Beachtliche 98 Meter lang, 14 Meter breit und 4,8 Meter hoch wird der neue Schweinezuchtstall, den der Neuendörfer Landwirt Andreas Zeltner nahe der Neu-
strasse am nördlichen Dorfrand bauen wird. Bemerkenswert ist nicht nur die Grösse des etwa 1,5 Millionen Franken teuren Stalls, sondern auch dessen technische Ausstattung.

Diese ermöglicht eine energieeffiziente Bewirtschaftung und rationelle Abläufe bei maximal möglichem Tierwohl, wie Stefan Achermann von der mit der Planung beauftragen Krieger AG erklärt. Der in Neuendorf geplante Stall entspreche dem Modell von Peter Anderhub aus Muri AG, der mit seinem «Wohlfühl»-Schweinestall schweizweit Schlagzeilen gemacht habe.

Verschiedene Klimazonen

Mit einer ausgeklügelten Klimatisierung können die Energiekosten tief gehalten werden. So werden etwa für die Jungtiere isolierte Ferkelnester bereitgestellt mit Temperaturen von bis zu 36 Grad. Weil es die Muttertiere hingegen eher kühler mögen, wird die Luft im Winter mittels einem Unterluftkanal erwärmt oder im Sommer abgekühlt. Die optimale Innentemperatur, die zwischen 16 und 22 Grad Celsius liege, könne so erreicht werden, führt Achermann dazu aus. Niedrig gehalten werden könnten dank der modernen Technik auch die Geruchsemissionen.

Die Platzverhältnisse im neuen Stall müssen auch den hohen Ansprüchen des Labels Coop-Natura-Farm genügen, welches zudem reichlich Einstreu verlangt. Und im Gegensatz zu den teilweise sehr engen Zuständen im Ausland, könnten sich die Muttersauen in den geplanten Abferkelbuchten dieses Stalles frei drehen, so Achermann. Auch sonst gebe es mit 7,5 Quadratmetern genügend Platz für eine tiergerechte Haltung.

Nur Aufzucht, keine Mast

Als Zielvorgabe nennt Schweinezüchter Andreas Zeltner die Aufzucht von jährlich 3000 Ferkeln. Beim Verkauf für die danach folgende Mast werden die Tiere etwa 10 Wochen alt sein und zwischen 20 und 25 Kilogramm wiegen. Einen Abnehmer für die Ferkel hat Zeltner schon. Bei voll besetztem Stall werden rund 600 Jungtiere im Stall leben. Dazu kommen 126 Zuchtschweine, die ihre Jungen jeweils in 18er-Gruppen zur Welt bringen werden, wie Zeltner erklärt.

Hightech kommt auch bei der Fütterung zum Einsatz. Programmgesteuert wird jeweils für jede Tierkategorie ein separates Futter aus Getreide und Mais dosiert und an den vorgesehenen Stellen verabreicht. Die Arbeit des Bauern wird aber nicht komplett vom Computer übernommen, wie Zeltner beteuert. «Ich werde täglich sicher mehrere Stunden im Stall verbringen, um die Tiere zu versorgen und die Zucht zu überwachen.»

Ausstieg aus der Kuhhaltung

Mit dem Bau des neuen Schweinezuchtstalles ändert sich auch die Ausrichtung des Landwirtschaftsbetriebs. Etwa ein Jahr nach der Fertigstellung des Schweinestalls möchte Zeltner aus der Kuhhaltung und damit aus der Milchwirtschaft aussteigen. Zu diesem Schritt habe er sich entschieden, weil im Rahmen der Tierschutzverordnung auf seinem Hof an der Dorftrasse 90 umfangreiche bauliche Massnahmen nötig geworden wären. Vor allem in den Kuhstall, in dem er derzeit 18 Milchkühe halte, hätte er viel investieren müssen. Weil er sich mit der Schweinezucht enger verbunden fühle, sei ihm dieser Entscheid nicht schwergefallen, so der 52-jährige Landwirt.

Widerstand gegen den geplanten Schweinestall gab es praktisch keinen. Die einzige eingegangene Einsprache wurde vom Bau- und Justizdepartement mangels Berechtigung abgewiesen. Der Kanton war dafür zuständig, weil sich das Projekt in der Landwirtschaftszone befindet. Der Standort sei in Zusammenarbeit mit dem Kanton und der Gemeinde ausgewählt und bewilligt worden, sagt Zeltner. Wegen der Einsprache sei der Bau drei Monate im Verzug.

Die Bauzeit für den neuen Stall ist mit sieben bis acht Monaten veranschlagt. «Wenn alles nach Plan läuft, können wir im Februar 2017 den Betrieb aufnehmen», meint Zeltner optimistisch.