Wolfwil
Kritiker machen gegen geplante Handyantenne mobil – trotz Funkloch

Das neueste Projekt der Swisscom für den Ausbau des Mobilfunknetzes ruft Gegner auf den Plan. Sie finden, dass eine Mobilfunkantenne nicht in die Nähe von Schule und Kindergarten gehört. Der Gemeinderat kriegt dabei sein Fett ab.

Erwin von Arb
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Mobilfunkantennen-Gegner Willi Mäder vor der Mehrzweckhalle. Der Antennenmast würde auf der gegenüberliegenden Ostseite des Gebäudes installiert. (eva)

Mobilfunkantennen-Gegner Willi Mäder vor der Mehrzweckhalle. Der Antennenmast würde auf der gegenüberliegenden Ostseite des Gebäudes installiert. (eva)

Seit der erfolgreichen Bekämpfung des Natelantennenprojektes der Swisscom beim Fussballplatz vor rund 12 Jahren durch eine von 120 Wolfwilerinnen und Wolfwilern getragene Bürgeraktion befindet sich das Aaregäu quasi in einem Funkloch. Diese Erfahrung machen insbesondere Nutzer von sogenannten Smartphones, deren technische Möglichkeiten wegen des schwachen Signals nur eingeschränkt genutzt werden können.

Die schlechte Mobilkfunkabdeckung ist inzwischen vielen Aaregäuern ein Dorn im Auge. Der Gemeinderat wurde deshalb immer wieder dazu angehalten, sich für eine Verbesserung einzusetzen. Um nicht wieder Schiffbruch zu erleiden, liess der Rat die Gemeindeversammlung Mitte letztes Jahr in einer Konsultativabstimmung über einen allfälligen Ausbau des Mobilfunknetzes befinden. Der Souverän sprach sich damals mit 56 gegen 3 Stimmen und 2 Enthaltungen deutlich dafür aus. Die Swisscom wollte allerdings nur dann aktiv werden, wenn die Gemeinde einen geeigneten Standort stellt. Weil sich von privater Seite niemand meldete, schlug der Gemeinderat zuerst das Schützenhaus als Standort vor. Nach dem abschlägigen Bescheid der Swisscom fiel die Wahl auf das Mehrzweckgebäude bei den Schulanlagen, wo auf der Ostseite eine Mobilfunkantenne errichtet werden soll. Am 9. Juni können die Stimmberechtigten an der Urne über das Projekt befinden.

Ein Ja verhindern wollen der ehemalige Posthalter und Anwohner Willi Mäder und sowie eine von Gebhard Bürke angeführte Gruppe besorgter Wolfwiler Eltern und Bürger. «Wir sind nicht generell gegen den Bau eine Mobilfunkantenne, wir finden aber deren Standort so nahe bei Schule und Kindergarten völlig ungeeignet», macht eine Frau der Gegnerschaft deutlich. «Der Gemeinderat hat seine Aufgaben nicht gemacht, wenn er diesen Standort vorschlägt», moniert Mäder. «Besser wäre gewesen, eine Zone auszuscheiden, wo gefahrlos eine Antenne gestellt werden kann.» In Richtung der Swisscom kritisiert er, dass sich diese aus Kostengründen gegen den Standort beim Schützenhaus ausgesprochen habe. Mit dem aktuellen Projekt würden die Schulkinder einer unnötigen Strahlung ausgesetzt.

Das findet auch Gebhard Bürke. Er bemängelt, dass die Grenzwerte in der Schweiz für Innenräume und an Orten mit empfindlicher Nutzung wie Wohnräume, Schulen und Kindergärten, Pausen- und Spielplätze bei 6 Volt pro Meter (V/m) angesetzt wurden. Im österreichischen Salzburg betrage dieser Grenzwert hingegen nur gerade 0,6 V/m. Mit einem Anlagegrenzwert von 6 V/m würde in Kauf genommen, dass Schulkinder der gesundheitsschädigenden Strahlung permanent ausgesetzt würden, so Bürke. In Aussenräumen ohne empfindliche Nutzung beträgt der erlaubte Wert übrigens 60 V/m.

Swisscom hält auf Anfrage fest, dass die bei der Mehrzweckhalle vorgesehene GSM/UMTS-Antenne, welche auch für die neuste 4G/LTE-Technologie vorbereitet werde, den gängigen Vorschriften der NIS-Verordnung (Nichtionisierende Strahlung) entspreche. «Die vom Bund geforderten 4 bis 6 Volt pro Meter werden auf jeden Fall eingehalten», betont Swisscom-Mediensprecherin Annina Merk. Vom Standort beim Schützenhaus habe man abgesehen, weil sich dieser ausserhalb der Bauzone befinde. Frühere Projekte hätten zudem gezeigt, dass eine Mobilfunkversorgung mit einem Standort innerhalb der Bauzone möglich wäre, deshalb fehle die Grundlage für einen Standort ausserhalb der Bauzone.

Mit diesen Ausführungen wenig anfangen können indessen die Gegner der geplanten Anlage. Sie finden, dass die Übung abgebrochen werden muss, auch wenn alles den gesetzlichen Vorgaben entspreche. Es sei noch viel zu wenig bekannt, welche Langzeitschäden solche Strahlen beim Menschen anrichten könnten. Das mit dem Betrieb der Natelantenne einhergehende gesundheitliche Risiko für die Schulkinder sei einfach zu gross, meinen die Gegner. Mäder findet zudem, dass der Gemeinderat einmal mehr nicht gerade mit guter Informationspolitik geglänzt habe: «So wie bei der Schliessung der Post.» Er habe einfach das Gefühl, dass der Gemeinderat diese Antenne ohne grosses Aufsehen durch die Hintertüre bewilligen lassen wolle.

Gemeindevizepräsident Renato Kissling stellt dies in Abrede. Der Rat habe stets über den neusten Stand in Sachen Mobilfunkantenne informiert. Dass die für März angekündigte Informationsveranstaltung nicht stattgefunden habe, gehe auf die Kappe der Swisscom, die sich auf Anfrage des Gemeinderats darauf berufen habe, vor rund vier Jahren bereits eine solche Veranstaltung durchgeführt zu haben.

Dass die Stimmberechtigten am 9. Juni ohne vorgängige Information über die Mobilfunkantenne bei der Mehrzweckhalle befinden können, sei keine Hauruckaktion des Gemeinderates. Der Rat sei vielmehr der Auffassung, dass das aktuelle Projekt verträglich sei, und habe deshalb der Durchführung der Urnenabstimmung mit 9:0 Stimmen zugestimmt. «Dies mit Blick auf das klare Votum an der Gemeindeversammlung Mitte letztes Jahr», so Kissling. Wenn das Projekt abgelehnt werde, breche für den Gemeinderat keine Welt zusammen. «Dann müsste halt ein neuer Standort gesucht werden.» Bei einer allfälligen Annahme werde ein Baugesuch eingereicht und umfassend informiert.