Oensingen

Kreisschule Bechburg: Von der «Roten Fabrik» zum «Blauen Wunder»

Kreisschule Bechburg: links bis Ende Schuljahr 2004/2005 in rot, recht heute in Silbergrau und blau.

Kreisschule Bechburg: links bis Ende Schuljahr 2004/2005 in rot, recht heute in Silbergrau und blau.

Vor 40 Jahren fiel der Baustart für die Kreisschule Bechburg in Oensingen – am Donnerstag präsentiert sie ihre Neuerungen. Das Motto lautet: «Von der Wandtafel zum Smart Board - 40 Jahre Kreisschule Bechburg».

Von 17.30 bis 20.30 Uhr können die rundum erneuerten Klassenzimmer besichtigt werden, die mit aktueller Technik ausgerüstet sind.

Im Grunde ist die Schule erst seit 39 Jahre in Betrieb. Doch man fand, die Aufrüstung der Schulzimmer sei Grund genug, sich wieder einmal der Öffentlichkeit zu präsentieren. Zudem war ja im März 1974 Baubeginn für das Schulhaus.

Warum so weit draussen?

Neben dem Blick in die Zukunft der Schule ist am Donnerstag auch ein Rückblick thematisiert mit Fotos, Dokumenten und einem Film. Ende der 1950er-Jahre wurde der Schulraum in Oensingen immer knapper für die Oberstufe, in die auch Schülerinnen und Schüler aus Kestenholz integriert sind. Ein Ausbau an bestehenden Standorten schien nicht geeignet, eher ein Neubau.

Aber wo? Eine Variante wäre das Mühlefeld gewesen, wo heute Migros und Aldi sind, allerdings waren die Landpreise zu hoch. So entschied man sich für den heutigen Standort ausserhalb des Dorfes, der auch für die Kestenholzer Schüler gut zu erreichen ist. Damit die Oensinger von der Dorfmitte her einen direkten Zugang haben, wurde eine Passage unter die Bahnlinie gebaut.

30 Jahre Kreisschule Bechburg: Bilder vom alten Schulhaus

30 Jahre Kreisschule Bechburg: Bilder vom alten Schulhaus

Der Zweckverband «Bechburg» wurde gegründet, der dann das Grundstück kaufte und den Bau erstellte. Später sorgte der Kostenverteiler Jahrzehnte lang für Ärger. Kestenholz sah sich benachteiligt, denn Oensingen würde insbesondere von den Aussenanlagen deutlich mehr profitieren. 2010 akzeptierten die Partnergemeinden ein neues Vertragswerk, seither ist Ruhe.

Rot im gelb-dominanten Dorf

Gestaunt hat man seinerzeit, dass das neue Schulgebäude eine rote Fassade bekam. Diese Farbe hatte eine besondere Bedeutung, weil damals die politische Zugehörigkeit gerne mit Rot (sozialdemokratisch), Schwarz (christlichsozial) und Gelb (freisinnig) ausgedrückt wurde. Oensingen wurde damals stark vom Freisinn dominiert. Im Film über den Bau des Schulhauses, gedreht von Sekundarlehrer Hugo von Arx, wird denn auch der Wechsel von der ersten Farbgebung zur heutigen in Silbergrau und Blau hervorgehoben: «Von der Roten Fabrik zum Blauen Wunder.»

Wie kam man überhaupt auf das Rot? «Ohne irgendeinen Hintergedanken. Es war die beste Variante», antwortet Urs Moser, damaliger Präsident der Schulhausbaukommission, Lehrer und Schulvorsteher. Apropos beste Variante: Für den Schulhausbau war ein Wettbewerb ausgeschrieben worden, an dem sich 38 Architekten beteiligten.

Das Siegerprojekt kam aber nicht zur Ausführung, sondern das zweitplatzierte aus dem Büros Etter und Rindlisbacher aus Solothurn. «Beim genaueren Studium des Projekts stellten wir fest, dass dieses im Innenraum viel mehr Flexibilität bot», erklärt Urs Moser. 1992 wurde die Schulanlage ergänzt durch einen Trakt mit Räumen für Hauswirtschaft und Textiles Werken sowie mit einer Aula, die mittlerweile nicht nur der Schule dient, sondern auch externen Nutzern.

Video des Neubaus der Kreisschule Bechburg

Video des Neubaus der Kreisschule Oensingen

Derzeit besuchen 181 Jugendliche aus Oensingen und Kestenholz die von Rita Häfeli geleitete Kreisschule Bechburg. 28 Lehrpersonen unterrichten 11 Sekundarklassen der Niveaus E oder B, 257 Jugendliche besuchen die angegliederte Musikschule. Martin Rötheli, Präsident des Zweckverbandes, betont: «Damit gute Leistungen erzielt werden können, legen wir neben einer ganzheitlichen Erziehung und Förderung Wert darauf, dass Schule in einer gepflegten und modernen Umgebung stattfindet.»

Fehlt nur noch die Sek-P

Nach wie vor beschäftigt es die Schulverantwortlichen, dass die Kreisschule Bechburg nicht zum Sek-P-Standort wurde, so wie das zuerst vom Regierungsrat empfohlen worden war. Auch im Gemeinderat von Oensingen stösst diese Tatsache hie und da wieder sauer auf: Noch sei nicht aller Tage Abend, heisst es dann jeweils. Denn definitiv bestimmt werden die Standorte erst im Jahr 2016. Gemindert wurde der Ärger durch ein Zeichen der Delegiertenversammlung 2013 der Kreisschule Gäu, dem vorläufigen Sek-P-Standort fürs Gäu. Man zeigt sich offen für eine Kooperation mit Oensingen.

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