Nicht nur die Gemüsebauern müssen wegen des ausserordentlich heissen und trockenen Sommers mit Ertragseinbussen rechnen. Betroffen ist auch der Hopfenbauer Erwin Ackermann vom Schlatthof in Wolfwil, wo Anfang dieser Woche die Ernte angelaufen ist. «Das Wetter war diesen Sommer für den Bierkonsum idealer als für den Hopfenanbau», bemerkt der 60-jährige Landwirt. Die starke Sonnenbestrahlung über eine solch lange Zeit habe dem Hopfen bei der Doldenbildung zugesetzt. Dolden sind die Fruchtstände des Hopfens, welche vor allem zum Brauen von Bier verwendet werden.

Weniger Ertrag erwartet Ackermann vor allem bei der auf dem Markt sehr gefragten Sorte Perle. Zwei Hektaren gross ist das Feld, auf dem die von Trockenheit gezeichneten Hopfenpflanzen in den letzten Monaten an Drähten entlang auf eine Höhe von etwa sieben Metern gewachsen sind. Die 1,3 Millimeter starken Stahldrähte werden übrigens bei der Ernte samt der Pflanze mit einer Maschine von den aus Holzmasten gefertigten Gerüstanlagen gerissen und fallen dann auf einen speziellen Ladewagen.

Weniger schlimm als befürchtet

Nach der Begutachtung der ersten auf dem Hof zur Weiterverarbeitung eingetroffenen Fuder schätzt Ackermann, dass die Einbusse bei der Sorte Perle etwa 50 Prozent ausmachen wird. «Im Vergleich mit den Hopfenanlagen im Fricktal kommen wir noch mit einem blauen Auge davon», findet Ackermann.

Keine Ausfälle zu beklagen hat Ackermann hingegen auf dem zweiten Hopfenfeld, auf dem auf 110 Aren die amerikanische Sorte Cascade angepflanzt wurde. «Diese hitzeresistente Sorte haben wir vor Jahren über Tschechien in die Schweiz geschmuggelt», verrät Ackermann. Diese mit Dolden geradezu überladenen Pflanzen sind dieses Jahr so gut gediehen, dass ein Holzmast wegen des hohen Gewichts gebrochen ist, wie Ackermann erwähnt.

Diese nach Zitrone schmeckende Sorte ist vor allem bei kleineren Brauereien wie etwa der Öufi Brauerei Solothurn oder Hasle Bier Langenthal begehrt, um daraus Spezialbiere herzustellen. Mit dem Hopfen vom Schlatthof, insbesondere der Sorte Perle, werden aber auch Grossbrauereien wie etwa Appenzeller Bier oder Feldschlösschen sowie Kunden im nahen Ausland beliefert.

Auch für medizinische Zwecke

Inzwischen hat die seit bald 30 Jahren im Hopfenanbau tätige Familie Ackermann rund 30 Abnehmer für ihren begehrten Bio-Hopfen. Dazu gehören in jüngster Zeit vermehrt Kunden, die Hopfen für medizinische Zwecke verwenden. «Hopfen wirkt sehr beruhigend», weiss Ackermann.

Seit nunmehr 20 Jahren vermarktet der Schlatthof den selbst produzierten Hopfen in eigener Regie. Zum Verkauf gelangt dieser allerdings nicht in Form der erwähnten Dolden, sondern als Pellets. Hergestellt werden diese mangels Maschinen in der Schweiz in Deutschland. Vorgängig werden die Dolden auf dem Schlatthof in einem Ofen während sechs Stunden bei 65 Grad Celsius fast gänzlich getrocknet. Im Idealfall befindet sich noch eine Restfeuchtigkeit von 12 Prozent in den Dolden. «Dieser Trocknungsprozess ist für eine gute Qualität des Hopfens entscheidend», bemerkt Erwin Ackermann dazu. Der Vorteil dieser Pellets sei, dass der Hopfen in dieser Form gekühlt gelagert bis zu zwei Jahre haltbar bleibe.

Hopfenanbau ein Risikogeschäft

Keine Abstriche müssen bei der aktuellen Ernte bei der Qualität gemacht werden, wie Ackermann hervor streicht. Und dank des guten Ertrags aus der Sorte Cascade relativiere sich der Ernteausfall beim Hopfen und betrage über das Gesamte gesehen noch etwa ein Drittel, schätzt der Landwirt. Ob mit dem Erlös die Unkosten gedeckt werden können, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Es sei aber durchaus denkbar, dass dieses Jahr ein Minus eingefahren werde.

«Der Anbau von Hopfen ist halt ein Risikogeschäft. Die Erntemenge kann zwischen ein und fünf Tonnen schwanken, je nach Witterung», bemerkt Ackermann. Aber es gebe natürlich auch Jahre mit höhrem Ertrag. Dazu gehöre die Ernte 2014, die bereits vollständig verkauft sei. Trotz des Risikos denkt Ackermann nicht ans Aufhören. «Wir haben verschiedene Standbeine, wie etwa die rund 100 Kühe mit eigener Milchverarbeitung oder die Produktion von Bio-Saatkartoffeln. Solange wir Spass daran haben, werden wir auf dem Schlatthof auch weiterhin einheimischen Hopfen produzieren.»