Oensingen

Lastwagenflut soll eingedämmt werden

Hier kann es oft gefährlich eng werden: Kreuzung Hauptstrasse mit Einmündung Autobahnzubringer Ausfahrt Nord.

Hier kann es oft gefährlich eng werden: Kreuzung Hauptstrasse mit Einmündung Autobahnzubringer Ausfahrt Nord.

Der Gemeinderat von Oensingen will für die Ausfahrt Nord des Autobahnzubringers ein Teilfahrverbot für Lastwagen. Das soll die Situation im Dorf entschärfen.

Es tönte dramatisch in der Gemeinderatssitzung: «Die Lastwagen verlassen die Schnellstrasse bei der Ausfahrt Nord oft in horrendem Tempo und zwängen sich dann um das ehemalige Kantonalbankgebäude vis-à-vis Gemeindeverwaltung, was zu sehr gefährlichen Situationen beim Fussgängerübergang führt. Die hinteren Räder der Auflieger der grossen Sattelschlepper fahren meistens über einen Teil des Trottoirs.»

Die Haupt- bzw. Kantonsstrasse werde dadurch in beiden Richtungen noch stärker belastet. «Ein Zustand, der so nicht mehr länger geduldet werden kann.» Ein Teilfahrverbot für Lastwagen bei der Ausfahrt Nord des Autobahnzubringers soll Abhilfe schaffen. So sieht es der Gemeinderat und hat daher einstimmig beschlossen, beim kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau einen entsprechenden Antrag einzureichen.

Oensingen statt Niederbipp

Als Grund für die Zunahme des Lastwagenverkehrs wird genannt, dass das enorme Verkehrsaufkommen und die täglichen Staus auf der Autobahn dazu führe, dass die Mehrheit der Lastwagen aus Richtung Zürich mit Ziel Nieder- und Oberbipp nicht die Ausfahrt Niederbipp, sondern jene in Oensingen benutzen.

Das wiederum, so erklärt Andreas Affolter, Leiter Bau, führe zu Blockierungen bei der Vebo-Kreuzung, weshalb die Chauffeure dann auf dem Autobahnzubringer weiterfahren und die Ausfahrt Nord benutzen, um sich dann in den Verkehr der Hauptstrasse Richtung Westen einzufädeln. Ähnliches sei bei Fahrzeugen aus Richtung Bern mit Ziel Industrie Neuendorf festzustellen.

Traktoren auf den Zubringer

Damit aber nicht genug: Im Zusammenhang mit dem Teilfahrverbot für Lastwagen beantragt der Gemeinderat auch noch, dass die Klassierung des Autobahnzubringers von Autostrasse auf Kantonsstrasse geändert wird, und zwar ab Auffahrt Oensingen Nord in Richtung Balsthal bis zur Ampelanlage in der Äusseren Klus. Damit könnte dann der landwirtschaftliche Verkehr diese Strecke nutzen, statt wie aktuell die Klusstrasse, so die Überlegung.

Denn bei diesen landwirtschaftlichen Fahrzeugen handle es sich nämlich praktisch nicht mehr um herkömmliche Gespanne mit kleinerem Traktor und Wagen, sondern vorab um grosse, schwere Transportfahrzeuge von Lohnunternehmern, die auf der eher schmalen Klusstrasse viel Platz beanspruchen. Dort seien aber auch Fussgänger und Kinder mit Velos unterwegs zur Schule nach Balsthal. Dadurch entstünden immer wieder prekäre Situationen. Ferner verkehrt der Ortsbus auf dieser Strecke, ein Kreuzen mit den landwirtschaftlichen Fahrzeugen sei fast nicht möglich. Mit der Massnahme der Sperrung könnte die Verkehrssicherheit auf der Klusstrasse entscheidend verbessert werden, davon ist die Planungskommission überzeugt, sie hat daher dem Gemeinderat empfohlen, den erwähnten Antrag beim Kanton zu stellen.

Wie gross sind die Chancen?

Es sind hohe Ansprüche, die der Oensinger Gemeinderat stellt. Beim kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau ist der Antrag noch nicht behandelt worden, man habe aber Kenntnis davon, sagt Daniel Wassmer, Leiter Kantonsstrassen. «Und wir haben auch Verständnis für das Anliegen, die Lage habe sich definitiv verschärft.» Eines könne aus Erfahrung bereits festgehalten werden, dass es sich hier um eine einzelne Massnahme handelt. Und damit werde – wie bei anderen Situationen auch – das Problem kaum behoben. «Die Auswirkungen zeigen sich dann einfach an anderer Stelle.» Wenn immer möglich setze man auf weiträumige Planung mit einem Verkehrsleitbild.

Ein langer Weg

Und noch etwas kann Wassmer bereits voraussagen, nämlich dass der Weg noch relativ lange ist bis zu einem Entscheid. Denn da sei nicht nur das Amt für Verkehr und Tiefbau massgebend, sondern auch die Verkehrskommission. Darin vertreten sind das Baudepartement, die betroffene Einwohnergemeinde, Vertretungen von Strassenverkehrsverbänden sowie des Erziehungswesens, Polizei und allenfalls externe Experten.

In Oensingen ist man sich dessen bewusst, dass die Massnahme nicht auf Knopfdruck umgesetzt wird. Aber ohne Versuch, so heisst es, läuft gar nichts.

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