Bei strahlend schönem Samstagswetter hielten sich drinnen im Pfarreiheim in Matzendorf kulinarische Düfte. Im Rahmen der Aktionswoche gegen Rassismus des Kantons Solothurn - die noch bis zum 28. März dauert - führte der Gemeinderat Matzendorf ein kulinarisches Treffen der verschiedenen Kulturen im Thal, heute auch Streetfood-Festival genannt, durch. Gemeinderätin Sara Liechti hat dafür die organisatorischen Aufgaben übernommen und sich im Vorfeld mit Vertretern verschiedener Kulturen getroffen.

«Es war gar nicht so einfach, mit diesen Personen in Kontakt zu kommen», erzählt Liechti, während sich im gut gefüllten Pfarreiheim Leute an den Ständen zum Essen trafen. «Personen aus anderen Ländern leben oft zurückgezogen.» Nur durch intensive Mundpropaganda und der Mithilfe des Netzwerks des Naturpark Thal sei sie mit im Thal lebenden Personen aus unterschiedlichen Ländern ins Gespräch gekommen. Schliesslich konnten die Besucher Delikatessen aus zehn Ländern geniessen. Solche aus Sri Lanka (Tamilen), aus Äthiopien/Eritrea, Italien, Afghanistan, Kroatien/Bosnien, Indonesien, Marokko, der Türkei und natürlich der Schweiz.

Stolz sein auf die eigene Kultur

Der Anlass war ein voller Erfolg, sowohl für Gastgeber als auch für Besucher. Auch Gemeindepräsident Marcel Allemann war begeistert: «Es kommen Besucher aus dem ganzen Thal an unser Streetfood-Festival, besonders viele junge Familien. Als wir im Gemeinderat von dieser Aktion hörten, waren wir alle sofort dafür, mitzumachen.»

Schön wäre natürlich noch gewesen, man hätte den Anlass im Freien durchführen können. Doch die Wetterlage war in den vergangenen Tagen einfach zu unsicher. Liechti hatte sich zudem noch mit anderen organisatorischen Problemen auseinandersetzen müssen. «Die meisten brachten viel mehr Esswaren mit, als sie ursprünglich angaben.» Das läge daran, dass sie gerne und mit Stolz die kulinarischen Eckpunkte ihrer Kulturen präsentieren.

Viele der ausländischen Vertreter, die mitmachten, waren ganz einfach Familien, die im Thal leben. So beispielsweise zwei Familien aus Marokko, die eine ganze Palette an traditionellen Gerichten zum Verkosten anboten. Die Besucher des Festivals konnten sich jedoch nicht nur ab deren Köstlichkeiten laben, sondern den Familien auch Fragen über das Alltagsleben in der Schweiz oder über ihr Heimatland stellen. Zu einem Schluck traditionellen Minzentees erzählten die Köche auch, wie ihr traditionelles Essen und die Schweizer Kost sich miteinander vertragen oder sich gegenseitig ergänzen.

Sprachbarrieren überwinden

Ebenfalls war eine Familie aus Eritrea anwesend, welche die angebotenen Esswaren kleidertechnisch begleitete. Sie trugen nämlich traditionelle eritreische Gewände. Ein Besuch an ihrem Stand kann deshalb mit einer Begegnung auf einem afrikanischen Markt verglichen werden: Fremde Gerüche, fremde Farben, fremde Geschmacksrichtungen. Die wenigen Sprachbarrieren, die es gab, konnten mit dem gemeinsamen Essen schnell überwunden werden. Denn mit vollem Mund spricht man sowieso nicht.

Interessant zu beobachten war auch, wie uns Einheimischen traditionelle Gerichte aus Italien, der Türkei oder auch Sri Lanka (indisch) inzwischen bekannt sind, oder gar Teil unseres Alltagsessens geworden sind.

Gegen Ende des Anlasses am frühen Nachmittag waren viele Stände leer. «Ich habe leider nur noch Sauce und kein Fleisch mehr», meinte beispielsweise der Vertreter der Tamilen lachend. Für alle war der Anlass ein grosser Erfolg, sodass Liechti sogar darüber nachdenkt, ein solches Streetfood-Festival regulär in den Jahreslauf der Veranstaltungen von Matzendorf zu integrieren. Solche guten Gedanken für die Zukunft seien genau das, was so eine Aktions-Woche auslösen soll.