Niederbuchsiten
Kurz vor dem Abriss: Gasthaus Linde verschwindet aus dem Dorfbild

Das seit rund sieben Jahren geschlossene Gasthaus Linde in Niederbuchsiten wird während der Frühlingsferien abgerissen. Am selben Standort soll für 3,9 Mio. Franken ein neues Wohn- und Geschäftshaus sowie ein Begegnungsplatz für die Bevölkerung realisiert werden.

Erwin von Arb
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Das Restaurant Linde in Niederbuchsiten ist baufällig und soll in den nächsten Wochen komplett abgerissen werden.

Das Restaurant Linde in Niederbuchsiten ist baufällig und soll in den nächsten Wochen komplett abgerissen werden.

Bruno Kissling

Die Tage des traditionsreichen Gasthauses Linde am östlichen Dorfeingang von Niederbuchsiten sind gezählt. In Kürze sollen dort die Bagger auffahren und die baufällige Liegenschaft dem Boden gleich machen. Auftraggeberin ist die Einwohnergemeinde Niederbuchsiten, welche das Haus und das 1300 Quadratmeter grosse Areal im Jahr 2013 käuflich erwerben konnte. Letzten Besitzer war der inzwischen verstorbene Egerkinger Unternehmer Tristan Bloch.

Die Gemeinde hatte sich in Vorfeld um den Kauf dieses Grundstückes bemüht, um darauf ein dreigeschossiges Wohn- und Gewerbehaus zu realisieren. Ebenfalls Bestandteil dieses Projektes ist die Schaffung eines Begegnungsplatzes. Damit will die Gemeinde einen Beitrag für die Entwicklung des Dorfzentrums leisten, wie Gemeindepräsident Markus Zeltner bemerkt.

Wohn-und Geschäftshaus Linde: das Neubauprojekt der Einwohnergemeinde.

Wohn-und Geschäftshaus Linde: das Neubauprojekt der Einwohnergemeinde.

zvg

Das Projekt sieht Kosten von 3,9 Mio. Franken vor. Die Einwohnergemeinde möchte sich daran mit einem Betrag von etwa 1,6 Mio. Franken beteiligen. Für den Rest werden Stockwerkeigentümer oder Investoren gesucht.

Projekt noch nicht ausgereift

Eine Beteiligung am Projekt könnte sich auch die Bürgergemeinde vorstellen, wie Bürgerpräsident Bruno Zeltner auf Anfrage erklärt. «Die Bürger- und die Einwohnergemeinde könnten sich die Kosten teilen, inklusive Mitspracherecht», führt Bruno Zeltner dazu aus. Der Bürgerrat habe sich im Grundsatz für eine solche Beteiligung ausgesprochen. Einwohnergemeindepräsident Markus Zeltner bestätigt, dass Gespräche mit der Bürgergemeinde stattgefunden haben. Diese seien aber immer noch am Laufen.

Ebenfalls noch nicht spruchreif ist das Projekt selbst. Im Grundsatz werde an diesem festgehalten, wie Gemeindepräsident Markus Zeltner erwähnt. Zur Zeit in Arbeit ist der Gestaltungsplan, der dem Kanton zur Vorprüfung unterbreitet wurde. Die Auflage des Gestaltungsplans mit Sonderbauvorschriften soll noch dieses Jahr erfolgen. Mit einem Baugesuch kann voraussichtlich nicht vor 2017 gerechnet werden.

Der Abriss der ehemaligen «Linde» hat denn auch nichts mit dem Stand des Projekts insgesamt zu tun. Der Rückbau der Liegenschaft erfolgt vor allem aus sicherheitstechnischen Gründen, wie Gemeindeschreiberin Ursula Zeltner erklärt. Der Zustand des Gebäudes sei weitaus schlechter, als dies die Optik von aussen vermuten lasse, so Zeltner. Das Baujahr der Liegenschaft ist wegen fehlender Aufzeichnungen nicht bekannt.

Gemeindepräsident Markus Zeltner schätzt, dass das Gebäude um 1900 gebaut worden sein könnte. Der Abriss der «Linde» soll während der vom 11. bis 22. April dauernden Frühlingsferien der Schulen erfolgen. Mit Blick auf die 2017 anstehende Sanierung der Dorfstrasse durch den Kanton wird das Areal nach dem Abriss der Liegenschaft nicht asphaltiert, sondern mit Mergel eingedeckt.

Rolf Achermann letzter «Linde»-Wirt

Mit etwas Wehmut verfolgt Franz von Arx aus Kestenholz das nahende Ende der «Linde». Er ist der älteste Sohn von Sophie Kissling, welche auf dem Gasthof beinahe drei Jahrzehnte als Wirtin tätig war. Kurz bevor er dort im Jahr 1943 geboren wurde, habe seine Mutter zusammen mit ihrem damaligen Mann den Gasthof übernommen. Nach der Scheidung seiner Eltern im Jahr 1957 habe seine Mutter das Restaurant weitergeführt und sein Vater den damals noch existierenden Bauernbetrieb übernommen.

Ende der 60er Jahre wurde der Gasthof verpachtet und gelangte schliesslich etwa Mitte der 70er Jahre in andere Hände. Damals hatte auch Franz von Arx versucht, das Restaurant, in dem er aufgewachsen war, zu kaufen. «Meine Frau hatte dafür extra das Wirtepatent gemacht», erinnert sich der 73-Jährige. Leider sei man sich nicht handelseinig geworden.

Letzter Wirt auf der «Linde» war Rolf Achermann aus Kestenholz. Er verabschiedete sich als 69-Jähriger Ende September 2009 nach 10 Jahren als «Linde»-Wirt in den Ruhestand.

Franz von Arx seinerseits hat sich längst damit abgefunden, dass es ihm verwehrt blieb, auf der «Linde» zu wirten. «Das ist lange her und berührt mich nicht mehr wirklich.» Nun geniesst er zusammen mit seiner Frau im Eigenheim seinen Lebensabend.