als die Arbeitsgruppe Theater, bestehend aus Sandra Müller, Adrian Stalder und Michel Fankhauser, im vergangenen August Thomas Maritz als Leiter der Musikschule Oensingen/Kestenholz anfragte, zögerte dieser nicht. Vor Monaten begannen die Musikschullehrpersonen mit ihren Schülerinnen und Schülern, die Stücke einzustudieren, und viele erklärten sich bereit, als Teil des Orchesters mitzuwirken. Die Aufführung zeigt: Für das Publikum ist es eine Freude zuzuhören.

Als Günni denn am Schluss feststellt, dass es ausser ihm doch noch mehr andersfarbige Glühwürmchen gibt, die sich versteckt hielten, spannen sie zusammen. Der König, im Spinnennetz gefangen, kommt zur Einsicht, dass sie im Grunde alle gleich sind, und hebt kurzerhand das alte, sinnlose Gesetz auf. Denn: «In Wahrheit sind wir alle Kinder dieser Welt.» Die Lebensweisheit dieses Kinder-Spiels nehmen die zahlreichen Besucher gerne mit.

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