Balsthal
«Konkurs von Müller Holzfeuerungen AG war absehbar»

«Warum wird eine Firma mit einem Preis ausgezeichnet, wenn sie Probleme hat?» Gemeint ist die Müller AG Holzfeuerungen aus Balsthal. Laut einem ehemaligen Mitarbeiter war der Konkurs absehbar.

Alois Winiger
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Juli 2005: Da stieben noch die Funken in der Werkhalle der Firma Müller in Balsthal. Archiv

Juli 2005: Da stieben noch die Funken in der Werkhalle der Firma Müller in Balsthal. Archiv

Hr. Aeschbacher

Die Firma hat 2012 den Solothurner Unternehmerpreis erhalten, zwei Jahre später, im November 2014, wurde der Konkurs über sie verhängt (wir berichteten). 30 Mitarbeitende standen plötzlich ohne Arbeit da, Geld für einen Sozialplan war nicht vorhanden.

Doch jetzt gibts gute Nachrichten für einen Teil der Mitarbeitenden: Sie werden neu zu Angestellten der Viessmann (Schweiz) AG; sie gehört zur weltweit im Bereich Heizung, Klima und Kälte tätigen Viessmann Gruppe mit Hauptsitz im Hessischen Allendorf. Das bestätigte am Freitag die Firmensprecherin Marianne Zaugg. «Es handelt sich dabei aber nicht um die Übernahme eines Geschäftsbereichs der ehemaligen Müller AG in Balsthal. Das heisst, es werden keine Rechte und Pflichten der konkursiten Firma übernommen.»

Erstaunen – positiv wie negativ

Dass die 1980 gegründete und stets erfolgreiche Müller Holzfeuerungen AG am Ende sein soll, versetzte viele in Erstaunen – viele aber auch nicht, wie sich jetzt herausstellt. Sie waren eher erstaunt, dass die Firma 2012 ausgezeichnet worden war. Erneut aktuell geworden ist dies nach einer Meldung im Amtsblatt: «Es liegt ein verbindliches Kaufangebot für 260 000 Franken vor für das gesamte bewegliche Inventar (ohne Drittansprüche, ohne Fahrzeuge) sowie sämtliche Serviceverträge und der CH-Marke.»

Geschätzt wurde dieses Inventar auf 800 000 Franken. «Auch das wäre immer noch sehr preiswert», sagt Oskar Leiser. 17 Jahre lang war er bei der Müller AG beschäftigt, seit 2001 hat er im Baselbiet eine eigene Firma und betreut unter anderem auch Müller-Heizanlagen. «Diese sind gut, keine Frage. Aber wenn Kunden auf einmal den Service nicht mehr von Müllers Firma ausführen lassen wollen, so bedeutet das nichts Gutes. – Wobei», so betont Leiser, «nicht die Mitarbeiter das Problem waren.» Aus seiner Sicht habe das Management in den vergangenen Jahren entscheidende Fehler gemacht. «Der Konkurs war absehbar.»

Keine Wirtschaftprüfung

In der Branche habe man sich gefragt, sagt Leiser, warum Firmen nicht genauer angeschaut werden, bevor man sie auszeichnet. Die Frage geht an Thomas Heimann von der Solothurner Handelskammer, die den Preis zusammen mit dem Regierungsrat und dem kantonalen Gewerbeverband verleiht. «Ein Jury beurteilt die Dossiers der Firmen, die für den Preis vorgeschlagenen werden», sagt Heimann. «Je nach Bedarf werden Unterlagen nachverlangt oder noch zusätzliche Interviews geführt.»

Eine eigentliche wirtschaftliche Prüfung hingegen finde nicht statt. Andreas Gasche vom kantonalen Gewerbeverband ergänzt, dass lange nicht alle Firmen damit einverstanden wären, «wenn man in ihre Bücher mit den Geschäftszahlen schauen wollte.» Warum eigentlich nicht? Denn genau das könnte doch ein Vertrauensbeweis sein. Aufgrund des Falles der Firma Müller werde man die Frage diskutieren, ob man bis jetzt genug tief in die Firma hineingeschaut hat, räumt Heimann ein. «Aber grundsätzlich müssen wir doch darauf vertrauen können, dass man uns nichts vorgaukelt.»