Die Rechnung 2017 der Einwohnergemeinde, die mit einem Minus von rund 3 Millionen Franken deutlich schlechter schliesst als budgetiert, sorgte an der von 89 Stimmberechtigten besuchten Gemeindeversammlung für keine Diskussionen. Ganz im Gegensatz zum vom Gemeinderat beantragten Kauf der Liegenschaft der Brunnertransporte AG an der Hirsackerstrasse 26. In diesen Hallen soll der Werkhof zentralisiert werden. Handlungsbedarf gebe es, wie der zuständige Gemeinderat Georg Schellenberg erwähnte, weil sich Investitionen in das alte Werkhofgebäude an der Hauptstrasse nicht mehr lohnten.

Den Anfang der länger dauerenden Diskussion machte Linda Bader, die namens der FDP den Antrag stellte, auf das Kreditbegehren von 2,915 Millionen Franken für den Kauf und den Umbau der Liegenschaft sei nicht einzutreten. Wegen der finanziell angespannten Situation der Gemeinde verlange die FDP einen Investitionsstopp und, dass der neue Werkhof wie vorgesehen auf dem Marti-Areal an der Kestenholzerstrasse realisiert werde. Wenn dort nicht gebaut werde, verliere das der Gemeinde gehörende Land massiv an Wert. Marcel Schenk kritisierte den von Schellenberg im Rahmen der Finanzierung erwähnten Buchgewinn von 2,5 Millionen Franken. Dieser soll mit den Verkauf des Areals im Unterdorf erzielt werden, auf dem sich derWerkhof befindet. Noch sei das Geld nicht da, bemerkte Schenk.

«Kein Wertverlust wegen Strasse»

Gemeindepräsident Fabian Gloor verwies auf die vom Kanton über das Marti-Areal geplante Entlastungsstrasse. Diese sei von grosser Bedeutung, um den stetig zunehmenden Verkehr durch das Dorf in den Griff zu bekommen. Den erwähnten Wertverlust des Landes wegen der über das Areal führenden Entlastungsstrasse betritt Gloor. Dieses Land entlang der Strasse sei insbesondere für das Gewerbe von grossem Interesse. Entsprechende Anfragen gebe es bereits. Dass der Gemeinde dieses insgesamt 6830 Quadratmeter grosse Landstück gehöre, sei ein Vorteil. «Das gibt uns die Möglichkeit, auf die Planung des Kantons Einfluss zu nehmen», so Gloor. Deshalb mache es auch Sinn, den Werkhof an die Hirsackerstrasse zu verlegen. Die Chance, dieses Gebäude zu kaufen, müsse aus Sicht des Gemeinderates ergriffen werden.

Der FDP-Antrag, nicht auf das Geschäft einzutreten, wurde mit 33 gegen 45 Stimmen abgelehnt. Mit Blick auf die für Oensinger Verhältnisse eher schwach besuchte Gemeindeversammlung stelle Ursula Meise den Antrag für eine Urnenabstimmung. Diesem wurde mit 34 Stimmen entsprochen. Nötig gewesen wäre ein Drittel, also 30 Stimmen.

In der Schlussabstimmung wurde der Kredit von 2,915 Millionen Franken für den Kauf und den Umbau der Brunner-Halle mit grossem Mehr zuhanden der Urnenabstimmung verabschiedet.
Zahlreiche Wortmeldungen gab es vor der Verabschiedung des neuen Stellenplans der Einwohnergemeinde. Diesen hatte der Gemeinderat auf Verlangen der Gemeindeversammlung vom 30. Januar von aktuell 3530 auf neu 3000 Stellenprozente gekürzt, was einer Reduktion von 15 Prozent entspricht.

50-Prozentstelle für Feuerwehr

Die Voten betrafen allerdings jene 140 Stellenprozente, welche der Gemeinderat ausserhalb des Stellenplans als befristet deklariert hatte. Betroffen davon ist auch der technische Mitarbeiter der Feuerwehr, dessen Pensum von 100 auf 40 Prozent herabgesetzt wurde, wie Feuerwehrkommandant Michael Dietschi der Versammlung eröffnete. Eine solche Reduktion sei nicht vertretbar, zumal der technische Mitarbeiter eine grosse Entlastung für die Offiziere sei.

Auch würden wegen der nötig werden Auslagerung von Arbeiten an Feuerwehrfahrzeugen Mehrkosten entstehen. Deshalb sei die erwähnte Stelle fix auf 50 Prozent festzulegen. Gloor betonte, dass keine Absicht bestehe, diese Stelle zu streichen. «Wir wollen ausloten, wie viele Stellenprozente es dafür braucht.» Den Disskussionen ein Ende bereitete Werner Hunziker. Er stellte den Antrag, die 50-Prozent-Stelle des technischen Mitarbeiters der Feuerwehr sei unter Einhaltung der von der Versammlung bewilligten 3000 Stellenprozente fix in den Stellenplan 2018 aufzunehmen. Der Antrag wurde mit 48 gegen 31 Stimmen gutgeheissen. Der Stellenplan tritt per 31. Dezember 2018 in Kraft.

Die mit einem Defizit von rund 3 Millionen Franken schliessende Rechnung 2017 wurde ohne Wortmeldung bewilligt. Zum negativen Ergebnis geführt haben vor allen tiefere Steuererträge, wie Gloor bemerkte. Als Ergebnis der Rechnung 2017 resultiert erstmals seit dem Verkauf der Elektra im Jahr 2002 für 32,5 Millionen Franken wieder eine Pro-Kopf-Verschuldung von 478 Franken.