Balsthal
Künstlerin als Forscherin im Formfindungsprozess

Die Galerie Rössli, Balsthal, zeigt neue Arbeiten auf Papier von Jill Wäber.

Eva Buhrfeind
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Jill Wäber, die gebürtige Schottin, untersucht die Urpflanze Seetang.

Jill Wäber, die gebürtige Schottin, untersucht die Urpflanze Seetang.

Eva Buhrfeind

Jill Wäber ist eine Künstlerin, die sich immer intensiv mit dem Betrachteten und damit mit den Möglichkeiten einer Bildgebung auseinandersetzt. Die gebürtige Schottin und seit einiger Zeit im französischen Sondersdorf lebende Künstlerin schafft immer wieder überraschende Bildinhalte – meist hervorgegangen aus präsenten Erlebnissen und alltäglichen Wahrnehmungen –, die man auch als Geschichten verstehen könnte.

Geschichten, die von der Auseinandersetzung mit Strukturen und Spuren, mit dem Wandel, dem Sich-Formen und Sich-Wiederlösen, dem Kommen und Gehen in der Natur erzählen. Die malerischen und zeichnerischen Arbeiten von Jill Wäber – viele Jahre hat sie in Rodersdorf gewirkt – sind kontinuierliche Formfindungsprozesse, denen die Künstlerin wie eine Forscherin nachgeht. Kreativ, neugierig und gleichzeitig versiert, wenn es um die bildnerische Kontinuität geht.

Der Seetang der Nordsee in ihrer schottischen Heimat ist seit geraumer Zeit das Thema ihrer Arbeiten. Der Seetang, ein Urmaterial der See, vom Meer durcheinandergewirbelt, je nach Situation und Moment sich in Form und Gestalt verändernd, sich verdichtend, wieder lösend, zusammenziehend oder aufquellend. Diesen wundersamen, sich schnell verändernden Gebilden und Strukturen geht die Künstlerin mit Holzkohle und Wasserfarben auf den Grund.

Mit der Holzkohle fokussiert sie die rhythmische Bewegung, die Natur der sich wandelnden Urform, hält den kurzlebigen Moment fest, bevor sich diese speziellen Algen der momentanen Form entziehen. Mit dichten schwarzen Nuancen und einer energischen Geste formt Jill Wäber kalligrafische Körper, in denen sich der unermüdliche Wandel des Lebendigen im Kommen und Gehen zeichenhaft konzentriert.

Mit dem Aquarell geht sie der ebenso wundersamen wie komplexen Gestalt dieser Algen nach. Dazu legt sie einmal den genässten Seetang auf das Papier, nimmt ihn wieder ab; die nun aufgetragenen Wasserfarben gehen den Spuren des Seetangs nach. Losgelöst zu malerischen Bewegungen, scheinen sich die pflanzlichen Strukturen wie geheimnisvolle Melodien und tänzerische Spuren im Bildraum anzuordnen.

In den kleinen Studien begegnet man dem Thema, dem Seetang als kleine Einzelwesen. Scheinbar spontan gesetzt, verwandeln die Wasserfarben die Algen, die sich als Naturereignisse herauslesen, auf dem Papier zu schwarz-braun-grünen mannigfaltigen Wesen, deren pflanzliche Natur auch hier eine kalligrafische, zeichenhafte, durchaus fantasievolle Note in sich tragen.

Daneben ist Jill Wäber auch anderen Zeichen und Spuren in der Natur künstlerisch-forschend nachgegangen. Nur mit Tusche, verwässerter Tusche und Wasser, die sie auf mit Tee eingefärbtes Papier gesetzt hat, haben sich kleine amorphe und zelluläre Muster zu kristallinen Kompositionen formiert, die auf die zart-fossilen Abdrücke von Muscheln auf Felswänden anspielen und auf unprätentiöse Art die künstlerische Neugier und unerschöpfliche Kreativität der 70-jährigen Künstlerin beweisen.

Bis 13. Dezember. Geöffnet: Do + Fr 18–21 Uhr, Sa 15–18 Uhr, So 11–14 Uhr.

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