Mit Handschellen und Fussfesseln wurde Roberto Z. * am Dienstagnachmittag von einem Polizeibeamten in den Gerichtssaal des Amtsgerichts Thal-Gäu in Balsthal geführt. Der Rumäne sitzt seit 4. November 2016 im Untersuchungsgefängnis in Olten in Haft. Dort gelandet war Roberto Z., weil er und zwei Mittäter am selben Tag kurz vor 6 Uhr morgens nach einem Einbruch in den Denner Satellit in Oensingen von der Polizei geschnappt wurden.

Waren für 42'000 Franken geklaut

In den Laden gelangte das Trio durch die Lieferantentür, die mit einem geeigneten Werkzeug gewaltsam aufgewuchtet wurde. Im Ladenlokal rissen die Einbrecher ein Absperrgitter aus der Verankerung und verschafften sich so Zugang zum Zigarettenregal.

Daraus entwendeten sie 529 Stangen Zigaretten und 27 Pakete Tabak. Dazu kamen 20 Flaschen Spirituosen sowie diverse Toilettenartikel, vornehmlich teure Parfüms. Der Wert der entwendeten Waren betrug über 42'000 Franken; der angerichtete Sachschaden 3425 Franken.

Die Höhe der Deliktsumme und die erwähnte Sachbeschädigung wurden bei der Verhandlung nicht weiter erörtert. Dies, weil sich Roberto Z. nach Abschluss der Voruntersuchung in allen Punkten für schuldig erklärt hatte.

Ebenfalls einverstanden war der rumänisch und italienisch sprechende Angeklagte in Absprache mit seinem amtlichen Verteidiger mit der Durchführung eines abgekürzten Verfahrens.

«Im Auftrag gehandelt»

Eine aufgebotene Dolmetscherin übersetzte den vor der Verhandlung mit Staatsanwalt Toni Blaser ausgehandelten «Deal». Dieser sieht für den begangenen Diebstahl, die Sachbeschädigung und den Hausfriedensbruch eine unbedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten vor. Dazu kommt ein Landesverweis von zwölf Jahren.

Verteidiger Oliver Wächter erklärte auf Nachfrage von Amtsgerichtspräsident Guido Walser, dass er die Höhe der Freiheitsstrafe wegen «nur» einem Einbruch als hoch erachte. Sein Mandant habe aber eingewilligt, dieses Strafmass zu akzeptieren.

Wert legte der geständige Beschuldigte aber auf die Feststellung, dass der Plan, in den Denner-Laden einzubrechen, nicht von ihm und seinen zwei Mittätern ausgeheckt wurde. Dafür seien zwei Albaner verantwortlich. Diese hätten ihnen nicht nur den Auftrag für den Einbruch gegeben, sondern auch die Verwertung des Diebesgutes übernommen.

Urteil soll abschreckend wirken

Staatsanwalt Toni Blaser bestätigte diese Darstellung, ohne weitere Details zu erwähnen. Vielmehr verwies er darauf, dass er in Roberto Z. einen Kriminaltouristen sehe, der nur deshalb in die Schweiz gekommen sei, um als Einbrecher tätig zu sein. Mit diesem zugegeben hohen Strafmass folge er der jüngsten Praxis der Gerichte, die darauf abziele, Kriminaltouristen abzuschrecken.

Amtsgerichtspräsident Guido Walser bestätigte das von beiden Parteien und auch vom Oberstaatsanwalt gutgeheissene Urteil von 11 Monaten Gefängnis. Wenn der 33-jährige Rumäne seine Strafe in der Schweiz abgesessen hat, droht ihm bereits neues Ungemach.

Italien hat ein Auslieferungsbegehren an die Schweiz gestellt, weil er dort wegen ähnlicher Delikte noch eine Reststrafe von 5 Jahren und 8 Monaten abzusitzen hat. Das Bundesamt für Justiz habe diesem Begehren zugestimmt, so Blaser.

* Name von der Redaktion geändert